Ein guter Riecher

Pferdenase: vier Fakten rund um die Nüstern der Pferde

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Bei Pferden ist der Geruchssinn stark ausgeprägt. Denn mit ihren Nüstern können sie nicht einfach nur riechen, sondern nehmen noch vieles andere wahr.

München – Wer sich einem Pferd nähert, wird schnell bemerken, dass es bei Interesse anfängt an einem zu schnuppern. Denn für Pferde erfolgt die erste Kontaktaufnahme von Natur aus über die Nüstern und damit über ihren Geruchssinn. Genau das Gleiche ist aber auch bei Pferden unter sich zu beobachten. Auch unter Artgenossen erfolgt die erste Annäherung über die Nase. Dabei nehmen sie längst nicht nur den Geruch wahr, sondern erfahren noch vieles mehr.

Pferdenase: vier Fakten rund um die Nüstern der Pferde

Streng genommen haben Pferde keine Nase, denn bei ihnen heißen die Nasenlöcher Nüstern. Die Funktion ist aber in erster Linie dieselbe: Luft in den Körper einströmen zu lassen. Diese Aufgabe kann bei Pferden auch nur von den Nüstern übernommen werden. Im Gegensatz zu uns Menschen, können sie nicht durch den Mund atmen. Ein langes Gaumensegel macht ihnen dies unmöglich.

Im Ruhezustand atmet ein gesundes Pferd etwa 8 bis 16 Mal pro Minute und steigert die Atemfrequenz bei Anstrengung auf etwa 130 Atemzüge pro Minute. Erhöhte Atemzüge ohne Belastung, können ein Hinweis auf verschiedene Erkrankungen sein. Eine verstärkte Atmung ist unter anderem auch ein Symptom des Equinen Asthmas (COB), einer Atemwegserkrankung bei Pferden.

Beim Flehmen ziehen Pferde die Oberlippe nach oben, um Gerüche noch intensiver wahrzunehmen. (Symbolbild)

Pferdenase: durch Riechen können Pferde Gefühle wahrnehmen

Weil Pferde ein sehr großes Lungenvolumen haben – Warmblüter zwischen 500 und 600 Kilogramm haben ein Lungenvolumen von etwa 40 bis 55 Liter – nehmen sie sehr viel Luft auf und durch ihre große Riechschleimhaut gleichzeitig auch viele Duftstoffe. Strömt die Luft über die Nüstern ein, gelangt sie über die Nasenhöhlen zur Riechschleimhaut, wo die Duftstoffe selektiert werden und von da aus über Geruchsnerven bis zum Gehirn transportiert werden.

Was Gefühle angeht haben Pferde einen sehr guten Riecher, denn durch ihren Geruchssinn können sie eine Menge über die Gefühle des Gegenübers erfahren. Das liegt an Hormonen, die ausgeschüttet werden und die das Pferd wahrnehmen kann. Dabei hat jedes Gefühl wie zum Beispiel Angst, Freude oder auch Aufregung ein eigenes Hormon und damit auch einen eigenen Geruch. Sogar unter verschiedenen Gerüchen können Pferde, dank vieler Geruchsnerven in den Nüstern, Düfte differenzieren und unterscheiden. Eine Fähigkeit, die uns Menschen vorenthalten ist. Denn wir nehmen wesentlich weniger Gerüche wahr als Pferde. Doch können Düfte auch Einfluss auf das Pferd nehmen, wie es zum Beispiel bei der Aromatherapie, einem sanften und vielfältigen Helfer, der Fall ist.

Pferdenase: beim Flehmen können Pferde Düfte intensiver aufnehmen

Um einen besonders interessanten Duft genauer unter die Lupe zu nehmen, können Pferde sogar noch eine „Riechstufe“ höher schalten. Durch das sogenannte Flehmen aktivieren Pferde ein zusätzliches Geruchsorgan: das Jakobson’sche Organ. Mit diesem können sie sogar Pheromone erschnuppern. Doch fängt ein Pferd an zu flehmen, kann dies auch auf Schmerzen hindeuten. Denn es gilt als typisches Anzeichen für eine Kolik oder für Magengeschwüre. Wenn Pferde flehmen, wollen sie allerdings meist nur ganz genau riechen und dafür strecken sie den Kopf nach vorne und oben und ziehen ihre Oberlippe hoch. So verschließen Sie ihre Nüstern und leiten den Duft direkt an das Jacobson’sche Organ weiter.

Vor allem sexuelle Lockstoffe können sie so herausfiltern und identifizieren. Die Gerüche kommen über das spezielle Organ wesentlich schneller zum limbischen System, das im Gehirn für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Im Prinzip flehmen alle Pferde und auch Fohlen. Doch meist beobachtet man Hengste und Wallache dabei, weil sie so riechen können, ob eine Stute rossig ist.

Pferdenase: sich wiedererkennen und Gefahren wittern

Ähnlich wie Hunde sammeln auch Pferde über den Geruch viele Informationen aus ihrer Umwelt. Liegen zum Beispiel Pferdeäpfel auf dem Boden, riechen sie daran und wissen, wer vor ihnen da war. Doch auch beim ersten Aufeinandertreffen zweier Artgenossen wird erstmal ausgiebig am Gegenüber geschnuppert. Dabei entpuppt sich schnell, ob sich die beiden sympathisch sind oder eventuell etwas Zeit um miteinander warmzuwerden benötigen. Zeit um miteinander warmzuwerden brauchen diese beiden ungewöhnlichen Freunde allerdings nicht mehr, denn Pferd und Katze sind unzertrennlich.

Der Geruchssinn ist gleichzeitig aber auch überlebenswichtig. Fohlen und Stuten zum Beispiel erkennen sich an ihm auch in großen Herden wieder. Doch können sie auch Gefahr wittern und zum Beispiel auch Giftpflanzen erkennen. Am Duft erkennen sie aber nicht nur Artgenossen, das eigene Fohlen oder Gefahren, sondern auch Menschen. Das erklärt, warum Pferde auch an uns zur Begrüßung interessiert riechen und oft den Kontakt zu uns mit ihren Nüstern suchen.

Rubriklistenbild: © Frank Sorge/Imago