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Ein Labrador Retriever genießt den Aufenthalt im Grünen mit seinem Menschen (Symbolbild)

Das gehört dazu

Die richtige Hundehaltung: Kosten, Erstausstattung und Erziehungstipps

Hundehaltung, auch in der Stadt, wird immer beliebter. Mögliches Konfliktpotenzial im Umfeld kann der Halter durch die richtige Erziehung des Vierbeiners vermindern.

Berlin – Der Wunsch nach dem eigenen Hund ist groß. Immer mehr Deutsche erfüllen sich diesen Traum. Zusätzlich begünstigt wurde der Hundeboom durch die Coronakrise – im Juni 2020 wurden bei der Tierschutzorganisation Tasso e.V. rund 25 Prozent mehr Hunde registriert als im Vorjahresmonat.

Hunde-Haltung – wichtige Tipps

Rund 10,7 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten, so eine Erhebung für den Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V. und den Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF). Hundehaltung ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, allein für Hundefutter geben die Deutschen pro Jahr knapp 1,6 Milliarden Euro pro Jahr aus. Insgesamt belief sich laut der Heimtierstudie der Universität Göttingen 2019 die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch die Hundehaltung auf 5,6 Milliarden Euro. Die eigene Tierhalterbefragung im Rahmen der Studie fördert weitere interessante Fakten zur Hundehaltung in Deutschland zutage:

  • 38 Prozent der Hunde stammen vom Züchter, 32 Prozent aus dem Tierheim oder von einer sonstigen Tierschutzorganisation und 30 Prozent wurden aus „privater Hand“ erworben.
  • Rund 45 Prozent der Hunde in Deutschland sind Mischlinge.
  • 68 Prozent der Hundehalter gaben an, dass sich ihr Gesundheitszustand durch die Tierhaltung verbessert habe, bei der Lebenszufriedenheit sind es sogar 88 Prozent. Die positiven Auswirkungen der Hundehaltung auf die Gesundheit sind zudem durch zahlreiche Studien belegt.

Hundehaltung – eine Frage von Zeit und Raum

Wichtige Überlegungen vor der Anschaffung des Hundes sind:

  • Ist die Wohnung groß genug, um einen Hund zu halten? Ist der Vermieter mit der Hundehaltung einverstanden? Steht dem Hund ein eingezäunter Garten zur Verfügung?
  • Habe ich genügend Zeit für einen Hund? Für Bewegung und Beschäftigung des Tieres sind je nach Rasse durchschnittlich zwei Stunden am Tag zu veranschlagen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erwägt in einer Reform der Tierschutz-Hundeverordnung gar eine „Gassipflicht“. So soll gesetzlich verankert werden, dass der Hund zweimal täglich für jeweils eine Stunde Auslauf außerhalb des Zwingers erhält.

Hunde-Haltung: Kosten rund um den Hund

Neben dem Zeitfaktor spielt der Kostenfaktor eine erhebliche Rolle. An Kosten fallen für einen Hund im Schnitt an:

  • Anschaffungskosten: Schutzgebühr im Tierheim zwischen 150 und 300 Euro; Welpenpreis bei einem seriösen Züchter, je nach Verband und Rasse, zwischen 500 und 2.500 Euro
  • Erstausstattung: zwischen 250 und 300 Euro
  • Futter: je nach Fütterungsart (Trockenfutter, Nassfutter, BARF) und Größe des Hundes, monatlich zwischen 10 und bis zu 300 Euro
  • Haftpflichtversicherung: jährlich 40 bis 120 Euro (Pflicht für alle Rassen in den Bundesländern Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. In anderen Bundesländern besteht diese Pflicht nur für bestimmte Größen beziehungsweise Rassen.)
  • Hundesteuer: abhängig von der jeweiligen Stadt zwischen 0 und 190 Euro; Zweit- und Dritthunde und sogenannte Listenhunde kosten meist einen erhöhten Satz
  • Tierarzt: Impfungen, Entwurmungen, jährlicher Check-up, pro Jahr um 150 Euro

Dazu kommen Kosten für Operationen, für die Hundeschule, für Spielzeug und Leckerchen, die je nach Hund und persönlichen Vorlieben des Hundehalters unterschiedlich ausfallen können.

Hunde-Haltung – das gehört zur Ausstattung

Wer einen Hund hält, braucht eine gewisse Grundausstattung. Dazu gehören:

  • Leine, Geschirr und Halsband
  • Schlafplatz wie Körbchen, Hundebett oder Box
  • Spielzeug
  • Leckerchen und Kauartikel
  • Näpfe für Futter und Wasser
  • Transportbox oder Anschnallgurt für das Auto
  • Kotbeutel
  • Kamm und Bürste für die Fellpflege
  • Zeckenzange/Mittel zur Parasitenabwehr

Hunde-Haltung – Informationen zum Verhalten

Haushunde (Canis lupus familiaris) stammen direkt vom Wolf ab. Durch die Domestikation hat der Haushund gelernt, sich an die menschliche Umgebung anzupassen. Dadurch haben sich bestimmte Verhaltensweisen gegenüber dem Urahn Wolf geändert, zum Beispiel:

  • fehlende Fluchttendenz und angeborene Zahmheit
  • reduziertes Jagdverhalten
  • erhöhte Kooperation mit dem Menschen
  • niedrigere Reaktion auf Umweltreize
  • Zunahme der Stresstoleranz

Einige Verhaltensweisen sind bei Hund und Wolf jedoch identisch:

  • Kommunikation über Geruch (Markieren des Reviers, Beschnuppern fremder Artgenossen)
  • Körpersprache (Ohren hochstellen, Nackenfell sträuben, Rute bewegen, Beschwichtigungssignale)
  • Territorialverhalten
  • Aufstöbern der Beute über die Witterung
  • Hetzen der Beute auf Sicht
  • Sexual-, Fortpflanzungs- und Brutpflegeverhalten.

Rassespezifisches Verhalten von Hunden

Darüber hinaus hat der Mensch über Selektion und Zucht Hunderassen für bestimmte Aufgaben geschaffen. Diese Hunderassen zeigen gewisse Charaktereigenschaften besonders ausgeprägt. Beispiele:

Hütehunde

Rassebeispiele: Australian Shepherd, Border Collie

Besonderheiten im Verhalten:

  • hohe Arbeitsmotivation
  • aktiv und reaktiv
  • starkes Beuteverhalten
  • enge Zusammenarbeit mit dem Menschen

Treibhunde

Rassebeispiele: Welsh Corgi, Australian Cattle Dog

Besonderheiten im Verhalten:

  • selbstständiges Arbeiten
  • schwer lenkbar

Wachhunde

Rassebeispiele: Fila Brasileiro, Leonberger, Hovawart, Deutscher Spitz

Besonderheiten im Verhalten:

  • reserviert gegenüber Fremden
  • selbstständig
  • hohe Bindung an das eigene Territorium

Gebrauchshunde

Rassebeispiele: Rottweiler, Riesenschnauzer

Besonderheiten im Verhalten:

  • schnelle Reaktionsbereitschaft
  • großes Territorialverhalten
  • ausgeprägte Bereitschaft mit dem Menschen zusammenzuarbeiten

Jagdhunde, hier: Erdhunde

Rassebeispiele: Jagdhunde, hier: Erdhunde

  • große Risikobereitschaft

Jagdhunde, hier: Stöberhunde

Rassebeispiele: Cocker-Spaniel

Besonderheiten im Verhalten:

  • selbstständig
  • arbeiten mit Hundeführer zusammen
  • hoch motiviert

Jagdhunde, hier: Bracken/Laufhunde

Rassebeispiele: Bracke, Beagle, Basset

Besonderheiten im Verhalten:

  • ausdauernd und vielseitig
  • sehr guter Geruchssinn
  • sehr selbstständiges Arbeiten
  • geringes Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Menschen

Apportierhunde

Rassebeispiele: Golden Retriever

Besonderheiten im Verhalten:

  • selbstständig
  • hoher Arbeitswille
  • sehr gute Zusammenarbeit mit dem Menschen

