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Um Pferde im eigenen Garten halten zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein (Symbolbild)

Haustier der besonderen Art

Pferd im Garten halten: So wird es möglich

Ein Pferd im Garten zu halten, spart hohe Kosten für die Unterbringung in einem Stall. Um das Tierwohl nicht zu gefährden, müssen jedoch einige Voraussetzungen beachtet werden.

Warendorf – Es klingt eigentlich logisch: Wenn es erlaubt ist, einen Hund oder eine Katze zu halten, müsste es doch auch erlaubt sein, ein Pferd im Garten zu halten? So manche Ponyrasse ist schließlich kaum größer als sehr große Hunderassen. Doch ein Pony oder Pferd im Garten zu halten, setzt einiges mehr voraus, warnt die Deutsche Reiterliche Vereinigung. Die geliebten Einhufer haben ganz andere Ansprüche an Unterkunft und vor allem an den für ihre Bewegungsfreiheit nötigen Platz. Dazu machen sie, anders lässt es sich nicht ausdrücken, ganz schön viel Mist. Dieser überschreitet bei den meisten Nachbarn die Toleranzgrenze.

Pferd im Garten halten: Die rechtlichen Vorschriften

Wer ein Pferd oder Pony im Garten halten möchte, sollte sich zunächst mit der Rechtslage auseinandersetzen. Ein wegweisendes Urteil fällte das Verwaltungsgericht Koblenz im Jahr 2009. Ein Ehepaar hatte gegen die Errichtung eines Pferdestalls auf einem Grundstück nur zehn Meter von ihrem Wohnhaus geklagt. Die Richter gaben der Klage statt und erklärten Pferdehaltung in einem reinen oder allgemeinen Wohngebiet als unzulässig, da mit Gerüchen und Belästigung durch Fliegen und Ungeziefer zu rechnen sei. Anders verhält es sich bei einer sogenannten Gemengelage. In ländlichen Gebieten, in denen Nachbarn auf anderen Grundstücken hobbymäßig Tiere wie Pferde, Ziegen, Schafe und Hühner halten, darf auch ein neu zugezogener Einwohner ein Pferd im Garten halten.

Pferd im Garten halten: Voraussetzungen laut Tierschutzgesetz

Für die Haltung von Tieren gilt § 2 des Tierschutzgesetzes: Das Tier muss „entsprechend seiner Art und Bedürfnisse angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden“. Wer ein Pferd im Garten halten will, muss vor allem darauf achten, dass das Tier ausreichend Platz zur freien Bewegung hat. Eine kleine Rasenfläche hinter dem Haus reicht nicht aus. Es sollte schon eine große Wiese sein, auf der das Pferd auch einmal galoppieren kann.

Empfehlenswert ist eine Offenstallhaltung mit angeschlossener Weide. Das Pferd kann selbst zwischen geschütztem Stall und Wiese wechseln. Dazu muss jedoch zunächst ein Bauantrag eingereicht werden, der folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Beschreibung des geplanten Stalls
  • Bauzeichnung
  • Lageplan
  • statistische Erfassung
  • Auskunft über die Einhaltung hygienischer Vorschriften
  • Auskunft über die Entsorgung des Mists

Weiterhin gilt für Einhufer wie Pferde und Ponys eine Meldepflicht beim zuständigen Veterinäramt. Die Meldung ist kostenlos und dient nur der Information des Veterinäramtes, wo in seinem Zuständigkeitsbereich Pferde gehalten werden.

Pferd im Garten halten: Die Bedürfnisse des Tieres

Pferde sind Herdentiere und dürfen nicht alleine gehalten halten. Dies sehen die Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums vor. Bemerken Nachbarn oder Passanten, dass ein Pferd alleine gehalten wird, kann der Besitzer beim örtlichen Veterinäramt angezeigt werden. Wer ein Pony oder Pferd im Garten halten will, der muss also mit mindestens zwei Tieren rechnen. Für ein ausgewachsenes Pferd wird ein Hektar Platz als absolutes Minimum berechnet. Bei zwei Pferden sind es also zwei Hektar. Dies entspricht 20.000 Quadratmetern. Idealerweise sollte zusätzlich ein Reit- oder Longierplatz vorhanden sein, damit das Pferd täglich bewegt werden kann.

Der Stall bzw. Unterstand muss 1,5-mal so hoch sein wie die Widerristhöhe des Pferdes. Als Ponys werden kleine Pferde mit einer Widerristhöhe von maximal 1,48 Metern bezeichnet. Für ein 1,40 Meter großes Pony muss der Stall also 2,10 Meter hoch sein. Bei einem 1,70 Meter großen Pferd sind es schon 2,55 Meter.

Zusätzlich zum eigentlichen Stall muss ein Anbau mit Platz zur Lagerung von Stroh und Heu vorhanden sein. Ein Pferd frisst täglich etwa 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Lebendgewicht. Dies ist vor allem im Winter wichtig, wenn die Weide abgegrast ist. Weiterhin muss ein Abstellraum für Sattel, Zaumzeug, Geräte zur Pferdepflege und vieles mehr eingeplant werden – und natürlich Frischwasser vorhanden sein.