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Pferde vor Insekten schützen – Decken und Sprays reichen nicht aus

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Insekten sind nicht nur lästig, sondern können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Wir geben Tipps, wie Sie Ihr Pferd auf der Weide vor den Plagegeistern schützen.

München (Bayern) – Jeder Reiter kennt es: Kaum steigen die Temperaturen, schwirren auch schon die ersten Insekten ums Pferd. Dabei ist der Sommer die perfekte Zeit, um die Vierbeiner ins saftige Gras zu stellen. Doch die Plagegeister können Pferd und Reiter die Weidesaison ganz schön vermiesen. Gerade Bremsenstiche verursachen nicht selten dicke Beulen und auch Mückenstiche können mitunter stark anschwellen. Wir verraten, wie Sie Ihr Pferd auf der Koppel effektiv vor Insekten schützen – und warum Decken und Sprays oft nicht ausreichen.

Pferde vor Insekten schützen – Decken und Sprays reichen nicht aus

Um die lästigen Plagegeister fernzuhalten, greifen viele Reiter zu Fliegen- und Insektenschutzmitteln. Diese gibt es in vielen Varianten: als Sprays, Gele und Cremes. Natürliche Inhaltsstoffe wie Zitrusdüfte und ätherische Öle oder auch synthetisch hergestellte Wirkstoffe (Repellentien) sollen Stechinsekten wie Bremsen, Mücken oder auch Zecken abwehren. Wichtig: Bei Verwendung unbedingt die empfindliche Augenpartie des Pferdes aussparen. Bei sehr sensiblen Pferden können Besitzer auf eine Fliegenmaske oder Fliegenfransen fürs Halfter zurückgreifen. Zum Schutz des Pferdekörpers gibt es außerdem Fliegendecken in zahlreichen Varianten. Wie bei allen Pferdedecken müssen diese gut sitzen, dürfen nicht scheuern und sollten außerdem ausreichend luftdurchlässig sein, damit sich die Hitze nicht darunter staut.

Grundsätzlich können Decken, Fliegenmasken und Sprays eine sinnvolle Ergänzung zum Schutz vor Insekten sein. In den meisten Fällen reichen diese Maßnahmen aber nicht aus. Denn die Wirkung von Insektenmitteln hält vor allem bei hohen Temperaturen und verschwitztem Fell nicht lange an. Auch Fliegendecken schützen das Pferd nicht vollständig vor Stichen, da Beine, Bauch und teilweise auch der Hals unbedeckt bleiben.

Fliegendecken können eine sinnvolle Ergänzung sein, bieten aber keinen vollständigen Schutz vor Insekten auf der Weide. (Symbolbild)

Pferde vor Insekten schützen – die richtige Weide wählen

Zugegeben: Nicht jeder Pferdebesitzer hat einen Einfluss darauf, welche Flächen für den Weidegang genutzt werden. Wenn es die Möglichkeit gibt, ist eine Koppel abseits von Bachläufen oder stehenden Gewässern zu bevorzugen. Denn viele Stechinsekten nutzen die feuchte Umgebung für die Eiablage. Auch Getreidefelder in unmittelbarer Nähe von der Weide erhöhen den Anflug von Insekten, da die Plagegeister sich darin aufhalten. Die Erleichterung kommt dann meist mit der Ernte: „Wenn die Getreidefelder abgemäht sind, fehlt den Insekten der Unterschlupf. Dann werden sie automatisch weniger“, erklärt Tierarzt Thomas Maurer gegenüber der „Luzerner Zeitung“.

Pferde vor Insekten schützen – Weide pflegen und Brutgebiete vermeiden

Oft hilft es aber auch schon, die Weiden zu pflegen und regelmäßig auszumähen, um Wildwuchs zu vermeiden und Insekten damit keine Unterschlupfmöglichkeiten zu bieten. „Dort sammeln sich viele Insekten, übrigens auch Zecken, an“, sagt Dr. Uwe Hörügel, Fachtierarzt für Pferde bei der Tierseuchenkasse Sachsen, gegenüber „Reiter Revue International“. Auch Mückenbrutgebiete sollten beseitigt werden, wie die Sächsische Tierseuchenkasse auf ihrer Website mitteilt. Dazu gehören folgende Bereiche:

  • alte Behälter, Eimer und Reifen
  • Dachrinnen an Unterständen
  • Viehtränken
  • stehendes Wasser in Kunststoffwannen oder alten Badewannen, die als Tränken genutzt werden

Pferde vor Insekten schützen – Weide regelmäßig abäppeln

Wer im Sommer am Misthaufen vorbeikommt, weiß: Auf den Pferdeäppeln wimmelt es nur so von Fliegen. Das lässt sich auch auf die Weide übertragen. Je sauberer sie ist, desto weniger Insekten werden von den Hinterlassenschaften angelockt. Daher ist das regelmäßige Abäppeln der Weide eine simple, aber effektive Maßnahme, die Anzahl der Plagegeister zu reduzieren.

Pferde vor Insekten schützen – ein Unterstand hält Bremsen fern

Insbesondere Bremsenstiche können dicke und schmerzhafte Beulen verursachen. Um Pferde auf der Weide vor den Blutsaugern und der prallen Sonne zu schützen, hilft ein überdachter Unterstand, der nur zu einer Seite offen ist. Damit kann man sich einen Vorteil zunutze machen, denn Bremsen fliegen nicht in geschlossene Räume hinein. Ein weiterer Vorteil: Auch andere Insekten bleiben „vor der Tür“. Wichtig dabei: In der Nacht kein Licht einschalten, um keine Mücken anzulocken. Mit diesen Tipps lässt sich Sonnenbrand beim Pferd vorbeugen.

Pferde vor Insekten schützen – nur nachts auf die Koppel stellen

Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke hat es sich in einigen Pensionsställen bewährt, die Pferde nachts auf die Koppel zu stellen. Der Vorteil: Die Aktivität von Insekten ist dann deutlich geringer. Allerdings sollten Pferdebesitzer lange genug warten, bis sie ihre Vierbeiner auf die Weide stellen. Denn mit der Dämmerung beginnt die Hauptflugzeit der Insekten. Die Sächsische Tierseuchenkasse rät Pferdebesitzern daher, Pferde währenddessen im Stall zu lassen oder ihnen dunkle Unterstände anzubieten.

Rubriklistenbild: © Frank Sorge/Imago