1. Landtiere.de
  2. Bienen

Bienenhaltung auf dem Balkon: Gute Sache oder gefährlicher Trend?

Erstellt:

Von: Sina Lück

In Großstädten halten immer mehr Hobby-Imker Bienenvölker auf dem eigenen Balkon. Doch der Trend birgt einige Gefahren für die Insekten.

Wachtberg – Die Bienenhaltung begeistert immer mehr Menschen. Auch in Großstädten wie Hamburg oder Berlin steigt das Interesse, sich ein eigenes Bienenvolk anzuschaffen. Hier boomt vor allem der Trend des „Urban Beekeeping“ auf dem Balkon – also die städtische Bienenhaltung, die auch durch die sozialen Medien immer populärer wird. Einerseits eine erfreuliche Entwicklung, andererseits ein gefährlicher Trend, der zum Teil erhebliche Risiken für die Insekten mit sich bringt.

Bienenhaltung auf dem Balkon: Gute Sache oder gefährlicher Trend?

Für den Deutschen Imkerbund e.V. (D.I.B.) ist es ein Meilenstein: Nach einem jahrzehntelangen Tief, ganze 60 Jahre um genau zu sein, hat die Zahl der Imkereien wieder ihr ursprüngliches Niveau erreicht. Rund 170.000 Menschen mit 1,14 Millionen Bienenvölkern widmen sich in Deutschland derzeit der Imkerei. Tendenz steigend. Das spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen wider: Ende Dezember 2021 zählt der Imkerbund insgesamt 135.730 Imker in seinen Landesverbänden – ein Plus von 2,34 Prozent. Bereits 2020 verzeichnet der Verband einen bundesweiten Mitgliederzuwachs von 4,23 Prozent.

Zwei Imker kontrollieren die Waben eines Bienenvolks auf einer Dachterrasse. (Symbolbild)
Immer mehr Hobby-Imker halten Bienenvölker in der Großstadt auf dem Balkon oder Dach. (Symbolbild) © Image Source/Imago

Bienenhaltung auf dem Balkon: Angehende Imker benötigen gute Ausbildung

In den Großstädten ist der Anstieg noch viel deutlicher zu spüren: Hier lag die jährliche Steigerungsrate in den vergangenen Jahren bei teilweise 15 bis 25 Prozent. Auf diesen Trend blickt Torsten Ellmann, Präsident des Deutschen Imkerbunds, nicht ganz ohne Sorge: „Zuwächse von rund 20 Prozent bedeuten eine Überlastung von Schulungskapazitäten.“ Denn Hobby-Imker sollten sich im Vorfeld eingehend mit den Voraussetzungen der Bienenhaltung und den Bedürfnissen der Insekten auseinandersetzen. Das geht am besten in den örtlichen Imkervereinen, die regelmäßig Anfängerkurse anbieten und fachliche Patenschaften vermitteln.

Doch die Ausbildung von angehenden Imkern hat sich mit der Corona-Pandemie deutlich erschwert. Statt Praxisseminare werden vermehrt Online-Schulungen angeboten. „Diese vermitteln auf moderne Weise zwar theoretisches Wissen, können aber die Praxis und den direkten Kontakt zu Fachleuten und den Bienen nicht ersetzen. Das macht uns Sorgen“, betont Ellmann. So einfach wie in manch einem YouTube-Video dargestellt, ist Imkern nämlich nicht. „Jeder Bieneninteressierte ist verpflichtet, sich sowohl aus ethischen als auch rechtlichen Gründen an seine Tierhalterpflichten zu halten.“

Bienenhaltung auf dem Balkon: Hohe Bienendichte fördert Übertragung von Krankheiten

Mit der zunehmenden Zahl der Imker in den Großstädten steigt auch die Bienendichte, „die zu Krankheitsübertragung unter den Bienenvölkern führt“, mahnt der Präsident des Deutschen Imkerbunds. In Kombination mit einer unsachgemäßen Haltung durch fehlendes Fachwissen kann das fatale Folgen haben. Aufgrund der räumlichen Nähe der Bienenvölker können sich Krankheiten wie die Amerikanische Faulbrut rasant ausbreiten, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Ein weiteres Problem bei zu vielen Bienen auf zu engem Raum: Die Insekten konkurrieren zunehmend um Futter.

Um die Nahrungs- und Lebensbedingungen der Bienen zu verbessern, muss aber nicht jeder Städter gleich Imker werden. Ein paar einfache Handgriffe im Garten reichen schon aus, wenn in wenigen Wochen die Pflanzsaison beginnt. Für die Beete eignen sich vor allem bienenfreundliche Pflanzen, die auch andere blütenbesuchende Insekten gern annehmen*. Wer keinen eigenen Garten hat, kann den Tieren trotzdem helfen: mit blühenden Küchenkräutern auf dem Balkon. *24garten.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant