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„Schnüffelhelden“: Hunde spüren vermisste Haustiere auf.

„Schnüffelhelden“ im Einsatz

Kostenlos und ehrenamtlich: Hunde spüren vermisste Haustiere auf - doch nicht immer gibt es ein Happy End

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Wenn der geliebte Vierbeiner plötzlich verschwunden ist, ist die Not der Besitzer groß. Abhilfe schafft ein Verein aus dem Saarland, der Tierspürhunde ausbildet.

Heusweiler - Für viele Haustierbesitzer ist es ein Schreckensszenario: Der geliebte Vierbeiner ist plötzlich verschwunden. Dann wird hastig jeder Winkel der Wohnung kontrolliert, draußen gesucht und Nachbarn gefragt. Werden Frauchen oder Herrchen nicht fündig, bleiben nur noch Aufrufe in sozialen Medien und das Aufhängen von Suchplakaten in der Umgebung.

Wenn alle Stricke reißen, können sich Haustierbesitzer aber noch an die „Schnüffelhelden“ wenden, berichtet tz.de*. Der Verein aus Heusweiler im Saarland hilft mit Tierspürhunden bei der Suche nach entlaufenen Hunden. Gegründet wurde „Schnüffelhelden“ vor mehr als drei Jahren.

Tierspürhunde können ausgezeichnete Aufklärungsquote vorweisen

Inzwischen sind die Hunde* mit ihren Besitzern ehrenamtlich im Saarland und Rheinland-Pfalz unterwegs. Für die Tierbesitzer ist ihre Arbeit kostenlos, der Verein finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Die Erfolgsquote ist sehr hoch. Von 229 Hunden, die im ersten Halbjahr 2021 im Saarland als vermisst galten, konnten 220 gefunden, berichtete kreiszeitung.de*.

Einer der Spürhunde ist Toni. Mit seiner Besitzerin Corinna Speicher probt der Australian-Shepherd-Rüde den Ernstfall. Toni soll einen anderen Hund aufspüren, der sich etwa zehn Minuten entfernt in einem Schuppen befindet. Seine Besitzerin lässt ihn an einem Tuch in einer Plastiktüte riechen, und dann geht es los.

„Schnüffelfreund“ Toni riecht an Tuch und rennt los

Toni läuft eine Straße entlang, vorbei an Passanten und Fahrradfahrer. Dann biegt der Hund plötzlich in einen Wald ab, kurz darauf beschleunigt er und rennt über einen Trampelpfad in Richtung eines Schuppens. Toni bremst ab, dreht sich um und stürmt auf seine Besitzerin zu.

Speicher weiß: Die Suche war erfolgreich. „Schon an der Körpersprache habe ich ihm vorher angemerkt, dass er kurz vor dem Ziel ist“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Erfolgreich war auch Polizeihund Jocko aus München*. Weil er tatkräftig bei der Verhaftung eines Einbrechers mithalf, wurde er zum Mitarbeiter des Monats ernannt.

Tierspürhunde erschnüffeln toten Chihuahua - Besitzer weint bitterlich

Erfolgreich sind die Supernasen auch im Ernstfall. Ein Pudel etwa büxte einmal aus seiner Pflegestelle aus, während sein Frauchen in der Klinik war. „Die Dame war 80, und der Hund war alles, was sie noch hatte“, schilderte „Schnüffelhelden“-Pressesprecher Giuseppe Alexandro Calabró. Noch am selben Tag, und damit innerhalb der wichtigen Frist von 48 Stunden, konnten die Spürhunde den Pudel finden. Heldenhaft agierte auch ein Hund, der ein Rehkitz vor dem Ertrinken rettete*.

Doch nicht immer gibt es ein Happy End. Speicher erinnerte an einen kleinen Chihuahua, der nach Tagen erfroren gefunden wurde. Der Besitzer, ein großer kräftiger Mann, habe daraufhin fürchterlich geweint. „Wenn man das so sieht - das hat mich persönlich viel beschäftigt“, sagte sie. Auch wenn Tiere manchmal nur tot aufgefunden würden, helfe es den Besitzern, weil sie Gewissheit haben. Tragisch ist auch die Geschichte eines Hundes, der vor einer Lidl-Filiale herrenlos aufgefunden wurde*. *tz.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA