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Pferde sind von Natur aus Fluchttiere (Symbolbild)

Pferdehaltung leicht gemacht

Pferde-Verhalten richtig deuten: Tipps & Tricks für den richtigen Umgang

Als Fluchttiere sind Pferde immer aufmerksam und bereit, blitzschnell zu reagieren. Um Missverständnisse oder gar Unfälle zu vermeiden, ist es entscheidend, das Verhalten der Tiere zu verstehen.

Warendorf – In der Regel sind Pferde aufgeschlossen und freundlich. Gut behandelt sind die Vierbeiner an einer Zusammenarbeit interessiert und gehen mit dem viel schwächeren Menschen vorsichtig und achtsam um. Doch nicht immer haben die großen Weidetiere gute Laune. Dann heißt es, Abstand zu halten oder korrekt einzuwirken. Um Missverständnisse zu vermeiden, müssen Reiter, Pfleger und andere Menschen, die mit Pferden umgehen (etwa der Tierarzt oder Hufschmied), lernen, das Verhalten der Pferde und deren Körpersprache richtig zu deuten und zu verstehen.

Verhalten: Pferde sind Fluchttiere

Auf den ersten Blick wirken Pferde groß und stark, doch tatsächlich suchen die sanften Weidetiere bei einer Bedrohung ihr Heil in der Flucht. Das Fluchttier Pferd ist daher immer aufmerksam und behält seine Umgebung im Blick. Damit das funktioniert, sehen Pferde anders als Menschen:

  • Die seitlich am Kopf sitzenden Augen ermöglichen Pferden einen nahezu kompletten Rundumblick. Nur kleine Bereiche direkt vor und hinter ihnen bleiben unsichtbar.
  • Pferde sehen auf jedem Auge einzeln (monokular), das Gehirn legt die Bilder übereinander.
  • Allerdings funktioniert das nicht immer reibungslos. So können Gegenstände zum Beispiel mit dem rechten Auge erkannt werden, während das Tier links scheut. Es erkennt das Objekt schlichtweg nicht wieder.
  • Pferde sehen die Welt zweidimensional. Ein kleiner Bereich erfasst das Sichtfeld beider Augen und erlaubt dreidimensionales Sehen. Daher ist es wichtig, einem Pferd Zügel zu geben, wenn es einen Gegenstand betrachten möchte. Denn es muss ihn aktiv in das richtige Sichtfeld bringen.
  • Pferde sehen weniger farbenreich und haben eine Rot-Grün-Schwäche.
  • In gleißendem Licht und bei Dunkelheit sehen sie dagegen die kleinste Bewegung.

Wer sich das bewusst macht, kann das Verhalten besser verstehen, was für das tägliche Pferde-Training unerlässlich ist.

Verhalten der Pferde: Körpersprache

Auch viele Nichtreiter wissen: Wenn die Ohren hart am Kopf anliegen und ein Pferd seine Nüstern kräuselt, ist es auf Abwehr getrimmt. Auch ein Herumschwingen des Hinterteils und eventuell ein angehobenes Bein deuten die meisten Menschen instinktiv richtig. Hier droht ein fester Tritt – und die Warnung sollte ernst genommen werden. Dabei zeichnet sich das Verhalten der Pferde eigentlich durch leise Töne aus. Neutral seitlich gestellte Ohren, ein kleiner Schritt zurück oder zur Seite, ein abgewandter Blick: All das sind kleine höfliche Gesten, mit denen Pferde über die Körpersprache zeigen, dass sie ihr Gegenüber wahrgenommen haben und es respektieren. Generell gilt:

  • Ein Pferd, das sich mit gespitzten Ohren dem Menschen zuwendet, an der Hand schnuppert oder die Person sanft mit der Nase anstupst, ist freundlich-interessiert.
  • Angelegte Ohren, zusammengepresste Lippen, gebleckte Zähne, ein gehobenes Bein, Aufstampfen und Kopfschütteln signalisieren Aggressionen.
  • Ein straff gespannter Körper mit hoch erhobenem Kopf, geweitete Nüstern und aufgerissene Augen (eventuell sogar mit sichtbarem Augenweiß) und ein eingeklemmter Schweif deuten auf Angst oder Panik hin.

Verhalten der Pferde: Tipps zum Umgang

Als Fluchttier schätzen Pferde keine direkte Annäherung von vorne und hinten, auch hektische Bewegungen führen eher zur Verunsicherung. Das erklärt alle Tipps, sich niemals von hinten zu nähern. In der Körpersprache der Pferde ist es höflich, sich seitlich und langsam zu nähern. Dabei sollte der Mensch dem Tier nicht direkt in die Augen sehen, denn dieses Verhalten zeigen Beutegreifer, die die Fluchtreaktion rechtzeitig erkennen können. Ein Blick leicht am Kopf des Pferdes vorbei fördert dagegen das Vertrauen.

Je älter Pferde werden, desto weniger schlafen sie. Zur Sicherheit legen sie sich immer seltener hin, stattdessen verbringen die Vierbeiner große Teile des Tages dösend. Wer sich einem schlafenden oder dösenden Pferd nähert, sollte dieses ruhig und behutsam ansprechen, um auf sich aufmerksam zu machen. Andernfalls könnte das Fluchttier erschrecken und heftige Abwehrreaktionen zeigen.