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Pferde haben Angst vor Lärm – sogar jedes Fünfte laut Studie

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Von: Lara-Sabrina Kiehl

Wie hochsensibel Pferdeohren sind, unterstreicht eine Studie, die offenbart, dass jedes fünfte Pferd Angst vor Lärm hat.

Italien – Fluchttiere wie Pferde sind hochsensibel und haben sehr gut funktionierende Sinnesorgane. Mit ihren empfindlichen Ohren können sie leiseste Geräusche schnell wahrnehmen, auch wenn sie aus weiter Ferne kommen. Um noch besser und gezielter zu lauschen können sie ihre Ohren bewegen, dadurch fokussieren sie sich noch mehr auf ein Geräusch und blenden störende Nebengeräusche aus. All dies lässt sie zu richtigen Hör-Experten werden, die fast doppelt so gut hören wie wir Menschen. Wie sensibel Pferde auf Geräusche reagieren, unterstreicht eine Studie, die offenbart: Lärm macht jedem fünften Pferd Angst.

Pferde haben Angst vor Lärm – jedes Fünfte laut Studie

Wie hochsensibel Pferdeohren sind, unterstreicht eine Studie, die offenbart, dass jedes fünfte Pferd Angst vor Lärm hat. (Symbolbild)
Weil Pferde Fluchttiere sind, reißen sie sich aus Angst oft los und rennen davon. (Symbolbild) © Frank Sorge/Imago

Welcher Pferdebesitzer kennt es nicht? Das Pferd steht wie angewurzelt, reckt den Kopf in die Höhe und spitzt gezielt die Ohren, das Herz pocht wie wild und der ganze Körper des Vierbeiners ist angespannt. Oft folgt auf den Moment der Körperstarre ein unruhiges Umherlaufen oder sogar Wegrennen.

Doch was das Pferd genau hört und was es so in Angst versetzt, bleibt für den Besitzer des Öfteren ein Rätsel. Denn während wir Menschen Töne mit Frequenzen bis 20.000 Hertz wahrnehmen, hören Pferde Töne bis 33.500 Hertz. Ohrenhaltung und Ohrenspiel können viel über die Emotionen von Pferden verraten.

Pferde haben Angst vor Lärm – Wie stark ist ihre Reaktion?

Ihr Hörvermögen lässt Pferde also nicht nur weit mehr hören, sondern führt auch dazu, dass sie auf Geräusche wesentlich sensibler reagieren. Deswegen sind laute Veranstaltungen in den meisten Fällen mit Stress für die Tiere verbunden. Aus diesem Grund sind auch in Nordrhein-Westfalen Karnevalsumzüge mit Pferden nur noch unter strengeren Bedingungen als bisher erlaubt.

Wie stark die Reaktion von Pferden auf Lärm aber tatsächlich ist, haben Forscher im Rahmen einer Studie untersucht. Um dies herauszufinden, schickten sie Fragebögen an Pferdebesitzer in England und den USA. Die Leitfrage: Wovor hat Dein Pferd Angst? Das Ergebnis: 22 Prozent, und damit mehr als jedes fünfte Pferd, zeigen bei Lärm ein auffälliges Verhalten.

Pferde haben Angst vor Lärm – Unterscheidung in zwei Gruppen

Am häufigsten rennen Pferde aus Angst am Koppelzaun entlang oder laufen in der Box umher. Als zweitauffälligstes Verhalten nannten die Befragten starkes Schwitzen. Doch auch Appetitlosigkeit, Durchfall, Ausbrechen, Weben, Buckeln, Zittern oder Wiehern wurde häufig als Symptom beschrieben. Drei Pferde neigen sogar bei Lärm dazu, Fieber zu bekommen.

Grundsätzlich, so die Forscher, kann in zwei Gruppen unterschieden werden. Und zwar in sehr ängstliche und in leicht ängstliche Pferde. Der deutlichste Unterschied bestand dabei, wie lange die Angst anhält. Bei leicht ängstlichen Pferden reagierten 80 Prozent nur während des Lärms. Bei den sehr ängstlichen Pferden waren es dagegen nur 49 Prozent. 35 Prozent litten auch noch zwei Stunden später, 14 Prozent sogar bis zum nächsten Tag und länger. Das Besondere: Bei sehr ängstlichen Pferden bessert sich ihre Angst oft auch mit der Zeit nicht. Was bedeutet, dass „sie sich nicht an den Lärm gewöhnen“, so die Forschenden. Angst hat auch diese blinde Stute, die auf der Koppel durchgeht und von der Feuerwehr gerettet werden muss.

Pferde haben Angst vor Lärm – Gegenmaßnahmen bei leichter Angst

Doch das Gute: Bei leicht ängstlichen Pferden konnten Gegenmaßnahmen helfen. So sorgten die Besitzer beispielsweise in den meisten Fällen dafür, dass ihre Pferde die ganze Nacht Zugang zu Heu hatten. So zum Beispiel in der Silvesternacht. Auch das Rein- beziehungsweise Herausbringen, um weg vom Lärm zu kommen, konnte den Vierbeinern die Angst nehmen. „Unsere Ergebnisse bestätigten, dass Lärmangst ein Verhaltensproblem ist, das zu Konsequenzen für das Wohlergehen von Pferden führen kann“, fassen die Forscher ihre Studie zusammen.

Anhand der Erkenntnisse schlagen die Wissenschaftler vor, dass bei Pferden mit großer Lärmangst neue Managementstrategien, einschließlich die Verwendung von Arzneimitteln, in Betracht gezogen werden sollten, um Verhaltens- und physiologische Anzeichen zu reduzieren. So könne Pferden geholfen werden, „mit lauten Ereignissen fertig zu werden.“ Um dieses Verhaltensproblem allerdings noch besser verstehen zu können, seien weitere Untersuchungen erforderlich.

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