+
Eine Reitlehrerin beim Unterricht mit Schülern (Symbolbild)

Viel Arbeit, reicher Lohn

Pferde-Training: Grundlagen, Übungen und der richtige Umgang

Das Training von Pferden erfordert eine sensible Herangehensweise seitens des Besitzers. Alle Infos über Grundlagen, Übungen und den richtigen Umgang mit den Tieren.

Warendorf – Egal, ob es sich bei dem zu trainierenden Pferd um ein Freizeittier, ein Turnier-, Sprung- oder Dressurpferd handelt: Die Grundlagen ähneln sich und sind fast immer dieselben. Ganz einfach, weil am Ende der Ausbildung eine übergeordnete Prämisse steht, die ein leistungsfähiges Pferd zum Ziel hat. Zudem soll sich das Pferd in der Nähe des Reiters wohlfühlen. Daher empfiehlt die Deutsche Reiterliche Vereinigung mit Sitz in Warendorf das Erstellen eines Trainingsplans. Der Plan hilft dabei, das Pferd für spezifische Signale, Kommandos, korrektes Timing und eventuelle Belohnungen zu sensibilisieren.

Pferde-Training: Grundlagen

Die Belastbarkeit eines Pferdes richtet sich sowohl nach seiner Konstitution als auch seiner Kondition. Beide Faktoren entscheiden über die Leistungsfähigkeit beziehungsweise die Leistungsbereitschaft des Vierbeiners, der so oft wie möglich einer Trainingseinheit unterzogen werden sollte. Die Konstitution ist abhängig von der Pferderasse und der jeweiligen Anatomie. Weitere Punkte im Hinblick auf die Konstitution sind der Bewegungsapparat, das Herz-Kreislauf-System des Pferdes und sein Stoffwechsel. Hinzu kommen mentale, sprich psychische Eigenschaften. Gemeint sind Lernfähigkeit und Temperament des Pferdes. Sämtliche Eigenschaften, äußere und innere, bilden die Grundlage für die sportliche Leistung des Rosses. Die Leistung wird hervorgebracht und gefördert durch Ausbildung, Haltung, Training, Erfahrungswerte und Fütterung.

Was die Kondition ausmacht

Der Konstitution gegenüber steht die Kondition. Sie meint die physische Beschaffenheit des Pferdes. Die Kondition umschließt folgende Punkte:

  • Ausdauer
  • Kraft
  • Schnelligkeit
  • Beweglichkeit

Wird die Kondition regelmäßig trainiert, profitieren alle Bereiche des Organismus. Zugleich fördert das Training die Widerstandsfähigkeit des Pferdes. Dieser Umstand wirkt sich wiederum positiv auf die Konstitution des Tieres aus. Folglich entsteht eine Wechselwirkung zwischen Kopf und Körper, Geist und Korpus.

Warum Koordination wichtig ist

Darüber hinaus sollte das Training eines Pferdes unbedingt Übungen in Sachen Koordination beinhalten. Technik und Fertigkeit sind in diesem Zusammenhang elementar, denn sie sind verantwortlich für die Lenkung der Muskel- und Nervenaktionen. Insbesondere im Bereich des Dressurreitens kommt der Koordination eine wichtige Bedeutung zu. Der Leistungswille eines Pferdes unterliegt jedoch noch weiteren Faktoren, die zwar sekundär, in ihrer Wirkungsmacht aber nicht zu unterschätzen sind. Zu nennen sind hier Temperatur, Bodenbeschaffenheit und Umwelteinflüsse. Ein weiterer wichtiger Faktor sind der Reiter und sein Umgang mit dem zu trainierenden Pferd.

Pferde-Training: Übungen

Da Pferde in der Regel mehr oder weniger ausdauernd geritten werden, ist ein starker, tragfähiger Rücken samt trainierter Muskulatur ein extrem wichtiger Faktor für ein leistungsfähiges Tier. Die Rückenmuskulatur kann in Übungen mit dem Pferd gezielt trainiert werden und garantiert in letzter Konsequenz ein gesundes und belastbares Pferd. Damit sich dieser Zustand einstellt, ist es wichtig, die sogenannten Übergänge ausgiebig zu trainieren. Das heißt, dass der Reiter genötigt ist, die Gangarten seines Pferdes stetig zu verändern. So ist in festen rhythmischen Abständen zwischen Schritt, Trab und Galopp zu wechseln. Ebenso ist zwischen Trab und Galopp zu wechseln. Die Übergänge stärken den Rücken des Pferdes und helfen dabei, seine Oberlinie auszubilden. Zudem fördern die erprobten Übergänge die Schubkraft des Vierbeiners.

Rückwärtsreiten fördert Muskulatur

Eine weitere Übung für Pferde beinhaltet das Rückwärtsreiten. Es ist positiv für die Hinterhand und unterstützt die Versammlungsfähigkeit. Da es für ein Pferd nicht üblich ist, rückwärts zu laufen, sollte die Übung anfangs nicht mehr als zwei oder drei Schritte umfassen. Mit fortlaufender Trainingsdauer kann das Pensum gesteigert werden. Lässt man das Pferd an einer Steigung rückwärts treten, ist dies besonders förderlich für seine Rückenmuskulatur, dasselbe gilt für einen aus einer Rückwärtsbewegung heraus erfolgenden Trab. Geht das Rückwärts in ein Vorwärts über, ist das Pferd gezwungen, sein Körpergewicht aus der Beuge nach vorn zu verlagern. Als Ergebnis entsteht eine schiebende Bewegung.

