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Strukturierte Einstreu und Beschäftigungsmaterial animieren zum Picken und können Verhaltensstörungen vorbeugen. (Symbolbild)

Verhaltensstörung bei Hühnern

Kannibalismus bei Hühnern: Ursachen, Bedeutung und was man dagegen tun kann

Hühner neigen zu Verhaltensstörungen, wenn die Haltungsbedingungen nicht optimal sind. Typisch sind dann Federpicken und Kannibalismus unter den Tieren.

Bonn – Verhaltensstörungen bei Hühnern kommen insbesondere unter schlechten Haltungsbedingungen, bei unpassender Fütterung oder bei sehr aktiven Hybrid-Hochleistungsrassen vor. Zu den weitverbreiteten Auffälligkeiten der Hühner gehören das Federpicken und der Kannibalismus. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund hin.

Kannibalismus bei Hühnern: Ursachen, Bedeutung und was man dagegen tun kann

Kannibalismus ist eine Verhaltensstörung, die nichts mit einer Aggression der Hühner zu tun hat. Es handelt sich bei diesem Verhalten um eine fehlgeleitete Nahrungssuche. Meist beginnen die Probleme mit dem sogenannten Federpicken, bei dem Hühner Federn der Artgenossen abpicken und fressen. Es entstehen kahle Stellen mit kleinen Blutungen. Das Rot des Blutes zieht die Hühner an, verleitet sie zum Picken. Sie verletzen den bereits geschwächten Artgenossen immer stärker, während sie das Gewebe fressen. Hühner können verschiedene Arten von Kannibalismus zeigen:

  • Allgemeiner Kannibalismus: Dieser tritt meist infolge von Federpicken auf und betrifft die kahl gepickten Körperteile.
  • Kopfkannibalismus: Hier löst die rote Färbung von Kamm und Kehllappen das Picken aus.
  • Kloakenkannibalismus: Die Hühner picken den roten Legedarm und infolge der entstehenden Verletzungen die Kloake (gemeinsamer Ausgang für Harn und Urin sowie Geschlechtsöffnung beim Vogel) an.
  • Zehenkannibalismus: Nach spontanem Anpicken gesunder Zehen führt die entstehende Blutung zu weiteren Pickattacken. Dieser Kannibalismus führt zum Verlust von Zehen oder zum Verbluten der Tiere.

Kannibalismus bei Hühnern: Die Ursachen

Es gibt viele Ursachen für den Kannibalismus der Hühner. Häufig führen verschiedene Auslöser dazu, dass die Tiere die Verhaltensstörung zeigen. Meist tragen diese Faktoren zur Entstehung von Kannibalismus bei:

  • wenig Platz (Legebatterie, Kleingruppenhaltung in Käfigen, hohe Besatzdichte)
  • fehlendes Beschäftigungsmaterial (zum Beispiel Heu oder Strohballen und Picksteine im Stall, Freilauf)
  • zu hohe Luftfeuchtigkeit und zu hohe Temperaturen im Stall
  • hohe Ammoniakbelastung (zu seltenes Ausmisten)
  • verunreinigtes Trinkwasser
  • Parasitenbefall (wie Würmer, Milben)
  • Krankheiten (beispielsweise Befall mit E-coli-Bakterien, Kokzidien, Mykoplasmen)
  • unausgewogene Futtermischung (Mangel an Salz, Magnesium, Protein)
  • zu fein strukturiertes Futter (zu hoher Ausmahlgrad)
  • fehlender Grit
  • zu helles Licht im Stall, insbesondere in den Legenestern (mehr als 20 Lux)

Außerdem sind bestimmte Hühnerrassen besonders von Kannibalismus betroffen. Weiße Hochleistungs-Legehybriden zeigen beispielsweise gehäuft Zehenkannibalismus. Generell gilt: Hühner, die sehr aktiv und auf eine hohe Legeleistung hin gezüchtet worden sind, entwickeln eher Verhaltensstörungen wie Kannibalismus, als alte Landrassen, die Eier und Fleisch liefern.

Kannibalismus bei Hühnern: Was kann dagegen man tun?

Zeigen Hühner Federpicken oder kommt es bereits zu Kannibalismus, ist es unerlässlich, schnell zu handeln. Denn je länger die Tiere unter den Auffälligkeiten leiden, desto schwerer sind diese abzustellen. Wichtig ist, die Ursache für den Kannibalismus zu finden. So gehen Hühnerhalter vor:

  • Überprüfung und Verbesserung der Haltungsbedingungen
  • Kontrolle und Optimierung des Stallklimas
  • Umstellung der Beleuchtung von weißem auf gelb-rotes Licht
  • eventuell vorhandene Niederfrequenz-Leuchtstoffröhren durch andere Lichtquellen ersetzen (Vögel nehmen das Licht von Leuchtstoffröhren als stressendes Dauerflackern wahr.)
  • Fütterung anpassen (zum Beispiel Gemüse am Stück zur Beschäftigung)
  • Stallausstattung mit Pickboden, Legenestern, Ruhezonen und Beschäftigungsmaterial strukturieren
  • Außenbereiche mit Beschäftigungsmaterial und Verstecken gestalten
  • Fenster rot streichen (um blutende Wunden für die anderen Hühner unsichtbar zu machen)

Bei einigen Tieren gelingt das Abstellen des Verhaltens trotz aller Bemühungen manchmal nicht. Da eine dauerhafte Einzelhaltung für Hühner keine Option ist, bleibt hier nur der Ausweg, das kannibalistische Huhn aus der Gruppe zu entfernen, zu verschenken oder im schlimmsten Fall zu töten.

Kannibalismus bei Hühnern: Soforthilfe

Sind Hühner von Kannibalismus betroffen, sind die verletzten Tiere umgehend zu separieren, damit diese sich erholen können. Bei nur kleinen Verletzungen genügt die Behandlung mit einem Spray zur Wunddesinfektion (zum Beispiel Blauspray). Sogenannte Kannibal-Sprays schrecken andere Hühner mit unangenehmem Geruch oder Geschmack vom Picken ab. Speziell zum Abstellen von Kloakenkannibalismus sind farbige Lösungen erhältlich, die die Rötung am Hinterteil der Hühner überdecken.