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Hühnersprache: Scharren, Picken, Gackern – das hat es zu bedeuten

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Hühner kommunizieren mit Laut- und Körpersprache. Wenn Halter mehr über die Hühnersprache wissen, können sie besser auf ihre Tiere eingehen.

Atlanta – Wie Forscher inzwischen wissen, sind Hühner aufgrund ihres sozialen Verhaltens ausgesprochen mitteilsam. Die Hühnersprache besteht nicht nur aus deutlich unterscheidbaren Lautäußerungen. Rund dreißig differenzierte Lautäußerungen hat das Georgia Institute of Technology (GIT) in den Vereinigten Staaten bei Hühnern bereits identifizieren und zuordnen können. Damit erweist sich das Federvieh als überaus redegewandt. Außerdem nutzen Hühner Körperhaltung, Gefieder und Flügelgesten, um sich mitzuteilen.

Zwei Hühner stehen sich im Hühnerstall gegenüber. (Symbolbild)
Hühner sind aufgrund ihres sozialen Verhaltens ausgesprochen mitteilsam. (Symbolbild) © Ruslan Grigoriev/Imago

Hühnersprache: Scharren, Picken, Gackern – das hat es zu bedeuten

Die Lautäußerungen von Hühnern sind nicht einfach nur Gackern um des Gackerns willen. Was erfahrene Hühnerhalter vermutlich längst wussten, bestätigt nun auch die Forschung: Das Federvieh verständigt sich mit einem relativ umfangreichen Vokabular. Schon 24 Stunden vor dem Schlüpfen geben Küken im Ei ihre ersten Töne von sich. Mit einem langgezogenen Piepen teilen sie sich der Glucke mit.

Sehr eng ist die Bindung und damit die Verständigung zwischen Glucke und Küken – auf Angst und Warnrufe des einen reagiert das andere sofort – selbst über größere Entfernungen hinweg. Dabei erkennen die Hennen zweifelsfrei die Stimmen der eigenen Nachkommenschaft, selbst wenn in der Hühnerschar ein hoher Geräuschpegel herrscht.

Tiefe, kurze Töne der Mutter rufen die Küken zum Futter, während hohe, kurze Lautsignale eindeutig mitteilen, dass es Zeit ist fürs Schlafengehen – unter dem mütterlichen Flügel. Und wenn die Kleinen dann behaglich zwitschern, weiß die Henne, dass es der Kinderschar gut geht.

Hühnersprache: Junge Tiere lernen ihr Vokabular

Heranwachsende Hennen und Hähne müssen die Laute der Hühnersprache erwachsener Tiere zunächst erlernen. Die halbwüchsigen Hähne lernen, meist in mehreren Anläufen, das Krähen. Die Lautäußerungen des Hahnes haben unterschiedliche Anwendungsbereiche und können stimmlich differenziert sein. Sie dienen unterschiedlichen Zwecken:

Wie Forscher feststellten, unterscheiden sich die Warnrufe der Hähne, je nachdem, ob sie eine Bedrohung aus der Luft oder am Boden wahrnehmen. Die Hühnersprache erlaubt es dem Hahn zudem, seinen Harem zum Futter zu rufen oder die Hennen insgesamt beisammenzuhalten.

Das Gackern der Hennen hingegen hört man vor allem nach der Eiablage. Offensichtlich wollen die Tiere damit auf sich aufmerksam machen und sich der „Würdigung“ durch ihre Umgebung versichern. Genau dieses Gackern ruft jedoch auch den Hahn herbei, der es als Aufforderung zur Begattung versteht. Hennen können das Krähen ebenfalls erlernen – wenn sie in einer Gruppe ohne Hahn gehalten werden. Meist ist es dann das autoritärste weibliche Tier, das eine Ordnungs- und Schutzfunktion bekleidet.

Hühnersprache: Auch Körpersprache kommt zum Einsatz

Neben den stimmlichen Äußerungen der Hühnersprache verständigen sich Hähne und Hennen über die Körpersprache. Der „Kratzfuß“ des Hahns, ein ritualisiertes Scharren, soll bei einer Henne Eindruck machen oder einen möglichen Rivalen unter den heranwachsenden Jungtieren verwarnen. Ähnlich einschüchternd wirken soll das Zusammenschlagen der Flügel über dem Rücken.

Überhaupt geht es bei der Kommunikation mittels Scharren und im Zweifelsfall auch Picken meist um die Rangordnung. Denn Hühner leben in einem hierarchischen Gefüge, in dem jedes Tier seinen Platz hat und damit seinen Zugang zum Futter erhält. Um diese Rangordnung durchzusetzen und einzuhalten, eignen sich Hennen ohne Hahn einen Teil der „männlichen“ Gebärden an.

Hühnerhalter, die ihre Tiere beobachten, können die Dynamiken in der Gruppe mit einigen Kenntnissen der Hühnersprache besser verstehen, etwa bei Aggressionen wie dem verstärkten gegenseitigen Picken ohne offensichtlichen Anlass. Aber auch der Blick auf die Verständigung der Hennen mit ihren Küken oder auf die Sprache der Hähne in ihrer Rolle als „Führungsperson“ eröffnet ein interessantes Forschungsfeld.

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