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Eine Tierärztin untersucht ein Pferd (Symbolbild)

Pferdehaltung in Deutschland

Kastration beim Pferd: Kosten, Ablauf und Folgen

Die meisten männlichen Pferde werden einer Kastration unterzogen, bei der die Hoden entfernt werden. Bei Stuten dagegen ist die Kastration selten und erfolgt aus medizinischen Gründen.

Warendorf – Wer sich zum ersten Mal mit Pferden beschäftigt, merkt schnell, dass Pferde sozusagen in drei Geschlechter unterteilt werden. Im Stall treffen Reitanfänger auf Stuten (weibliche Pferde) und Wallache (unfruchtbar gemachte männliche Pferde). Hengste (fortpflanzungsfähige männliche Pferde) sind im Alltag selten.

Kastration der Pferde: Notwendigkeit der Operation

Die Kastration männlicher Pferde blickt auf eine lange Geschichte. Das Reitervolk der Skythen besaß bereits seit mindestens 100 v. Chr. kastrierte Pferde. Die Reiternomaden aus der Walachei nutzte die Kastration, um besonders hoch gewachsene und gutmütige Kriegspferde zu erschaffen, die sich leicht in Herden halten lassen. Die Herkunft der Technik der Kastration gibt dem unfruchtbar gemachten Hengst bis heute den Namen Wallach.

Hengste besitzen einen hohen Testosteronspiegel (männliches Sexualhormon), der für einen starken Geltungs- und Fortpflanzungstrieb sorgt. Hengste lassen sich zwar in Gruppen halten, allerdings endet die „Männerfreundschaft“ meist sofort, wenn auch nur der Duft einer Stute in die Nüstern zieht. Um die Aggressivität männlicher Pferde und die Fortpflanzung zu kontrollieren, werden daher fast alle männlichen Pferde kastriert. Nur die für die Zucht vorgesehenen Tiere wachsen ohne Kastration auf. Der Eingriff ermöglicht die artgerechte Haltung und macht die Tiere erheblich umgänglicher.

Stuten dagegen werden selten einer Kastration unterzogen. Hier erfolgt der Eingriff rein aus medizinischen Gründen. Das ist beispielsweise bei Eierstockzysten oder Eierstockkrebs der Fall. Hier liegen die Kosten deutlich höher als bei männlichen Tieren. 800 bis 2.400 Euro sind möglich.

Kastration männlicher Pferde – Eingriff und Kosten

Bei einer Kastration entfernen Tierärzte die Keimdrüsen des Tieres. Bei männlichen Pferden sind das die Hoden und bei weiblichen die Eierstöcke.

Moderne Methoden ermöglichen die frühe und schonende Kastration. Zur Wahl stehen zwei Optionen.

  • Offene Kastration: Am stehenden und sedierten (mit Beruhigungsmitteln behandelten) Pferd eröffnet der Tierarzt den lokal betäubten Hodensack mit einem Schnitt. Die Hoden fallen heraus und Blutgefäße und Samenleiter werden mit einer Zange gequetscht, um Blutungen zu vermeiden. Sodann werden die Hoden abgeschnitten. Die Wunde bleibt offen und verheilt von „innen heraus“. Die Kosten liegen bei etwa 200 bis 350 Euro.
  • Geschlossene Kastration: Hier erfolgt der Eingriff in Vollnarkose. Die Pferde liegen auf dem Operationstisch, der Hodensack wird nach der Entfernung der Hoden vernäht. Die Kosten liegen in diesem Fall meist zwischen 350 und 500 Euro.

Kastration männlicher Pferde – Risiken

Die Kastration männlicher Pferde ist ein absoluter Routineeingriff, der allein in Deutschland über 10.000 Mal pro Jahr durchgeführt wird. Trotzdem birgt die Kastration wie jeder operative Eingriff gewisse Risiken. Eine von der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführte Studie zeigt insbesondere folgende Komplikationen auf:

  • Hämatom (Bluterguss) oder Serom (Ansammlung von Gewebsflüssigkeit in einer Höhle)
  • Ödem (krankhafte Flüssigkeitsansammlung im Gewebe)
  • Infektion (Entzündung durch Bakterien)
  • Blutung
  • Samenstrangfistel (Entzündung des verbliebenen Samenstrangs)
  • Bindegewebsvorfall (lockeres Gewebe, das durch die Wundfläche „rutscht“)

Pferdehalter sollten wissen, dass die Risiken einer Kastration steigen, wenn die Pferde beim Eingriff bereits älter sind. Die Ergebnisse der Uni Wien zeigen, wie häufig Komplikationen je nach Lebensalter auftreten:

  • 0 bis 1 Jahr: 16,7 Prozent
  • 1 bis 2 Jahre: 17,3 Prozent
  • 2 bis 3 Jahre: 37,8 Prozent
  • älter als 3 Jahre: 52,3 Prozent

Dementsprechend ist eine möglichst frühzeitige Kastration männlicher Pferde empfehlenswert. Sobald sich klar abzeichnet, dass ein Pferd kein Deckhengst wird, sollte der Eingriff durch den Tierarzt erfolgen.

Kastration männlicher Pferde: Folgen

Die Kastration dämpft den Sexualtrieb der Pferde und macht die ehemaligen Hengste umgänglicher. Die Haltung zusammen mit anderen Pferden in der Gruppe (beispielsweise Weidegang) wird problemlos möglich, auch beim Reiten bleiben Wallache meist konzentrierter als Hengste. Wird ein Hengst frühzeitig kastriert, wächst er länger, da das Geschlechtshormon die Wachstumsfugen nicht schließt.