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Nach Olympia-Drama: Moderner Fünfkampf künftig ohne Springreiten

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Von: Sina Lück

Bei den Olympischen Spielen in Tokio löst Annika Schleu mit ihrem Pferd ungewollt eine Grundsatzdebatte aus. Jetzt steht fest: In seiner bekannten Form ist der Moderne Fünfkampf Geschichte.

Monaco – Es sind Szenen, die während der Olympischen Spiele in Tokio um die Welt gingen: Fünfkämpferin Annika Schleu sitzt tränenüberströmt im Sattel. Verzweifelt versucht sie, ihr zugelostes Leihpferd Saint Boy mit Gerte und Sporen über die Hindernisse zu manövrieren. Immer wieder läuft der braune Wallach rückwärts. Am Rand des Parcours steht die deutsche Bundestrainerin Kim Raisner und schreit: „Hau drauf!“ Nach der vierten Verweigerung scheidet die Athletin aus. Eine heftige Tierwohl-Debatte kocht hoch. Jetzt hat der Dachverband des Modernen Fünfkampfes UIPM entschieden: Aufs Pferd steigen die Sportler künftig nicht mehr.

Nach Olympia-Drama: Moderner Fünfkampf künftig ohne Springreiten

Bereits zuvor habe sich der Führungsausschuss des Dachverbands UIPM intern dafür ausgesprochen, Reiten als Disziplin beim Modernen Fünfkampf zu streichen. Nach den Berichten des britischen „Guardian“, der sich auf „mehrere Quellen“ beruft, stehe das Radfahren als neue Teildisziplin statt einem Wettkampf zu Pferd in der Diskussion. In einem Statement kündigte der Verband schließlich „eine Reihe von strategischen Treffen“ und „eine Telefonkonferenz mit den nationalen Verbänden“ an, um über die Ausrichtung der olympischen Sportart zu entscheiden. (Studie beweist: Haarwirbel bei Pferden geben Aufschluss über Charakter)

Die deutsche Fünfkämpferin Annika Schleu reitet auf dem Wallach Saint Boy im Springparcours bei den Olympischen Spielen in Tokio.
Bei Olympia in Tokio verzweifelte Fünfkämpferin Annika Schleu auf Wallach Saint Boy im Springparcours. © Stanislav Krasilnikov/Imago

Nach Olympia-Drama: Reiten wird durch andere Teildisziplin ersetzt

In einem Interview bestätigt Joël Bouzou, Vizepräsident des Dachverbands UIPM, gegenüber der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ nun offiziell: „Der Reitsport ist ein Hindernis für die Entwicklung unseres Sports, sowohl in Bezug auf die Praxis als auch auf die Kosten.“ Die jüngsten Ereignisse mit Athletin Annika Schleu und Saint Boy bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio seien allerdings nicht der Grund für diese Entscheidung. „Wir haben bereits 2018 damit begonnen, darüber nachzudenken“, betont Bouzou. Eine Entscheidung über einen möglichen Ersatz für die Teildisziplin Reiten gebe es allerdings noch nicht. (Schaum vorm Maul: Mit welchen Tricks in der Dressur gearbeitet wird)

Nach 109 Jahren steht damit fest: Den Modernen Fünfkampf wird es in seiner ursprünglichen Form bei Olympia nicht mehr geben. Bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris gehen die Athleten neben den Disziplinen Schwimmen, Fechten, Laufen und Schießen dann womöglich im Sattel ihrer Drahtesel ins Rennen um die Goldmedaille*. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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