Eingepfercht und angesteckt

Influenza bei Pferden: 119 amerikanische Wildpferde sterben an Grippe

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Innerhalb von zwei Wochen sterben 119 Wildpferde in Amerika an Pferdegrippe. Und das, obwohl die Infektionskrankheit nur selten tödlich verläuft.

Colorado (Amerika) – Sie kommen überall auf der Welt vor: Influenza-Viren. Bei Pferden befallen die Viren den Atmungsapparat und lösen die sogenannte Pferdegrippe aus, die zu den häufigsten Infektionskrankheiten zählt und hochansteckend ist. Tödlich ist Influenza jedoch nur in den seltensten Fällen. Umso schockierender die Nachricht von über hundert an Pferdegrippe verstorbenen Wildpferden in den USA.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Influenza bei Pferden: 119 amerikanische Wildpferde sterben an Grippe

Die Auffangstation „Wild Horse and Burro Corrals“ des „Bureau of Land Management“ (BLM) in Cañon City sollte die Wildpferde eigentlich schützen. Denn im Herbst 2021 wüteten schwere Waldbrände, die das Leben der Tiere gefährdeten. Doch statt der Brände ist jetzt dieser Schutzort für viele der 445 Wes-Douglas-Pferde zur Todesfalle geworden.

Wie der Kongressabgeordnete Steve Cohen bei einer Anhörung zur Verhinderung von Pandemien durch Wildtierkrankheiten sagt, könne dafür ein ausschlaggebender Punkt verantwortlich sein. „Die Einrichtung hält derzeit 2.500 Pferde auf engstem Raum. Wenn sie nicht eingepfercht worden wären, wäre es durchaus möglich, dass sich der Erreger nicht annähernd so schnell verbreitet hätte“, zitiert „horsetalk.co.nz“. Für Empörung bei Tierschützern sorgt auch der Einsatz eines Pferdes auf einer Chanel-Fashion Show.

Influenza bei Pferden: Wildpferde sterben an Grippe. (Symbolbild)

Influenza bei Pferden: Kritik an den Einfangaktionen mit Hubschraubern

Für politischen Wirbel sorgt aber auch Cohens Haltung zu dem Umgang mit Wildpferden und -eseln. Er kritisiert, wie die Tiere bei großen Einfangaktionen mithilfe von Hubschraubern zusammengetrieben werden und dann zur Schlachtung gehen. Er sieht ihren Bestand als gefährdet an und aus seiner Sicht sollten die Tiere „das Recht haben, in diesen Ländern zu grasen“ schließlich seien sie „ein amerikanischer Schatz“.

Auch Tierschützer fordern einen sofortigen Stopp der Einfangaktionen. Die Todesfälle sind für Holly Gann Bice von der „American Wild Horse Campaign“ (AWHC) nur die „Spitze vom Eisberg“. Für sie ist die Situation in Cañon City „der Beweis für ein kaputtes System“. Und dennoch plane die Regierung, nach Bice, dieses Jahr weitere 19.000 Pferde zusammenzutreiben. In der Kritik von Tierschützern stehen auch die Wiener Kutschen.

Influenza bei Pferden: begrenzte individuelle Behandlung der Wildpferde

Die Auffangstation steht derzeit unter freiwilliger Quarantäne. Mehr als den betroffenen Pferden Antibiotika und Entzündungshemmer zu geben, gehe aber nicht. Denn die meisten Tiere sind wild und ungezähmt. Ohne den Einsatz des hydraulischen Klemmstandes könnten sie nicht behandelt werden, heißt es seitens des BLM. Weil die Verantwortlichen darin die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Krankheit in der gesamten Einrichtung und eine Belastung der Tiere sehen, ist die individuelle Tierbehandlung nur begrenzt möglich. Außerdem befürchten sie, dass dies alle aktuellen Probleme verschlimmern und zu weiteren Verletzungen für Pferde und junge Fohlen führen könnte. Eine vorbeugende Medikation von Wasser mit Antibiotika wird erwogen, aber aktuell nicht umgesetzt.

Influenza bei Pferden: darum ist eine Impfung wichtig

Die Influenza-Impfung gehört zu den wichtigsten Impfungen für Pferde, auch wenn sie keine Pflichtimpfung ist. Experten raten dazu, die Influenza-Impfung bei der Pferdevorsorge aber unbedingt einzuplanen. Auch, weil die Influenza-Viren auf allen Kontinenten der Erde vorkommen. Bei einer Infektion befällt der Virus den Atmungsapparat. Wird die Erkrankung zu spät oder nicht erkannt, kommt es zu chronischen Hustenanfällen und dauerhaften Lungenschäden. Zu den Symptomen gehören geschwollene Lymphknoten, Nasenausfluss und hohes Fieber.

Rubriklistenbild: © Nature Picture Library/Imago