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Bienen-Gesundheit: Krankheiten, Parasiten und Entmilbung

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Eine Biene auf einer pinken Blume. (Symbolbild)
Gesunde Bienen stehen für Imker an erster Stelle. (Symbolbild) © Yurii Rylchuk/Imago

Für Imker steht die Gesundheit der Bienen an erster Stelle. Starke Bienenvölker sind resistent gegen Krankheiten und Parasiten und erbringen gute Honigleistung.

Wachtberg-Villip – Damit Bienen gesund sind und bleiben, braucht es zunächst die artgerechte Haltung und einen guten Standort für die Bienenstöcke. Außerdem kontrollieren verantwortungsbewusste Imker ihre Völker regelmäßig auf Parasiten wie die Varroa-Milbe und den Beutenkäfer, aber auch auf hochinfektiöse Bakterien und Viren. Informationen zur Erhaltung der Gesundheit ihrer Bienen beziehen Imkerinnen und Imker am besten direkt beim Deutschen Imkerbund e. V.

Bienen-Gesundheit: Artgerechte Haltung und Kontrolle auf Symptome

Die Gesundheit der Bienen ist für einen Imker wohl das wichtigste Anliegen. Denn je besser es den kleinen Insekten geht, desto leistungsstärker sind sie als Bestäuber und beim Sammeln von Pollen und Nektar. Auch die Brutpflege und das Schwärmen beziehungsweise die Bildung von Ablegern gelingen nur bei gesunden, robusten Beständen.

Damit Bienenvölker gesund bleiben, sind zwei Dinge wichtig. Einerseits trägt die artgerechte Haltung wesentlich zum Wohlergehen der Bienen bei, andererseits können regelmäßige Kontrollen die Früherkennung und Behandlung von Erkrankungen erleichtern. Angehende Imker sollten sich zunächst kompetente Beratung über den Imkerbund oder einen erfahrenen Imker in der Nähe suchen.

Bienen-Gesundheit: Standort, Ernährung und Zugang zum Wasser

Für die Gesundheit der Bienen ist vor allem eine ausreichende und abwechslungsreiche „Tracht“ wichtig – also ein Angebot verschiedener blühender Pflanzen, darunter Wildkräuter und Blumen, aber auch Gehölze. So können die Insekten genug Nahrung sammeln, um die Versorgung ihrer Brut mit Pollen und Honig zu sichern. Viele Imker entnehmen nicht den gesamten produzierten Honig, sondern geben den Bienen einen Teil davon zurück, ergänzt um das Einfüttern etwa mit Zuckerwasser. Fremdhonig hingegen kann schädlich sein und durch belastende Inhaltsstoffe zu Erkrankungen führen.

Auch der Zugang zum Wasser ist für die Gesundheit wichtig – denn der Flüssigkeitsverbrauch von Bienen ist hoch, vor allem während der Brutzeit. Wo keine natürlichen Wasserläufe vorhanden sind, kann der Imker deshalb eine Bienentränke bereitstellen. Der Standort für die „Beuten“, also die Bienenstöcke, sollte überdies so gewählt werden, dass die Bienen vor Feuchtigkeit und Niederschlägen geschützt sind und regelrecht von der Morgensonne geweckt werden. Bescheint die Sonne schon früh am Tag das Einflugloch, ist das für die Tierchen das Startsignal für den Beginn des Arbeitstages.

Bienen-Gesundheit: Krankheiten und Parasiten

Bienen sind, sofern die Lebensumstände stimmen, sehr robuste Geschöpfe. Dennoch sind sie bedroht von diversen Parasiten und Krankheiten, die durch Viren, Sporen oder Bakterien verursacht werden. Manches ist bereits endemisch, wie die Varroa-Milbe, und kann vom Imker gezielt kontrolliert und selbst behandelt werden. Andere Bienenkrankheiten sind gefährlich und meldepflichtig, wie die Amerikanische Faulbrut. In schweren Fällen müssen nicht nur die Bienenvölker getötet, sondern auch die Beuten und ihre Wachsrahmen vernichtet werden.

Daneben machen den Bienen der Klimawandel und die Auswirkungen industrieller Landwirtschaft zunehmend zu schaffen. Neben einem Verschwinden des Nahrungsangebots gefährden sie Pestizide, deren Einsatz noch immer legitim ist. Kommen die Bienen mit ihnen in Kontakt, erliegen sie den dadurch verursachten Vergiftungen.

Bienen-Gesundheit: Behandlungen der Varroa-Milbe

Die Varroa ist die wohl am meisten verbreitete Milbe, die die Brut der Bienen befällt. Vor allem die Drohnenbrut ist gefährdet, da sie den längsten Entwicklungszeitraum hat. Bis zum Schlüpfen sind die Larven der Milbe ausgeliefert. Der Parasit schädigt das Gehirn und sorgt dafür, dass befallene Bienen um rund zehn Prozent in der Entwicklung zurückbleiben. Da sie geschwächt sind, leiden solche Bienen dann auch häufiger unter anderen Erkrankungen.

