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Hunder im Vergleich: Welcher Hund passt zu mir?

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Eine Französische Bulldogge, ein Labrador und ein Pudel spielen mit einer Frisbee-Scheibe (Symbolbild)
Eine Französische Bulldogge, ein Labrador und ein Pudel spielen mit einer Frisbee-Scheibe (Symbolbild) © Karina Hessland / IMAGO

Die große Vielfalt und Besonderheiten der Hunderassen macht die Wahl nicht einfach. Trotzdem findet sich für jeden Menschen das passende Hundetemperament.

Frankfurt am Main – Am 16. Juli 1906 legt das neu gegründete Kartell der stammbaumführenden Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde den Grundstein für den heutigen Dachverband VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen e.V.). Er vertritt seine rund 180 Mitgliedsvereine und über 650.000 Mitglieder in der Fédération Cynologique Internationale. Streng geführte Zuchtbücher und kontrollierte Standards verknüpfen Förderung, Gesundheit und Neuentwicklung althergebrachter und zukünftiger Hunde-Rassen.

Herkunft der Hunde-Rassen: Seit Jahrhunderten an der Seite des Menschen

Wann Wolf und Mensch ihre Freundschaft beschlossen haben, lässt sich kaum datieren. Sicherlich gingen beide schon gemeinsam zur Jagd, bevor aus dem Jäger und Sammler ein sesshafter Bauer wurde. Unterschiedliche Klimaregionen formten dabei nicht nur verschiedene Menschengruppen. Auch die Hunde entwickelten sich je nach Umgebung und Anforderung zu verschiedenen Rassen. Pelzige Begleiter in den eisigen Kälteregionen Alaskas oder Neufundlands, kurzhaarige Kämpfer in den Steppen Afrikas, einzig für den chinesischen Kaiser gezüchtete Palasthunde wie der Pekinese – kein anderes Tier hat sich seinem Menschen so angepasst wie der Hund. Heute zählt das Verzeichnis des Verbands des Deutschen Hundewesens (VDH) mehr als 350 Rassen und es kommen stets neue hinzu.

Das ist ja typisch – Rassen und ihre Eigenschaften

Der VDH bietet vor dem Kauf eines Hundes umfassende Beratung zu Eigenschaften und Bedürfnissen der einzelnen Rassen. Der Verband hält ebenso eine Liste seriöser Züchter bereit, die bestmögliche Gesundheit der Tiere und eine kontrollierte Zucht garantieren.

Vom Verband werden sämtliche eingetragenen Rassen in folgende Kategorien unterteilt:

Die Top 10 – Diese Hunde-Rassen sind besonders beliebt

Allen neuen Zuchten zum Trotz stehen zahlreiche traditionelle Rassen ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Es gilt jedoch zu unterscheiden zwischen einer Rangliste der Zucht inklusive der Arbeits-/Jagdhunde und der des privaten Hundeliebhabers. So zählt der Deutsche Schäferhund aufgrund seines verbreiteten Einsatzes als Wach- und Polizeihund als Nummer eins beim VDH. Als ausschließliches Familienmitglied dagegen haben Labrador und Französische Bulldogge die Nase vorn. Übrigens: Heimlicher Spitzenreiter im deutschen Haushalt ist die abwechslungsreichste Rasse überhaupt: Der Mischling.

Liste VDH 2021

Liste TASSO* 2020

*Tierschutzorganisation TASSO – Haustierzentralregister für die Bundesrepublik Deutschland

Kaum verwunderlich: Die Liste der privaten Lieblingsrassen wandelt sich bisweilen wie die Mode. Pudel, Golden Retriever, Yorkshire Terrier, Jack Russell – sie alle waren schon einmal Spitzenreiter. Und auch wenn seit Langem der Mischling ungekrönter König ist – alle Rassen sind letztendlich eine vom Menschen gesteuerte Vermischung unterschiedlicher Wolfsnachfolger.

Hunde: Besonderheiten verschiedener Rassen

Von den verschiedenfarbigen Augen eines Huskys oder der blauen Zunge eines Chow-Chows haben viele schon gelesen. Weniger bekannt ist beispielsweise, dass der behäbige Basset ein ausgezeichneter Begleiter bei der Vogeljagd ist. Auch die Namen der Rassen stiften bisweilen Verwirrung. So ist der Tibet-Terrier eigentlich ein Hütehund. Der riesige Irish Wolfhound beeindruckt nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch besonders ausgeprägte Wachhund-Eigenschaften. Von allen Hunderassen ähnelt der Shiba Inu dem Urvater Wolf noch am meisten.

Allerdings zeigen sich auch weniger erfreuliche Merkmale wie eine Veranlagung der Dalmatiner zur Taubheit von Geburt an oder einem Hang zu epileptischen Anfällen bei beliebten Rassen wie Labrador, Retriever oder Dackel. Schäferhunde und Rottweiler neigen zur schmerzhaften Hüftdysplasie (HD), Dackel wiederum zur gefürchteten Dackellähmung, einem Bandscheibenvorfall. Erfahrene Züchter achten auf eine entsprechende Auslese. Ganz verhindert werden können diese Handicaps jedoch nicht. Schokoladenfarbene Labradors zeigen sich meist krankheitsanfälliger und werden durchschnittlich zwei Jahre weniger alt als andersfarbige Hunde dieser Rasse.

