Pro und Contra

Rüde oder Hündin – welche Unterschiede gibt es im Charakter?

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Verhalten sich Rüde und Hündin gleich – gibt es Unterschiede im Charakter? Oder sogar Vor- und Nachteile? Ist es egal, für welches Geschlecht man sich entscheidet?

München – Gerade für Menschen, die zum ersten Mal einen Hund bei sich aufnehmen wollen, stellt sich oft eine Frage: Was sollen wir nehmen? Einen Rüden oder doch lieber eine Hündin. Wer ist leichter zu erziehen, mit wem kann es mitunter stressig werden, gibt es Vor- oder Nachteile und wer von beiden gilt als dominant oder gar aggressiv? Oder lässt sich das pauschal nicht verallgemeinern?

Ganz genau – denn dies kann man wirklich nicht. Letztendlich hängt das von Ihrem persönlichen Geschmack und Ihren eigenen Vorlieben und Wünschen ab. Denn in gewisser Weise lassen sich bei beiden Geschlechtern ähnliche Verhaltensweisen erkennen. Einmal ist es die Hündin, die für eine gewisse Zeit anstrengend werden kann und dann wieder ist es der Rüde, der nervt. Es kommt auch auf die Situation drauf an, in der Sie sich gerade befinden. Und dann spielen Rasse, Größe, Vorgeschichte und Umgang eine wichtige Rolle. Nehmen wir beispielsweise das Thema Erziehung? Nach wie vor herrscht der Mythos, dass sich Hündinnen leichter erziehen lassen.

Ob Sie sich für einen Rüden oder eine Hündin entscheiden, hängt von Ihren Vorlieben ab. (Symbolbild)

1. Rüde oder Hündin: Hündinnen lassen sich leichter erziehen

Dies ist so nicht richtig. Sowohl eine Hündin, als auch einen Rüden kann man prima erziehen und beide sind mit Eifer bei der Sache und meistern ihre Aufgaben mit Bravour.

Davon ausgenommen: Die Vierbeiner stecken in der Pubertät (je nach Rasse und Größe unterschiedlich, denn kleinere Rassen durchlaufen diese Phase schneller. Und größere Rassen sind absolute Spätzünder. Grob geschätzt etwa ab einem Alter von 6 bis 18 Monate). Diese Phase ist für jeden Hundehalter eine Herausforderung, beide Geschlechter schalten dabei komplett auf Durchzug und benehmen sich, als hätten sie nie etwas gelernt.

Eine weitere Ausnahme: Der intakte Rüde ist im Hormonrausch und schwer verliebt. Kommt Ihnen beim Spazierengehen eine läufige Hündin entgegen und Ihr Rüde nimmt die Spur auf, kann es passieren, dass Ihr geliebter Vierbeiner auf einmal „auf und davon“ ist und er Ihre Kommandos oder Rufe schlichtweg ignoriert. Auch Gartenzäune stellen kein Hindernis dar. In der Hundeschule oder beim ehemals geliebten Spiel und Spaß-Training zeigt er sich unkonzentriert und lustlos. Er frisst kaum noch und winselt vor sich hin.

Nur aufgrund dieses Verhaltens eine Kastration in Erwägung zu ziehen, sollte nicht der ausschlaggebende Punkt sein, sondern eingehend mit einem Experten besprochen werden. Schließlich „legt“ sich dieses Verhalten nach einiger Zeit wieder und findet „nur“ zweimal im Jahr statt. Ein Rüde (dies gilt jedoch auch für eine Hündin) aus dem „Tierschutz“ ist oftmals bereits kastriert, hier zeigen sich mitunter andere Verhaltensweisen wie beispielsweise „Ängste“, oder andere Unsicherheiten, die man jedoch auch mit guter und liebevoller Erziehung sehr gut lenken kann.

Auf der anderen Seite: Eine Hündin wird läufig. Eine läufige Hündin, kann mitunter auch quer über das Feld düsen, nur um an ihren für sie interessanten Rüden zu kommen. Sie hört und sieht nichts mehr. Ihr Verhalten ähnelt dem, des Rüden. Zudem kann eine Hündin, die gerade andere Interessen oder „keinen Bock“ hat, extrem zickig (mitunter auch bissig) auf aufdringliche Rüden reagieren. Auch zeigen manche Hündinnen ein verändertes Verhalten, wenn sie scheinträchtig sind – stetige Unruhe, gesteigertes Nestbauverhalten oder extremes Hin- und Hertragen von Spielsachen sind gewisse Anzeichen.

2. Rüde oder Hündin: Sind Rüden aggressiver im Umgang mit Artgenossen?

Keineswegs. Auch wenn Rüden ihr „Territorium sichern wollen“ und die Grenzen, gleich ob Hauswand oder Wiese, dementsprechend mit Markierungen versehen und dabei jeder Grashalm auf das Genauste untersucht wird, oder sie sich mitunter bei Sichtung von potenziellen Konkurrenten mit Imponiergehabe aufplustern und ihre Körperhaltung sehr präsent wirkt, hat dies nicht unbedingt etwas mit Aggression zu tun. Übrigens zählt es auch nicht zu Aggression, wenn ein schüchterner Rüde von einem selbstbewussten Vierbeiner überrannt wird und daraufhin die Zähne zeigt, dies dient meistens dem Selbstschutz. Hier gilt es einfach, die Situation abzuschätzen und mit guter Erziehung entgegenzusteuern.

Unabdingbar vor allem bei größeren, schweren und kompakten Rüden, die sich nicht so einfach an der Leine halten lassen. Flutscht die Leine durch die Hand, steht man schnell vor einem Problem. Was jedoch nicht bedeutet, dass kleine Rüden nicht erzogen gehören. Zudem sind „Kämpfe“, die von Hündinnen ausgehen, oftmals weitaus „dramatischer und viel härter“, denn die meinen es meistens wirklich ernst, zögern nicht und gehen richtig aufs Ganze, während Rüden meistens nur ihren Rang untereinander festlegen wollen. Und auch eine Hündin, die ein gewisses Gewicht auf die Waage bringt, ist ohne ausreichend Erziehung schwer zu halten.

3. Rüde oder Hündin: Hündinnen sind verschmuster und lassen sich mehr streicheln?

Dies ist nicht richtig. Beide Geschlechter sind verschmust oder eben auch nicht. Das hängt einfach von den Vorlieben des Hundes ab und hat nichts mit seinem Geschlecht zu tun. Manche Hündinnen haben eine große Individualdistanz und legen nicht so viel Wert auf Kuscheln auf der Couch. Sie bevorzugen einfach andere Dinge und genießen es beispielsweise mehr, mit ihrem Besitzer zu trainieren. Anderseits finden es auch Rüden doof, von jedem Menschen angefasst zu werden. Hier sollte man einfach als Besitzer ein Auge darauf haben, was einem Hund Freude bereitet und auch gefällt. Einen Hund zu etwas zwingen, bringt rein gar nichts.

Schlussendlich kommt es einfach auch auf die Rasse und die persönliche Entwicklung des Hundes an. Dies fängt jedoch schon im Mutterleib an. Denn hat die Mutter während der Schwangerschaft Stress, kann sich das auf ihre Welpen auswirken. Auch spätere Einflüsse prägen die Welpen enorm: Was hat der Vierbeiner bereits kennengelernt und erlebt, woran ist er gewöhnt oder welches „Päckchen“ hat er zu tragen. Es ist also ratsam, sich vor der Anschaffung eines Hundes einzulesen und den Rat eines unabhängigen Experten einzuholen.

Rubriklistenbild: © YAY Images/Imago