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Zur Pferde-Vorsorge gehört auch die Gebiss- und Zahnpflege. (Symbolbild)

Elementare Prophylaxe

Pferde-Vorsorge: Wurmkur und Zahnkontrolle – diese Impfungen sind nötig

Ob Wurmkur, regelmäßige Zahnkontrolle oder Impfungen – diese Vorsorgeuntersuchungen sind beim Pferd besonders wichtig.

Warendorf – Pferde verfügen ähnlich wie Menschen über einen extrem sensiblen Organismus. Da sensitive Systeme naturgemäß anfällig für Krankheiten sind, müssen Pferde in festen Taktungen beobachtet, untersucht und behandelt werden. Denn nur die ordnungsgemäße Versorgung eines Tieres garantiert Leistungsfähigkeit und hohe Lebensdauer. Daher ist jede Pferdebesitzerin, jeder Pferdebesitzer verpflichtet, auf die Gesundheit seines Rosses zu achten. Nachlässigkeiten können zu Repressalien und Ordnungsstrafen führen, da sie den Tierschutz unterlaufen. Darauf weist die „Deutsche Reiterliche Vereinigung“ mit Sitz im münsterländischen Warendorf hin.

Pferde-Vorsorge: Untersuchungen

Die Vorsorge bei Pferden schließt regelmäßige Untersuchungen des tierischen Körpers ein. In der Regel wird ein Pferd von vorn nach hinten untersucht. Die Kontrolle hat die Erkundung des aktuellen Gesundheitszustands als Ziel. Untersuchungen können sich auf einzelne Organe beziehen, oder schrittweise entlang des Pferdekörpers erfolgen. In letzterem Fall startet der Untersuchende am Kopf und endet am Schweif. Man spricht folglich von einer topografischen Untersuchung. Diese Art der Untersuchung wirkt weniger stressig auf das Pferd, da der Untersuchende seine Position seltener wechseln muss.

Pferde-Vorsorge: Aufmerksam hinsehen

Vor der haptischen Untersuchung des Vierbeiners steht jedoch die Betrachtung des Pferdes aus der Ferne. Dabei handelt es sich um die sogenannte Adspektion. Bei der Adspektion, dem Anschauen, werden folgende Dinge überprüft:

  • Körperhaltung des Pferdes
  • Pflegezustand des Pferdes
  • Ernährungszustand des Pferdes
  • Verhalten des Pferdes
  • Auffälligkeiten

Bezüglich der Körperhaltung ist zu untersuchen, ob eine gleichmäßige Belastung aller Gliedmaßen und des Pferdehalses vorliegt. Werden beispielsweise nur die Hinterläufe belastet, deutet dies auf eine Erkrankung hin. Im Hinblick auf das Verhalten ist zur Kenntnis zu nehmen, ob das Pferd aufmerksam ist und am Geschehen seiner Umwelt teilnimmt. Im Idealzustand spitzt das Tier die Ohren und wendet sich dem nächstgelegenen Reiz zu. Hingegen sagt der Futtertrog etwas über das Fressverhalten des Tieres aus. Genauso wie die Einstreu Auskunft über Urin- und Kotabsatz gibt. Das Fell muss wiederum nicht zwingend ein Gradmesser für die Gesundheit des Vierbeiners sein, da sich die Beschaffenheit und Farbe des Fells je nach Jahreszeit und Art der Haltung verändert. Ein besserer Gradmesser ist der Zustand der Pferdehufe. Sie sollten regelmäßiger Reinigung unterzogen werden, wobei die Hufe je nach Abnutzung von einem Schmied zu wechseln sind.

Pferde-Vorsorge: Abtasten und messen

Auf das Betrachten des Pferdes folgt das Abtasten mit den Händen. Nach der Erkundung des Kopfes schließen sich das Ertasten des Körpers, der Beine und die Untersuchung des Schweifs an. Auch ein Kontrollvorgang in umgekehrter Reihenfolge ist denkbar. Letzter Punkt der allgemeinen Untersuchungen ist das Aufnehmen der Körperwerte. Die sogenannten Vitalfunktionen sind in festen Abständen zu kontrollieren. Die Funktionen umfassen die Messung von Puls, Atmung und Körpertemperatur. Diese Werte sollten aus Vergleichsgründen schriftlich fixiert werden.