Hüter der Rassen – Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH)

Mit der Gründung im Jahr 1949 übernahm der Verband die Aufgabe, über Rassestandards und Neuzüchtungen zu wachen. Längst hat sich das Angebot dem modernen Miteinander von Zwei- und Vierbeinern angepasst. Von Agility und Arbeitsprüfungen über Gebrauchshundesport und Rettungshundeausbildung bis hin zu Hundeführerschein und Freizeitspaß wie Dog Frisbee und Dog Dancing finden Hundefreunde hier Unterstützung. Nach wie vor jedoch liegt das Hauptaugenmerk auf Zucht der Rassen und Zuchtzulassung. Hundefreunde und solche, die es werden wollen, treffen sich alljährlich auf der weltgrößten Hundemesse – der „World Dog Show“, im Jahr 2021 beispielsweise im tschechischen Brno.

1 + 1 = ?: So werden neue Rassen geboren

Um als neue Hunderasse anerkannt zu werden, setzt der VDH bestimmte Vorgaben. Es können zum einen neue Zuchten anerkannt werden, zum anderen gibt es aber auch Wiederbelebungen alter Rassen. Neben Zuchttieren ohne familiären Zusammenhang über drei Generationen und acht Blutlinien gehört die Registrierung von 1.000 gesunden Hunden aus dem Zuchtprogramm ebenso zur Vorgabe wie der erfolgreiche Ausschluss von Krankheiten wie HD oder Epilepsie und erfolgreiche Wesenstests. Nach mindestens fünf Generationen und frühestens nach zehn Jahren kann ein endgültiger Antrag auf Eintragung ins Zuchtregister gestellt werden.

Hunde-Rassen – Achtung bei der Auswahl

Auch wenn die Optik leitet, die richtige Wahl des vierbeinigen Begleiters orientiert sich an den Bedürfnissen beider – Hund und Frauchen oder Herrchen. Und da werden vor allem die winzigen Mode-Hunde häufig unterschätzt. Dereinst aufgrund ihrer Gene zur Jagd gezüchtet, fristen sie heute oftmals ein Dasein als lebendiges Accessoire. Die unerschrockenen Ratten-Jäger werden zu Sofakissen degradiert. Entweder leidet darunter nur der Hund oder auch schon einmal die Wohnungseinrichtung.

Folgende Gesichtspunkte zählen bei der Wahl der Rasse:

Eines gilt für jeden Hund: Er ist ein Rudeltier. Gleich, welche Gene die Zucht ihm (oder ihr) mit auf den Weg gibt – der Vierbeiner möchte ungern alleine bleiben. Durch entsprechende Erziehung lernt das Tier, geduldig auf die Rückkehr seines Menschen zu warten. Dieser Zeitraum sollte drei bis vier Stunden nicht überdauern. Wie schnell der Hund dies lernt, liegt bisweilen auch in der Natur seiner Rasse. Ein zweiter Hund kann hier ebenfalls hilfreich sein, sofern sich beide Tiere verstehen.

Sportler, Kinderfreund oder Bodyguard – Hunde-Rassen für jeden Lebensstil

Eines sei vorweg erklärt: Ein Hund vom Züchter wird vermutlich die erwarteten Eigenschaften seiner Rasse vorweisen. Eine Garantie gibt es jedoch nicht. So finden sich durchaus ängstliche Dobermänner, größenwahnsinnige Chihuahuas oder lauffaule Huskys. Selbst die Auswahl für den Polizei- und Katastrophendienst erfolgt unter Beachtung des Temperaments und der Verspieltheit. Trotzdem kristallisieren sich grundsätzliche Talente in den Rassen heraus.

Die Dauerläufer

So freuen sich Arbeitshunde wie Australien Shepherd oder Border Collie neben ausgedehntem Auslauf inklusive Spurtstrecken über eine gute Auslastung der geistigen Fähigkeiten. Das kann im Alltag durch Sportarten wie Agility oder Dog Frisbee geschehen.

Kleine Hunde gilt es ebenso auszulasten wie große. Einmal um die Häuserecke ist auch für sie trostlos und frustrierend. Als einstige mutige Jagdhunde erwarten sie mehr vom Leben als Kuscheln und eine gemeinsame TV-Stunde auf dem Sofa. Eine allzu fahrlässige Verniedlichung führt letztendlich dazu, dass der kleine Napoleon die Rudelführung übernimmt und Kläffen und Zuschnappen seine Dominanz untermauern.

Bei Wind und Wetter draußen, baden im Winter, kuscheln im Schnee – Nordlichter wie Irish Wolfhound, Deerhound, Neufundländer und Husky haben keine Probleme mit Matsch und Regen.

Die Kinderhüter

Als geduldiges Familienmitglied haben Labrador und Retriever durchaus Verständnis für Kinder. Auch lernbegierige Pudel freuen sich über ausgiebige Spiele mit dem menschlichen Nachwuchs. Quirlige Jack Russell Terrier dagegen sind nur dann angenehme Familienmitglieder, wenn ihrem Bewegungstrieb entsprechend Rechnung getragen wird.

Daneben bringen Bernhardiner, der allergikerfreundliche Labradoodle und der Berner Sennenhund gute Familien-Qualitäten mit.

Die Türsteher

Gnadenlose Beschützer von Haus, Hof und dem Menschenrudel sind von Natur aus Hütehunde. Eine feste Hand, konsequente Erziehung und permanente Regulierung sorgen dafür, dass der Schutzinstinkt sich nicht in gefährlichen Angriffen auf Außenstehende äußert. Zu den Hunderassen mit ausgeprägtem Schutzinstinkt zählen neben dem Schäferhund, Hovawart und Airedale Terrier alle Herdenschutzhunde.

Neben Rasse und Aussehen gilt es zudem, die regionalen Bestimmungen zur Haltung sogenannter Listenhunde – vom Gesetzgeber als gefährlich erachtete Rassen – zu beachten.

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