Grünland für Artenvielfalt

Pferdehaltung ist praktizierter Umweltschutz – auch in der Landwirtschaft

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Eine schonende Holzernte und die Artenvielfalt fördern, mit Pferdehaltung ist beides möglich. Eine Studie zeigt auf, wie artenreich Pferdeweiden sind.

Göttingen – Den Blick über das Land schweifen lassen und dabei Kühe oder Pferde auf der Wiese beobachten. Für so manch einen eine sehr lohnenswerte Aussicht, die im Sommer nicht selten ist. Doch lohnenswert ist sie auch für unsere Natur. Denn landwirtschaftlich bewirtschaftete Weiden sind sehr wichtig für die Artenvielfalt und besonders wertvoll, wenn Pferde darauf gehalten werden.

Pferdehaltung ist praktizierter Umweltschutz – auch in der Landwirtschaft

Im Rahmen einer Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Göttingen die Bedeutung von Weidesystemen und Weidearten für die Grünlandbewirtschaftung. Dabei untersuchten sie Koppeln, die kontinuierlich oder rotierend von Pferden beweidet wurden, mit Koppeln, auf denen Rinder standen. 

Auf den insgesamt 156 untersuchten Weiden fanden die Forscher insgesamt 179 Pflanzenarten. Das besondere dabei: auf Pferdeweiden konnten deutlich mehr Pflanzenarten entdeckt werden als auf den Weiden der Rinder. Auf einer Pferdeweide verunglückt und im Weidetor hängen geblieben ist dieses Pferd, das von der Feuerwehr gerettet wird.

Pferdeweiden weisen eine höhere Pflanzenvielfalt auf als Rinderweiden. (Symbolbild)

Pferdehaltung ist praktizierter Umweltschutz – Weiden mit Artenreichtum

Den signifikant höchsten Artenreichtum wiesen die Weiden auf, die kontinuierlich von Pferden beweidet wurden. Für die Wissenschaftler ist die Erkenntnis besonders wichtig, weil weniger als 14 Prozent der Grünlandflächen in Deutschland als Flächen von hohem Naturwert beurteilt wurden. Doch Pferdehalter bewirtschaften in Deutschland rund 20 Prozent der Grünlandfläche. In manchen Gebieten sind es sogar 30 Prozent.

Pferdehaltung ist praktizierter Umweltschutz – Grünland ökologisch wertvoll

„Insbesondere die kontinuierliche Beweidung mit Pferden führte zu einer ausgeprägten floristischen Vielfalt innerhalb der Paddocks, und der Artenreichtum auf den Flächen war stark mit dieser Heterogenität verbunden“, berichten die Experten. Dass Pferdeweiden ökologisch besonders wertvoll sind, liegt auch an der Grasnarbenvielfalt, die höher ist als auf Rinderweiden. Grasnarbenvielfalt bedeutet auch unterschiedliche Umweltbedingungen auf kleinem Raum, was ein Pflanzenartenreichtum begünstigt. Steht ihr Pferd auch auf der Weide reichen Decken und Sprays häufig nicht aus, um sie vor Insekten zu schützen.

Pferdehaltung ist praktizierter Umweltschutz – Bodenschonende Forstwirtschaft

Mit ihren Erkenntnissen untermauern die Wissenschaftler die potenzielle Rolle der Pferdehaltung für die Erhaltung artenreicher Grünlandflächen in gemäßigten Klimazonen. Zur Landwirtschaft gehört jedoch nicht nur Grünland, sondern auch Waldfläche. Und auch hier ist der Einsatz von Pferden besonders umweltschonend. Denn mit den Vierbeinern kann, ohne Bäume zu beschädigen, Holz aus dem Wald geholt werden. Außerdem wird der Boden geschont, weil er weniger verdichtet wird, als bei Maschineneinsätzen.

Wie die „Rhein-Zeitung“ berichtet, bedeuten gesunde lebendige Waldböden nach dem Forstlichen Bildungszentrum Rheinland-Pfalz unter anderem mehr Trinkwasser in besserer Qualität, Hochwasserschutz durch Wasserrückhalt, Kohlenstoffspeicherung im Bodenhumus und Biodiversität.

Rubriklistenbild: © Petra Schneider/Imago