Es gibt verschiedene chemische Behandlungen, die gegen die Milbe wirken, doch die meisten Imker verlassen sich auf den Einsatz von Säuren, die keine oder keine schädlichen Rückstände hinterlassen. Verwendet für die Bienen-Behandlung werden vornehmlich

Ameisensäure wird für die Sommerbehandlung benutzt und wirkt auch auf die Brut ein. Oxalsäure gilt als Winterbehandlung und kann zur Anwendung kommen, wenn die Bienen nach den ersten Frösten brutfrei sind.

Bienen-Gesundheit: Amerikanische Faulbrut

Eine der von Imkern meist gefürchteten Krankheiten bei Bienen ist die sogenannte Amerikanische Faulbrut oder Bösartige Faulbrut. Die Erkrankung wird durch Sporen eines anaerobischen Bakteriums übertragen und ist in hohem Maß ansteckend. Die Larven kommen – oft im Frühstadium – durch das Futter in Kontakt mit dem Bakterium und sterben daran. Zurück bleibt eine bräunliche Masse in der gedeckelten Zelle, die immer weiter nachdunkelt. Mit dem Tod der Larve sterben auch die Bakterien, zurückbleiben jedoch weitere Sporen.

Den Befall mit Faulbrut erkennen Imker an stehen gebliebenen Brutzellen mit Deckel, die sich durch ihre dunkle Färbung abheben. Ein Einstich in die Zelle zeigt, dass die darin befindliche Masse lange Fäden zieht. Schon beim leisesten Verdacht auf Faulbrut muss dem örtlichen Veterinäramt eine Meldung gemacht werden. Eine effektive Behandlung der Erkrankung gibt es nicht. Durch das Vernichten befallener Völker kann die Ausbreitung verhindert werden.

Bienen-Gesundheit: Nosemaseuche, Ruhr oder Maikrankheit

Bienen haben einen sehr anfälligen Verdauungstrakt. Zu den gängigen Darmerkrankungen gehört die sogenannte Maikrankheit, eine Form der Verstopfung. Die erkrankten Bienen weisen einen angeschwollenen Hinterleib auf, taumeln und stürzen. Die Maikrankheit kann tödlich verlaufen, verursacht wird sie vor allem durch Wassermangel. Imker können in diesem Fall die Gesundheit der Bienen wieder herstellen, unter anderem durch Flüssigkeitszufuhr und entsprechende Ernährung – etwa durch eine Umstellung von Futterteig auf Zuckerwasser.

Ebenso gefährlich ist die von Amöben verursachte Ruhr, die auch Bienen befällt, oder die Nosemaseuche. Nosema ist in erster Linie ein Problem mangelnder Hygiene und wird durch Bienenkot im Inneren der Beute verbreitet. Dementsprechend können Imker einer Erkrankung durch Kontrollen und saubere Bienenstöcke effektiv vorbeugen.

Bienen-Gesundheit: Bedrohung durch „Einwanderer“

Zu den Gefährdern, die die Gesundheit von Bienen bedrohen, gehören eingeschleppte Bedrohungen wie der Kleine Beutenkäfer. Das Insekt aus der Familie der Glanzkäfer ist in Afrika südlich der Sahara beheimatet, hat sich aber inzwischen rund um die Welt verbreiten können. Der Beutenkäfer legt seine Eier in Bienenstöcken ab und kann große Distanzen zurücklegen, um einen geeigneten Bienenstock zu finden. Die Larven sind Allesfresser, die die Brut der Bienen ebenso wenig verschmähen wie deren Pollen- und Honigvorräte. Sie verpuppen sich in der Nachbarschaft von Bienenstöcken und suchen als Adultform von Neuem die nächstgelegenen Bienenvölker auf.

Der Befall mit dem Beutenkäfer ist meldepflichtig. Verschiedene Strategien werden derzeit noch erprobt, darunter die Aufstellung von Fallen. Säurebehandlungen wie gegen die Varroa-Milbe haben sich als unwirksam erwiesen.

Bienen-Gesundheit: Vorbeugung, Betriebsberatung, Kosten

Bienen, die bei guter Gesundheit sind, erfordern nur wenig Aufwand und Kosten und bringen dem Imker je Bienenvolk zwischen zehn und zwölf Liter Honig jährlich ein. Die regelmäßig anfallenden Arbeiten zur Kontrolle der Bestände übersteigen selten zehn Stunden im Jahr. Die Ausgaben für die jahreszeitlich anfallende Säurebehandlung der Varroa-Milbe halten sich in Grenzen und belaufen sich auf wenige Cent. Anders sieht es aus, wenn eine ernsthafte Seuche wie die Faulbrut oder der Befall mit Beutenkäfern vorliegt. Bei der Amerikanischen Faulbrut tragen Imker neben dem Verlust der Bestände materielle Verluste durch die notwendige Vernichtung der Beuten.

Das macht die Früherkennung, Eingrenzung und Behandlung umso wichtiger. Imker können unter anderem eine gezielte Betriebsberatung nutzen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die Betriebsberatung ist mit einer Begehung und Gesundheitskontrolle verbunden und beinhaltet außerdem die Unterstützung bei Aufzeichnungen und Protokollierung sowie Empfehlungen zu Therapien und Maßnahmen. Für Neueinsteiger werden die Beratungen zum Teil gefördert. Ansprechpartner ist auch hier das örtliche Veterinäramt oder der Deutsche Imkerbund e.V..

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