Windhunde

Rassebeispiele: Greyhound, Afghanischer Windhund, Whippet

Besonderheiten im Verhalten:

  • sehr hohe Reaktivität
  • selbstständiges Arbeiten
  • wenig Interesse, mit dem Menschen zusammenzuarbeiten

Schlittenhunde

Rassebeispiele: Husky, Alaskan Malamute

Besonderheiten im Verhalten:

  • sehr selbstständig
  • großes Bewegungsbedürfnis
  • starke Jagdveranlagung

Hundehaltung – alles zur Erziehung des Vierbeiners

Der Erziehung des Hundes kommt eine große Bedeutung zu. Schließlich soll der Hund ein angenehmer Zeitgenosse sein. Er soll sich unauffällig in das Familienleben einfügen, mehrere Stunden alleine bleiben können und ein geduldiger Spielkamerad der Kinder sein. Mit Artgenossen soll er sich vertragen, kein Aggressionsverhalten gegenüber Mensch und Tier zeigen. Dass der Hund stubenrein sein muss und nicht die Wohnungseinrichtung zerstört, gehört zu den Basics des Hunde-Einmaleins.

Dabei haben sich die Methoden der Hundeerziehung in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Als der Hund noch überwiegend als Nutztier gehalten wurde – zum Beispiel als Helfer bei der Herde, auf der Jagd oder zum Schutz des Hofes –, waren aversive Erziehungsmaßnahmen und Strafen bei Fehlverhalten des Hundes an der Tagesordnung. Heute werden Hunde zumeist als Familienhunde gehalten und entsprechend auch als Mitglied der Familie angesehen. Dies ging mit einem grundsätzlichen Paradigmenwechsel in der Hundeausbildung einher. Nicht zuletzt durch populäre Fernsehformate wie Martin Rütters „Der Hundeprofi“ gewinnen sanfte Erziehungsmethoden an zunehmender Bedeutung. Der moderne Erziehungsstil stellt zum einen klare Regeln auf („der Hund darf nicht ins Bett“) und setzt dem Hund Grenzen, baut aber hauptsächlich auf das Prinzip der „positiven Bestärkung“, in dem richtige Verhaltensweisen des Vierbeiners belohnt werden. Begleitet wird die Hundeerziehung von Auslastung des Hundes durch sinnvolle Beschäftigung, zum Beispiel über Nasenarbeit wie Mantrailing.

Hundehaltung – so lernen Hunde

Ein Hund lernt über Verknüpfungen. Das heißt: Innerhalb kürzester Zeit werden verschiedene Ereignisse mit Sinneseindrücken wie Hören, Riechen, Sehen oder Spüren verbunden. Damit Hunde generalisieren, also ein bestimmtes Signal als allgemeingültig erkennen können, braucht es einige Tausend Wiederholungen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und an verschiedenen Orten. Beispiel: Hat der Hund zuerst im Garten gelernt, einem Bewegungsreiz wie einem fliegenden Ball nicht hinterher zu rennen, muss dieses Training unter Ablenkung und an ganz unterschiedlichen Orten wiederholt werden, damit das Kommando („warten“) auch wirklich in jeder Situation sitzt.

Durch die Verknüpfung lernt der der Hund auch, dass ein bestimmtes Verhalten eine Reaktion seines Menschen hervorruft. Ist die Reaktion angenehm (Belohnung), lernt der Hund, dass dies ein erwünschtes Verhalten seinerseits ist. Ruft hingegen eine Handlung eine negative Reaktion (Strafe) oder keine Reaktion des Hundehalters hervor, lernt der Hund, dass das gezeigte Verhalten nicht erwünscht oder nicht lohnenswert ist.

Anstatt dem Hund nur über Strafe zu zeigen, dass ein Verhalten nicht gerne gesehen ist, hat der Hundeführer die Möglichkeit, dem Tier ein Alternativverhalten anzubieten. So kann der Hund in kritischen Situationen für das Alternativverhalten (ins Sitz gehen, Blickkontakt mit dem Halter suchen) belohnt werden, anstatt ihn für das unerwünschte Verhalten (Reh jagen) zu bestrafen.