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Ein Therapiehund besucht einen Jungen im Krankenhaus (Symbolbild)

Wenn Hunde helfen

Therapiehunde: Wo sie eingesetzt werden, was sie leisten und welche Rassen geeignet sind

Seit den 1960er-Jahren wird der Einsatz von Therapiehunden immer populärer. Sie unterstützen in verschiedenen Bereichen wie der Psycho- und der Physiotherapie.

New York City – Hier kam es in den 1960er-Jahren zu einem Schlüsselmoment für die tiergestützte Therapie. Der Kinderpsychologe Boris. M. Levinson veröffentlichte ein Buch über den positiven Effekt, den sein Hund auf ein geistig beeinträchtigtes Kind hatte. Seitdem wird auf dem Gebiet viel geforscht und immer mehr Therapieformen, die mit Tieren arbeiten, entwickelten sich.

Therapiehunde und ihr Einsatz

Therapiehunde unterstützen Psychologen oder Therapeuten, die in der Regel auch ihre Besitzer sind, in Einzel- oder Gruppentherapiestunden. Das unterscheidet sie von Assistenzhunden, die ein ständiger Begleiter des Hilfe benötigenden Menschen sind und mit ihnen zusammenleben. In der Therapie übernehmen die Hunde verschiedene Funktionen. Hunde haben einen positiven Effekt auf das menschliche Wohlbefinden und bauen Stress ab. Allein ihre Anwesenheit beruhigt und vermittelt ein Gefühl von Wärme. Die Tiere sind sehr empathisch und können feinste Stimmungen wahrnehmen. Doch sie werten oder kritisieren nicht und erwarten nichts. Stattdessen spenden sie Nähe und Trost. Das gibt den Patienten Sicherheit. Es macht sie häufig mutiger.

Therapiehunde fungieren als Brücke zwischen Patient und Therapeut, über welche kommuniziert wird. Mit ihrer Hilfe können Patienten zum Beispiel auch lernen, Verantwortung zu übernehmen und empathischer auf die Gefühle eines anderen Lebewesens zu achten und einzugehen. Sie helfen, Emotionen zu kontrollieren und fördern die Motorik beziehungsweise Bewegung.

Tiergestützte Therapie wird bei sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen und Senioren angewandt. Sie arbeiten im psychologischen, sozialen und physiologischen Bereich. Dazu gehören:

  • Psychotherapie
  • Ergotherapie
  • Sprach- und Sprechtherapie
  • Lerntherapie
  • Heilpädagogik
  • Physiotherapie

Therapiehunde: Geeignete Rassen

Grundsätzlich kann jeder Hund zum Therapiehund ausgebildet werden. Entscheidend ist der Charakter. Unerlässlich ist ein offenes, freundliches und entspanntes Wesen. Der Hund darf also keinerlei aggressive Verhaltensweisen aufzeigen. Daneben gehören Gehorsamkeit, ein gutes Sozialverhalten und Stressresistenz zu den wichtigen Eigenschaften. Territorialverhalten, Schutztrieb und Misstrauen gegenüber Fremden sind hingegen ungünstig. Und natürlich muss der Hund gesund sein. Seine artgerechte Haltung während und außerhalb seiner Tätigkeit ist Priorität.

Einige Hunderassen haben von ihrem Grundwesen her eher die Anlage zu einem guten Therapiehund als andere. Zu den menschenbezogenen Rassen zählen unter anderem:

  • Labrador
  • Golden Retriever
  • Border Collie
  • Australian Shepherd
  • Beagle
  • Pudel
  • Bernhardiner
  • Berner Sennenhunde und Neufundländer

Aber auch Mischlinge werden gerne eingesetzt. Am Ende spielt die richtige Erziehung die größere Rolle als die Rasse per se.

Therapiehunde: Ausbildung und Kosten

Eine einheitlich geregelte Therapiehundeausbildung gibt es in Deutschland nicht. Daher variieren Dauer und Kosten je nach Anbieter. Im Schnitt ist mit 1.500 bis 3.000 Euro zu rechnen. Auch beim Mindestalter gibt es Unterschiede. In manchen Fällen werden bereits Welpen ab zwölf Wochen zugelassen, bei anderen Ausbildern muss der Hund mindestens zwei Jahre alt. Generell gilt: Je früher die Ausbildung anfängt, desto größer die Chance, dass der Hund sich noch keine unerwünschten Verhaltensweisen angeeignet oder schlechte Erfahrungen gesammelt hat.

Vor der Ausbildung fällt für jedes angehende Hund-Mensch-Team ein obligatorischer Eignungstest statt. Bei diesem wird beobachtet, wie sich der Hund im Freilauf und gegenüber seinem Besitzer sowie dem Prüfer verhält. Die Ausbildung selber umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil. In der Theorie lernt der Halter alle notwendigen Grundlagen über den Umgang und die Arbeit mit einem Hund. In der Praxis werden verschiedene Situationen eines möglichen Therapieeinsatzes geschult. In einer Abschlussprüfung wird das Erlernte angewendet. Therapiehundehalter müssen nicht zwangsläufig beruflich als Therapeuten tätig sein. Viele Ehrenamtliche gehen gerne mit ihren Hunden in Seniorenheime und besuchen die Menschen dort. Somit ist es jedem Halter mit jedem Hund prinzipiell erst einmal möglich, als Therapie-Team zu wirken.