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Wenn mehrere Hunde aufeinander treffen, kann es zu Aggressionen kommen. (Symbolbild)

Auslöser, Vorzeichen, Reaktion

Wenn der Hund beißt: So verstehen Sie Signale und reagieren richtig

Kein Hund beißt grundlos. Mit dem nötigen Wissen um das Warum und die Vorzeichen entschärfen Hundehalter schon im Vorfeld manch heikle Situation.

Wien – Vor einigen Jahren veröffentlichte Dr. Hans Mosser eine Langzeitstudie und beschrieb darin den sogenannten Risiko-Index für Rassen. Diese unrühmliche Statistik der Angriffe auf Menschen (in diesem Fall Kinder) führen keineswegs die sogenannten Listenhunde an. Da kein Tier aggressiv oder überängstlich zur Welt kommt, liegen die Ursachen dafür, dass ein Hund beißt, weniger in den Genen.

Wenn der Hund beißt: Gründe für diese Ausnahmesituation

Zubeißen ist für einen Hund das letzte Mittel, um eine Stresssituation zu beenden. Allerdings liegt das Level für diese Aktion nicht bei allen Tieren gleich hoch. Die Schwelle für aggressives Verhalten richtet sich im Wesentlichen nach negativen Erlebnissen. Daraus resultiert Angst vor bestimmten Situationen, Schmerzen oder anderen Lebewesen. Während der eine Vierbeiner in dieser Panik starr vor Schreck wird, beißt der andere Hund zu. Auslöser ist sehr häufig das Fehlverhalten der Menschen. Nur selten kennt man den eigenen Hund vom ersten Tag an. Immer kann sich eine Angst bereits vor seinem Einzug in den Haushalt manifestiert haben und das Tier schaltet in gleicher Situation in Selbstverteidigung oder übernimmt den Schutz der Familie. Mit einfühlsamer, jedoch konsequenter Erziehung von Anfang an und bewusstem Beobachten des Tieres kann der Halter gegensteuern, bevor es zum Äußersten kommt.

Gründe und Ursachen, wenn ein Hund beißt:

  • mangelnde Erziehung beziehungsweise fehlendes Sozialverhalten
  • unzureichende Auslastung spezieller, auf Arbeit gezüchteter Hunderassen
  • fehlende Aufsichtsperson im Zusammenhang mit Beißunfällen bei Kindern
  • schlechte Haltungsbedingungen bis zur Tierquälerei
  • unentdeckte, krankhafte Veränderungen beim Tier im Zusammenhang mit Schmerzen oder neurologischen Problemen

Wenn der Hund beißt: So erkennen Sie Signale

Beißunfälle lassen sich im Nachhinein gut erklären. Meistens gibt es deutliche Vorzeichen und ein Fehlverhalten der Menschen, bevor der Hund beißt. Wenn ein Hund ein Kind von seinem Platz aus angespannt fixiert oder es beim temperamentvollen Spielen in seiner Bewegung einschränkt, sollten Erwachsene aufmerksam werden. Auch mag nicht jeder Hund wie ein Kuscheltier belagert werden. Platzangst kann einen Biss als Verteidigung auslösen.

Hunde leiden still und zeigen Erkrankungen nicht. Kommt der Mensch dann beim Kuscheln oder bei der Fellpflege an einen wunden Punkt, kann das Tier instinktiv schnappen, um sich selbst vor zusätzlichen Schmerzen zu schützen.

Signale für Angst und Aggression, bevor der Hund beißt:

  • weit aufgerissene Augen mit direktem Blickkontakt
  • angelegte Ohren
  • Knurren
  • angespannte Körperhaltung
  • aufgestellte Rückenhaare
  • Beschwichtigungssignale oder Warnung wie Lippenlecken und den Blick abwenden
  • Einkneifen der Rute und Rückzug bei aufdringlichen Menschen

Tiere mit extremen Verhaltensstörungen überspringen diese Vorstufen und der Angriff kommt aus heiterem Himmel. Auch hier liegt die Ursache in massivster Angst und nicht in der Natur des Hundes.

Wenn der Hund beißt: Die richtige Reaktion, wenn ein (anderer) Hund angreift

Bereits Welpen testen aus, wie weit sie ihre kleinen spitzen Zähne einsetzen können. Hunde-Eltern und andere Hunde setzen dem sehr deutlich und sofort Grenzen. Auch die Menschenfamilie muss hier frühzeitig eine konsequente Beißhemmung durchsetzen, denn was hier noch niedlich ist, wird später eventuell gefährlich. Eine klare Rangordnung ist bisweilen eine lebenslange Erziehungsaufgabe, je nach Charakter des Hundes. Zugleich müssen Kinder die Bedürfnisse eines Hundes verstehen lernen, um keine Provokationen auszulösen.

Wenn der schlimme Fall eintritt und der eigene Hund von einem Artgenossen angegriffen wird, gilt es, besonnen zu bleiben. Gerade hierbei kommt es bei Erwachsenen am häufigsten zu Verletzungen durch Bisse. Menschen sollten jedoch niemals zwischen die kämpfenden Tiere greifen.

Wichtig: Jeder Hundehalter sollte eine Haftpflichtversicherung abschließen, um Regressansprüchen nachkommen zu können, wenn der Hund beißt und Schäden verursacht.