Distanzritt trotz Handicap

Blinde Reiterin hatte keiner auf dem Zettel – dann passiert das

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Einmal im Leben an einem Rennen teilzunehmen: ein lang ersehnter Traum von Laura Kelmere. Denn die 34-Jährige ist blind.

Christchurch (Neuseeland) – Während des Rennens reitet Mariska Lochead, eine Freundin von Laura Kelmere, vor und ruft immer wieder „rechts ducken“, „links ducken“ oder auch mal „Du springst gleich über einen Bach“. Hinweise, die Kelmere vor Äste oder auch Gräben warnen sollen. Denn sie selbst kann nichts sehen. Über ihre Freundin sagt sie gegenüber dem neuseeländischen Pferde-Portal „Horsetalk“: „Was ich an Mariska liebe, ist, dass sie mich nicht bevormundet, nur weil ich nicht sehen kann. Sie behandelt mich wie die fähige Erwachsene, die ich bin.“

Gute Laune bei der blinden Laura Kelmere und ihrem Pferd Pluto.

Blinde Reiterin hatte keiner auf dem Zettel – dann passiert das

Eine degenerative Erkrankung der Netzhaut ließ Kelmere immer mehr ihr Augenlicht verlieren. Während der fortschreitenden Erblindung fand die 34-Jährige viel Halt und Trost bei ihrem Pferd Pluto (ein Quarter-Spanier-Mix). Den siebenjährigen Wallach holte sie mit nur neun Monaten zu sich und bildete ihn selbst aus. Zum Reiten braucht sie weder Sattel noch Zaumzeug, ein Halfter reicht ihr völlig. Und so ritt sie auch bei ihrem ersten Distanzrennen. Die zweifache Mutter beschreibt sich selbst als Adrenalin-Junkie, aber die Anmeldung bei dem Rennen war für sie ein gewaltiger Schritt. Auch wenn das schon immer ein großer Traum von ihr war.

Blinde Reiterin hatte keiner auf dem Zettel – sie holt sich den Sieg

Für ihr erstes Rennen wählte Laura Kelmere die Fünf-Kilometer-Klasse aus, bei der sie möglichst in der vorgegebenen Zeit im Ziel ankommt. Mehr wollte sie Pluto nicht zumuten, denn er musste bereits den Weg vom heimischen Stall bis zur Rennstrecke (und wieder zurück) bewältigen. Das sind insgesamt 12 Kilometer. Nichtsdestotrotz kamen die beiden am Ende in nahezu optimaler Zeit im Ziel an. Auch die tierärztliche Untersuchung bescheinigte beste Werte. Damit war klar: Der Sieg geht an Laura Kelmere und Pluto, die aufgrund ihres Handicaps niemand auf dem Zettel hatte. Dass sie an weiteren Rennen teilnehmen will, steht schon fest. Nur sollen es längere Ritte* werden: „Die fünf Kilometer waren viel zu wenig, aber ich dachte, beim ersten Rennen wäre es besser, es langsam angehen zu lassen.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Facebook (Laura Kelmere-Moloney)