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Ein Blindenhund bei der Arbeit (Symbolbild)

Begleiter, Freund, Helfer

Blindenhunde: Ausbildung, Kosten und welche Rassen geeignet sind

Blindenhunde helfen Blinden und stark sehbeeinträchtigten Menschen in vielen Bereichen des Alltags. Sie schenken ihnen mehr Freiheit und Eigenständigkeit.

Straßburg – In einer spätmittelalterlichen Bettelordnung aus dem 15. Jahrhundert steht geschrieben, dass Bettler keine Hunde halten dürfen, es sei denn, sie seien blind und auf den Vierbeiner angewiesen. Erste gezielte Versuche, Hunde als Helfer für Sehbeeinträchtigte auszubilden, fanden im Paris des 18. Jahrhunderts statt.

Blindenhunde: Ihr Einsatz

Blindenhunde – offiziell als Blindenführhunde bezeichnet – sind speziell dafür ausgebildet, blinden oder stark sehbeeinträchtigten Menschen im Alltag zu helfen. Sie gehören damit zu den Servicehunden und dürfen ihre Besitzer an Orte begleiten, wo normalerweise keine Hunde erlaubt sind, zum Beispiel Lebensmittelläden. Blindenhunde können die Lebensqualität ihrer Halter enorm erhöhen. Sie geben ihnen individuelle Beweglichkeit und so ein hohes Maß an Unabhängigkeit. Auch schenken sie Sicherheit in fremden Umgebungen und senken das Unfallrisiko. Was genau die Hunde können, hängt von ihrer Ausbildung ab. Unerlässlich ist ein sicheres Führen. Der Hund erkennt Hindernisse auf dem Weg, weist darauf hin oder umgeht sie. Beispielsweise bleibt er vor Treppen und Türen stehen und sucht einen freien Weg um Bänke oder Straßenschilder. Höher gelegene Hindernisse wie Schranken erkennt der Vierbeiner ebenfalls.

Hund und Mensch bilden ein Führgespann. Über einen Führbügel hält der Besitzer Kontakt zum Hund. Durch den Bügel erkennt er frühzeitig Richtungswechsel und merkt sofort, wenn der Hund stehen bleibt. Blindenhunde sind auf Befehle wie „nach Hause“, „zum Geschäft“ oder „such Ampel“ und „zum Arzt“ geschult. Oft beherrschen sie über 70 Sprachbefehle. Diese müssen allerdings regelmäßig trainiert werden, damit sie nicht vergessen werden.

Blindenhunde: Voraussetzungen und geeignete Rassen

Bereits im Welpenalter finden erste Wesenstests statt, die zeigen sollen, ob sich der Hund als Blindenhund eignet. Als solcher benötigt er Charaktereigenschaften wie absolute Friedfertigkeit, Wesensfestigkeit, Belastbarkeit, Intelligenz und Nervenstärke. Schließlich müssen sie als Assistenzhunde eine enge Verbindung zu ihrem Menschen aufbauen und auch in hektischen Situationen gelassen den Überblick bewahren. Gelehrige, ruhige Hunde haben gute Voraussetzungen. Natürlich müssen sie auch vollkommen gesund sein. Die Schulterhöhe sollte zwischen 50 und 65 Zentimeter betragen. Bevorzugte Rassen sind:

  • Labrador
  • Golden Retriever
  • Deutscher Schäferhund
  • Großpudel
  • Riesenschnauzer

Mischlinge können ebenfalls geeignet sein.

Blindenhunde: Ausbildung und Kosten

Nachdem der Welpe mit acht Wochen den Wesens- und Gesundheitstest bestanden hat, kommt er in eine Patenfamilie. Dort wird er sozialisiert und erhält ein erstes Training. Dazu gehören Zugfahren, Begegnungen mit anderen Hunden und Menschen. Nach einem Jahr erfolgt die Ausbildung in einer professionellen Blindenführhundeschule. Interessant ist, dass Blindenhunden ein intelligenter Ungehorsam beigebracht wird. Der soll den Schutz seines Menschen gewährleisten. So bleibt er bei potenzieller Gefahr auch dann stehen, wenn sein Halter ihm befiehlt, weiterzugehen.

Die Ausbildung dauert etwa sechs bis neun Monate. Im Anschluss absolviert der Hund die Begleithundeprüfung. Dann beginnt das Training mit dem zukünftigen Besitzer. Damit Mensch und Tier gut zueinander passen, erfolgt oft ein spezielles Auswahlverfahren. Nach einigen Wochen gemeinsamen Trainings kann der Blindenhund bei seinem neuen Halter einziehen.

Ein Blindenhund kostet zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Rechtlich betrachtet gelten sie als Hilfsmittel. Damit übernimmt häufig die Krankenkasse die Kosten für den Hundekauf oder finanziert ihn mit. In Deutschland muss die Sehschärfe hierfür unter fünf Prozent liegen.

Blindenhunde sind auch Hunde

Auch wenn ein Blindenhund über bewundernswertes Können verfügt, ist er doch ein Tier mit tierischen Bedürfnissen. Seine Arbeit ist sehr anstrengend und daher braucht er genügend Ausgleich. Der Hund sollte nur eine begrenzte Zeit am Tag im Dienst sein. Daneben sind das Toben mit Artgenossen, unbeschwertes Spielen und Entspannung sehr wichtig. Nur so bleibt der Blindenhund ausgeglichen und kann seinen Aufgaben zuverlässig nachkommen.