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Hunde können sich mit Parvovirose unter anderem anstecken, wenn sie Hände ablecken. (Symbolbild)

Hundegesundheit im Blick

Parvovirose beim Hund: Wie die Infektion entsteht, Dauer und Behandlung

Wenn ein ungeimpfter junger Hund plötzlich unstillbar erbricht und wässrigen oder gar blutigen Durchfall entwickelt, ist oft Parvovirose der Grund.

Frankfurt am Main – In den 1970er-Jahren trat die Parvovirose erstmalig gehäuft auf. Bei der Epidemie starben Tausende Hunde. Erst Ende des Jahrzehnts konnten Forscher in den USA den Erreger isolieren, woraufhin die Entwicklung einer Impfung gegen das Canine Parvovirus (CPV-2, Parvovirus des Hundes) möglich wurde. Mittlerweile ist die Erkrankung weltweit verbreitet, es kursieren verschiedene Virusstämme (CPV-2 a bis c), weitere Mutationen sind zu erwarten. Laut Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpv) gehört die Parvovirose zu den Krankheiten, gegen die sich eine Impfung empfiehlt.

Parvovirose beim Hund: Ansteckung

Die Parvovirose wird selten direkt von Hund zu Hund übertragen. Das Canine Parvovirus ist ein unbehülltes DNA-Virus, das sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse ist und sich mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln nicht beseitigen lässt. Die Vermehrung des Erregers findet in den Zellen, bevorzugt Darmzellen, infizierter Hunde statt, die das Virus mit dem Kot ausscheiden.

Da der Erreger der Parvovirose lange in der Umwelt überlebt, wird er häufig verschleppt und verbreitet sich weiträumig. Die Ansteckung erfolgt unter anderem auf folgenden Wegen:

  • Beschnuppern von Kot anderer Hunde
  • Belecken des Fells
  • kontaminiertes Futter
  • Belecken von Händen oder Kleidung
  • Lecken an Teppichen

Beim Hund dringt das Virus über die Mund- oder Nasenschleimhaut in den Körper ein. Von dort wandert der Erreger, um Zellen mit hoher Teilungsrate zu finden, die er für seine Vermehrung benötigt. Sobald er Gewebe wie die Darmzotten (Darmkrypten), das Lymphsystem (beispielsweise die Lymphknoten) oder die blutbildenden Zellen im Knochenmark erreicht, setzt eine starke Vermehrung ein. Wenige Tage nach der Infektion zeigen sich plötzlich ausgeprägte Symptome. Für den Menschen ist die Erkrankung nicht gefährlich, da eine Ansteckung ausgeschlossen ist.

Parvovirose beim Hund: Symptome und Überlebenschance

Beim Hund setzt die Parvovirose plötzlich ein. Erkranken können Hunde ab einem Alter von etwa vier Wochen, die meisten Tiere sind jünger als ein Jahr. Ein betroffener Hund zeigt eindrucksvoll folgende Symptome:

  • starkes, anhaltendes Erbrechen
  • wässrigen oder blutigen Durchfall
  • hohes Fieber bis zu einer Temperatur von 41,5° C oder Untertemperatur
  • starke Mattigkeit
  • Fressunlust

Die Tiere leiden schnell an Dehydrierung (Wassermangel). Wenn dieser nicht zum Tod führt, kommt es häufig zu einem Kreislaufversagen aufgrund eines Endotoxinschocks. Dabei fluten die Giftstoffe zerfallender Zellen den Körper und führen zu Organversagen. Auch eine Sepsis (Blutvergiftung) tritt oft auf und führt meist zum Tod. Bei schweren Verläufen tritt dieser nach 24 bis 48 Stunden ein. Übersteht ein Hund die ersten fünf Tage, verbessert sich die Überlebenschance.

Infizieren sich Welpen im Alter zwischen drei und zwölf Wochen, weil die mütterlichen Antikörper nicht stark genug sind, versterben sie oft, ohne Symptome zu zeigen, an akutem Herzkreislaufversagen.

Parvovirose beim Hund: Spätfolgen und Impfung

Gegen die Parvovirose beim Hund gibt es keine Behandlung. Tierärzte können nur versuchen, die Symptome zu lindern und bakterielle Infektionen abzuwehren, bis der Körper den Erreger besiegt. Überleben Hunde die Erkrankung, bleiben häufig Schäden am Herz zurück und die Tiere sterben gehäuft in den folgenden Lebensjahren aufgrund eines Herzstillstands.

Durch die Impfung der Mutterhündin und der Welpen lässt sich eine Ansteckung verhindern. In den ersten Lebenswochen können die jungen Hunde noch geimpft werden und die Antikörper der Mutterhündin bieten über die Muttermilch Schutz. Es wird empfohlen, Welpen im Alter von acht, zwölf und 16 Wochen impfen zu lassen sowie eine Auffrischung mit 15 Monaten durchzuführen. Für gefährdete Bestände (zum Beispiel Tierheime) gibt es eine Impfung für Welpen ab der 6. Lebenswoche.