Biegeübungen, Seitengänge und Galoppieren

Muskulaturbildend kann es zudem sein, das Pferd verschiedene Biegeübungen absolvieren zu lassen. Biegungen wirken sich positiv auf die Beweglichkeit der Gelenke aus. Zu wechseln ist hierbei zwischen großen und kleinen Biegungen. Auch Bögen können geritten werden. Beherrscht das Pferd diese Übungen, kann man es schließlich zu Seitengängen animieren. Daneben kommt dem Galopp eine nicht zu unterschätzende Funktion zu. Der Galopp ist die natürlichste Gangart des Pferdes und erzeugt einen fließenden Bewegungsablauf. Beim Sprung bewegen sich alle vier Beine in Richtung Rumpf und sind verantwortlich für eine Hebebewegung des Pferderückens. Zudem wird die Bauchmuskulatur ausgebildet. Diesbezüglich empfiehlt sich ein runder Arbeitsgalopp.

Hindernisse überwinden

Wechselnde Halspositionen stärken ebenfalls die Rückenmuskulatur. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Vorwärts – Abwärts und dem Reiten in aufgerichteter Position. Der Wechsel hat in regelmäßigen Abständen zu erfolgen. Ebenso ist das Pferd im Wechsel über ebene Flächen und Hindernisse zu reiten. Dies trainiert seine Sprungfähigkeit und bringt Abwechslung in den Trainingsplan. Durch das Überwinden kleinerer und größerer Hindernisse erfährt der Pferderücken eine Lockerung, die ihm nachhaltig gut tut.

Pferde-Training: Verhalten

Das Pferde-Verhalten ist bisweilen schwierig zu deuten. Beim täglichen Training ist es jedoch unerlässlich, sein Tier zu verstehen, beziehungsweise es „lesen“ zu können. Schließlich muss der Reiter auf die Zeichen des Tieres entsprechend reagieren. Schlägt ein Pferd mit seinem Schweif, kann dies darauf hindeuten, dass es sich unwohl fühlt, was durchaus mit dem Reiter und seinem ungebührlichen Verhalten zusammenhängen kann. Auch das Anlegen der Ohren ist ein Warnsignal und in jedem Fall ernst zu nehmen. Das Stampfen mit Vorder- oder Hinterbeinen ist ebenfalls ein Zeichen von Missfallen. Unter Umständen kann dies auf Schmerzen hindeuten oder als Vorstufe zum Austreten gedeutet werden.

Warnsignale an den Reiter

Schlägt das Pferd mit dem Kopf, ist auch dies ein Warnhinweis an seine Umwelt. Meist deutet das Schlagen auf Fehler des Reiters hin, woraufhin das Pferd nicht selten in Stress verfällt. Dann kann es dazu kommen, dass das Pferd seinen Halter frontal anstarrt und in direkter Linie auf ihn zuläuft. Macht sich das Pferd zudem groß und wirkt angespannt, sollte man dem Tier dringend ausweichen. Sind die Ohren des Pferdes auf seinen menschlichen Partner gerichtet, ist dies ebenso ein gutes Zeichen wie das Parallelstehen oder Parallellaufen. Schiebt das Pferd seinen Übungsleiter weg, ist es dabei, die Oberhand über seine Führung zu übernehmen. Der Reiter sollte dann unbedingt korrigierend eingreifen. Dreht das Pferd seiner Bezugsperson gar das Hinterteil zu, ist dies nicht weniger als Warnung zu verstehen.

Pferde-Training: Umgang

Der Umgang mit dem Pferd ist das A und O des Trainings. Im Idealfall entsteht eine positive Chemie zwischen Ross und Reiter. Voraussetzung ist das Befolgen bestimmter Regeln. So ist richtiges Atmen elementar, denn Pferde sind empfänglich für menschliche Emotionen. Das Pferd entziffert unsere Körperhaltung und Mimik. Es kommt also auf die innere Einstellung an, die sich auf die äußere Attitüde überträgt. Wer entspannt ist, verleitet auch sein tierisches Gegenüber zur Entspannung. Wer sein Pferd anlächelt, wird kaum eine kritische Reaktion erfahren. Allerdings brauchen Pferde genauso einen gewissen Grad an Sicherheit, eine klare Ansprache und gelegentliches Lob. Geduld mit dem Vierbeiner ist ebenfalls wichtig.

Pferde-Training: Bindung

Nachhaltige Bindung zwischen Pferd und Halter entsteht durch Berührung und Ansprache. Auch Interaktion ist unerlässlich und gehört definitiv in jeden Trainingsplan. Das Miteinander wirkt sich positiv auf die Gesundheit von Mensch und Tier aus. Therapeutisches Reiten wird daher sogar schon lange erfolgreich in der Psychotherapie eingesetzt. Wichtige Bindemittel im Zusammenspiel von Zwei- und Vierbeiner sind Klarheit und Vertrauen. Allerdings muss man sich das Vertrauen eines Pferdes immer wieder aufs Neue erarbeiten. Es ist flüchtig und erlischt nach bestimmter Zeit. Daher ist die Bindung zwischen einem Pferd und seiner Bezugsperson als kontinuierlicher Prozess, als fortlaufende Aktion mit lebenslanger Dauer zu verstehen.