Neue Jahreszeit, neues Haarkleid

Fellwechsel bei Pferden: Was Sie darüber wissen sollten

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Der Organismus der Pferde läuft auf Hochtouren und überall kleben nach dem Putzen die Haare. Genau das ist die Fellwechsel-Zeit, die zweimal im Jahr stattfindet.

München – Besticht das eigene Pferd durch sauberes und vor allem glänzendes Fell, kommen bei den meisten Pferdebesitzern Glücksgefühle hoch. Denn schließlich zeigt der Glanz auch, dass es dem Pferd gut geht. Doch im Fellwechsel sieht so manches Fell schnell mal stumpf und spröde aus. Außerdem sind die Pferde vermehrt belastet und auch Reiter haben mit den lästigen umherfliegenden Haaren zu kämpfen.

Fellwechsel bei Pferden: Was Sie darüber wissen sollten

Der Fellwechsel findet zweimal im Jahr statt – im Herbst und zum Frühjahr. Im Herbst schieben Pferde allerdings lediglich Fell nach, obwohl sie trotzdem auch Haare verlieren. Beim „echte Fellwechsel“ im Frühjahr wechseln die Pferde hingegen wirklich ihr Fell. Denn dann werden Unterhaare und Oberhaare abgestoßen.

Beim Fellwechsel im Frühjahr werfen die Pferde Unter- und Oberhaare ab. (Symbolbild)

Streng genommen beginnt der „echte“ Fellwechsel aber schon weit vor dem Frühling, nämlich am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres. Von diesem Tag an werden die Tage länger. Da der Fellwechsel Licht gesteuert ist, beginnt dann bereits die erste von den vier Phasen des Fellwechsels. Für uns deutlich sichtbar wird jedoch erst die vierte Phase. Die vier Phasen des Fellwechsels im Überblick:

  • Wachstumsphase: Das Haar wird mit Nährstoffen versorgt und wächst.
  • Ruhephase: Das Haar wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt. Das Wachstum wird eingestellt.
  • Übergangsphase: Das neu gebildete Haar lockert das alte und schiebt es heraus.
  • Haarverlust: Das alte Haar fällt aus und das neu gebildete tritt an die Stelle des alten.

Fellwechsel bei Pferden: Diese Rolle spielen Temperatur und Hormone

Das Licht steuert also viel mehr als die Temperatur den Fellwechsel. Dennoch hat aber auch Letztere einen Einfluss. Sollte es nämlich beispielsweise im Februar nochmal kalt werden, verlangsamt sich der Fellwechsel oder legt einen Stopp ein. Wird es aber warm, so beschleunigt sich der Fellwechsel.

Doch wie so oft spielen auch hier Hormone eine Rolle. Melatonin, das Schlaf-Hormon, beeinflusst den Fellwechsel entscheidend. Werden die Tage im Winter allmählich länger, produziert der Körper weniger Melatonin und stellt den Körper damit auch auf den Fellwechsel ein.

Fellwechsel bei Pferden: Mit einer angepassten Fütterung gezielt unterstützen

Der Fellwechsel zehrt am Pferd. Wer sein Pferd dabei unterstützen möchte, sollte im Idealfall zur Sommer- und Wintersonnenwende die Nährstoffzufuhr überprüfen oder von einem Fütterungsexperten prüfen lassen, um die Pferdenahrung gezielt anzupassen. Denn je nach Behaarung kann der Bedarf an Mengen- und Spurenelementen und vor allem an Eiweiß sprunghaft ansteigen.

Besteht ein Mangel, erkennen Sie das an einem stumpf und struppig wirkenden Fell, schlechter werdenden Hufen und daran, dass sich die Muskulatur zurückbildet. Viele Tiere verlieren auch deutlich an Gewicht. Besonders betroffen sind ältere Pferde, die häufig Körpermasse zu dieser Zeit abbauen. Allerdings geschieht das meist nur, wenn Pferdebesitzer zu spät mit dem Zufüttern beginnen. Am besten beginnen Sie ab Dezember, noch in der ersten Fellwechsel Phase, damit die Ration vom Pferdefutter anzupassen. Mit diesen Fütterungstipps unterstützen Sie ihr Pferd beim Fellwechsel:

