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Eine physiotherapeutische Behandlung des Pferderückens kann bei Kissing Spines unterstützend wirken. (Symbolbild)

Schwerwiegende Rückenerkrankung

Kissing Spines-Syndrom beim Pferd: Rückenprobleme behandeln und trotzdem reiten

Das Kissing Spines-Syndrom bei Pferden kann große Schmerzen verursachen und zu Abwehrverhalten führen. Behandlung und Vorbeugung greifen ineinander.

Weste – Rückenprobleme sind einer der häufigsten Gründe, warum Pferdebesitzer Hilfe bei Osteopathen und Physiotherapeuten suchen, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Pferdeosteopathie und Pferdephysiotherapie. Beim Kissing Spines-Syndrom unterstützen die Spezialisten die Therapie.

Kissing Spines-Syndrom beim Pferd: Ursachen der Erkrankung

Das Kissing Spines-Syndrom gehört zu den bekanntesten Rückenerkrankungen bei Pferden. Die großen Vierbeiner haben lange Dornfortsätze auf den Rückenwirbeln. Sie bilden den von außen spürbaren Teil der Wirbelsäule. Diese Dornfortsätze verlaufen im Normalfall nahezu parallel. Bei manchen Pferden befinden sich die Knochenenden allerdings nicht in ihrer richtigen Position, sondern sind zueinander verschoben. Die Fehlstellung der Dornfortsätze bedingt eine Reizung der Knochenhaut und davon ausgehend Entzündungen und Schmerzen. Im schlimmsten Fall reiben die Knochenenden aneinander, was zu heftigen Schmerzen führt. Bei den Ursachen gehen Pferdetierärzte heute von der folgenden Abstufung der Häufigkeit aus:

  • durch falsches Training oder unpassende Sättel verursacht
  • angeboren
  • durch Unfall entstanden

Jahrelange Fehlbelastung durch falsches Reiten ohne Rückenaktivität oder durch einen unpassenden Sattel bedingte Schmerzen und Muskelprobleme sowie angeborene Veränderungen sind die häufigsten Ursachen für Kissing Spines bei Pferden.

Kissing Spines-Syndrom beim Pferd: Meist deutliche Symptome

Bei vielen Pferden bleiben diese Veränderungen lange unerkannt. Erst, wenn die Dornfortsätze sich zu stark genähert haben und große Schmerzen verursachen, treten erste Symptome auf. Deren Art und Intensität hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Zu den typischen Symptomen für das Kissing Spines-Syndrom beim Pferd gehören:

  • Empfindlichkeit am Rücken, insbesondere am Widerrist
  • Abwehrverhalten beim Reiten wie Kopfschlagen, Buckeln oder Steigen
  • Probleme mit der Anlehnung
  • stockende Übergänge beim Reiten
  • wenig Rücken- und Hinterhandaktivität
  • Verschlechterung der Symptome nach einigen Wochen ohne Arbeit

Diagnostiziert werden Kissing Spines mithilfe von Röntgenbildern des Rückens. Die zu nah stehenden Dornfortsätze lassen sich gut erkennen. Noch genauere Informationen liefert die Szintigrafie.

Kissing Spines-Syndrom beim Pferd: vielseitige Behandlung

Bei vielen Pferden werden Kissing Spines entdeckt, weil es Schwierigkeiten beim Reiten gegeben hat und die Ursache gesucht wurde. Bestehen akute Schmerzen, erhält das Pferd eine Auszeit und entzündungshemmende Medikamente. Erst, wenn sich die akute Entzündung beruhigt hat, geht es an die eigentliche Therapie: den Aufbau der unterstützenden Rückenmuskulatur. Die Dornfortsätze werden nämlich durch Muskelstränge eingerahmt und stabilisiert. Je stärker diese Muskulatur ist, desto weniger Probleme machen die Kissing Spines. Richtiges Reiten und Trainieren gilt deshalb als Therapieform Nummer eins beim Kissing Spines-Syndrom.

Kissing Spines-Syndrom beim Pferd: Richtig trainieren und reiten

Das Ziel bei der Arbeit mit dem Tier ist das Aufwölben des Rückens nach oben. Dabei werden die Dornfortsätze entzerrt und die Abstände zwischen den Knochenenden vergrößert. Dies lässt sich sogar im Röntgenbild erkennen. Entscheidend für diesen Effekt ist die richtige Bemuskelung des Rückens und des Bauches. Die Bauchmuskulatur unterstützt das Anheben der Brustwirbelsäule und damit das Aufwölben des Rückens. Pferde mit Kissing Spines-Syndrom brauchen gute, gesunde Arbeit, die die Rückenaktivität fordert und fördert. Unregelmäßiges Reiten und Arbeiten sowie wochenlange Pausen sind Gift für den Pferderücken.

Kissing Spines-Syndrom beim Pferd: Übungen zur Stärkung des Rückens

Um ein Pferd mit dem Kissing Spines-Syndrom erfolgreich und gesundheitsfördernd zu trainieren, müssen die Gesamtumstände stimmen. Das bezieht sich auf Training, Haltung und Ausrüstung:

  • regelmäßige Arbeit in Form des richtigen Reitens über den Rücken
  • Longieren über den Rücken mit der Unterstützung von Stangenarbeit
  • Satteloptimierung
  • Haltung mit viel freier Bewegung
  • Prüfung und Optimierung der Hufbearbeitung

Werden all diese Faktoren optimiert, so kann sogar ein Pferd mit im Röntgenbild deutlich veränderten Dornfortsätzen über viele Jahre gesund geritten werden.