  • Mineralfutter: Für das Fell sind Zink, Kupfer, Schwefel und Selen besonders wichtig. Zink beispielsweise bildet Keratin, den Hauptbestandteil des Haares. Aber Achtung: Nur die vom Hersteller empfohlene Menge zufüttern – zu viele Mineralien können auch schaden.
  • Proteine: Beim Fellwechsel muss das Pferd viele Eiweiße bilden, um neue Haare aufzubauen. Für den Stoffwechsel ist das eine enorme Leistung. Daher verlieren vor allem schwerfuttrige Pferde im Fellwechsel oft Gewicht. Um dem entgegenzuwirken, kann die Futterration um bis zu ein Drittel erhöht werden. Doch Achtung: Nicht bei allen Pferden ist das nötig. Junge und gesunde Pferde haben meist genügend Reserven, um den Fellwechsel auch so zu meistern.
  • Bierhefe: Um die Aufnahme der Mineralien zu fördern und das Pferd gleichzeitig mit den wichtigen Vitaminen B und E zu versorgen, kann man zusätzlich Bierhefe füttern. Außerdem helfen Aminosäuren dem Körper bei der Produktion von Haut- und Haarzellen. Biotin, Folsäure, Eisen und Zink unterstützen den Fellwechsel zusätzlich. Die übliche Dosis liegt bei 10 Gramm bis 20 Gramm Bierhefe pro 100 Kilogramm Körpergewicht.
  • Öl: Mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie Omega-3-Fettsäuren, muss der Pferdekörper, da er sie nicht selber bilden kann, über die Nahrung aufnehmen. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und fördern das Immunsystem. Das sind vor allem Leinöl und Rapsöl, wobei Leinöl mit 52 Prozent deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren enthält als Rapsöl mit 9 Prozent. Doch Vorsicht: Pferde sollten langsam an die Ölfütterung gewöhnt werden. Pro Tag sollte nicht mehr als 1,5 Milliliter Öl je Kilogramm Körpermasse verfüttert werden.
  • Immunsystem stärken: Vor allem chronisch kranke Pferde neigen dazu, im Fellwechsel vermehrt zu leiden. Denn die große Belastung des Stoffwechsels schwächt das Immunsystem. Besonders empfindlich ist bei vielen Pferden die Lunge. Oft fangen die Tiere im Fellwechsel an zu husten. Ist Ihr Pferd empfindlich, sollten Sie das Immunsystem rechtzeitig fördern. Das kann neben Schwarzkümmelöl auch Echinacea sein. Neigt das Pferd zu Husten im Fellwechsel, können Kräutermischungen für die Atemwege unterstützend wirken.

Fellwechsel bei Pferden: Die richtige Ausrüstung erleichtert die Fellpflege

Der Besitzer kann seinem Pferd auch durch Fellpflege den Fellwechsel erleichtern. Schließlich kann er so seinem Tier helfen, die losen und auch juckenden Haare loszuwerden. Was schön fürs Pferd ist, ist aber für den Pferdebesitzer* eher unangenehm. Denn überall kleben die Haare, die das Pferd verliert, an seinem selber fest. Hier ein paar Tipps, die Abhilfe schaffen:

  • Das richtige Putzzeug: Spezielle Fellwechselkämme holen lose Unterwolle heraus, ohne das Deckhaar des Pferdes zu beschädigen. Da der Kamm recht scharf ist, sollte er nur bei dickem Fell angewendet werden. Bei empfindlichen Pferden empfiehlt sich Gummistriegel. Angenehm ist auch ein Putzhandschuh – den die meisten Pferde übrigens lieben und die Massage durch die Hände besonders genießen.
  • Das richtige Outfit: Vermeiden Sie es Fleece anzuziehen, denn da hängen die Haare besonders gut fest. Am besten eignet sich glatte Kleidung, wie zum Beispiel eine Regenjacke, die Sie sich zum Putzen einfach überziehen können. Aber nicht nur an Ihrer Kleidung kleben die Haare schnell fest, sondern auch an Pferdedecken. Bevor Sie die Textilien also waschen, bürsten Sie am besten so gut es geht die Haare heraus. Auch hier kann Ihnen das Putzzeug helfen.

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Rubriklistenbild: © Frank Sorge/Imago