Pferde-Vorsorge: Impfungen

In puncto Pferde-Vorsorge stehen Impfungen weit oben auf dem Zettel. Am dringlichsten ist die Impfung gegen Tetanus. Die auch als Wundstarrkrampf bekannte Krankheit meint eine bakterielle Infektion, durch die die Nervenzellen des Pferdes irreparabel geschädigt werden. Das weit verbreitete Bakterium dringt durch offene Wunden in den Organismus des Vierbeiners und kann tödliche Folgen haben. Eine Immunisierung gegen Tetanus ist daher Pflicht. Was nicht für eine Impfung gegen die Pferdegrippe (Influenza) gilt. Das verantwortliche Virus attackiert den tierischen Atmungsapparat und sorgt für geschwollene Lymphknoten, Nasenausfluss und hohes Fieber. Hier scheint eine Impfung ebenso sinnvoll wie im Fall von Herpes. Rund 80 Prozent aller Pferde tragen Herpesviren in sich. Kommt es zu einem Ausbruch, etwa durch vermehrten Stress, besteht die Gefahr einer Übertragung auf andere Tiere. Ein neues Gesetz sieht eine Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde vor. Sie tritt mit Beginn des Jahres 2023 in Kraft.

Pferde-Vorsorge: Wurmkur

Eine weitere Vorsorgemaßnahme bei Pferden ist die Wurmkur. Sie dient der Abwehr von Parasiten und in diesem Fall einem Befall durch Strongyliden vorzubeugen. Dem parasitäre Befall kann entweder durch pauschale Entwurmung, strategische Entwurmung oder selektive Entwurmung vorgebeugt werden. Bei der pauschalen Entwurmung werden viermal jährlich, vom Frühjahr bis zum Herbst, entsprechende Medikamente an das Pferd verfüttert. Das pauschale Vorgehen hat den Vorteil, dass ein Befall durch Strongyliden nahezu ausgeschlossen ist. Nachteil: Das verschreibungspflichtige Medikament darf nur bei akutem Wurmbefall verordnet werden. Darüber hinaus kann der hohe Einsatz von Arzneimitteln die Umwelt schädigen, da chemische Rückstände über den Tiermist auf den Feldern landen. Auch eine Kontaminierung umliegender Gewässer ist nicht auszuschließen.

Die strategische Entwurmung bildet einen Mittelweg zwischen pauschaler und selektiver Entwurmung. Vor der Verabreichung von Medikamenten steht die Untersuchung von Kotproben. Lassen sich Parasiten nachweisen, werden Fohlen viermal pro Jahr entwurmt. Jungtiere sehen sich einer dreimaligen Behandlung gegenüber, während erwachsene Pferde zweimal jährlich behandelt werden. Auf diesem Weg wird die Population der Strongyliden in Schach gehalten. Zugleich hält sich die Zahl der Medikamente ebenso in Grenzen wie der Grad der Umweltschädigung. Jedoch ist darauf zu achten, dass die Entwurmung mithilfe unterschiedlicher Wirkstoffe erfolgt, da die Keime sonst mit Resistenzen reagieren.

Pferde-Vorsorge: Selektive Entwurmung

Bei der selektiven Entwurmung werden viermal pro Jahr Kotproben des Pferdes im Labor untersucht. Eine Untersuchung kostet zwischen zehn und 20 Euro. Lassen sich Würmer oder Dasseln nachweisen, unterzieht der Veterinär das Tier einer Kur. Allerdings kommen nur dann Präparate zum Einsatz, wenn Bedarf besteht. Das reduziert die Aufnahme von Chemie auf ein Minimum. Der Pferdehalter, die Pferdehalterin ist bei dieser Entwurmungsform aufgefordert, wachsam und eigenverantwortlich zu handeln. Denn es obliegt einzig dem Halter, das Pferd auf eventuellen Sporenbefall zu untersuchen. So sollte der Blick stets auf After und Beine gerichtet sein. Ganz einfach, weil Madenwürmer ihre Eier gerne am Pferdeafter ablegen. Dasselfliegen hingegen platzieren ihre Eipopulationen bevorzugt an den Vorderläufen der Pferde. Vorteil der selektiven Entwurmung: Der Stallbesitzer entwickelt ein gesteigertes Gefühl für schädliche Fremdkörper und erfährt zudem etwas über die Empfindsamkeit seines Pferdes.

Pferde-Vorsorge: Gebiss- und Zahnkontrolle

Zur Vorsorge bei Pferden gehört zwingend die regelmäßige Zahnkontrolle. Das Gebiss sollte mindestens einmal pro Jahr gründlich untersucht werden. Dabei wirft am besten ein Spezialist, ein Dentist für Pferde, einen genauen Blick auf die Zähne des Vierbeiners. Ergeben sich Unregelmäßigkeiten im Maul des Gaules, kann dies viele Bereiche der Tiergesundheit negativ beeinflussen. So verändern sich im schlechtesten Fall die Haltung, die Ausstrahlung, das Fell, die Kondition und die Verdauung des Pferdes. Sind Auffälligkeiten zu erkennen, schreitet der Tierarzt zur Tat. Zunächst werden Zähne, Kaumuskulatur und Kiefergelenk abgetastet. Dies dient der Lokalisierung von Schmerzen. Danach wird das Pferdemaul geöffnet und per Gatter offen gehalten. Ein Blick in die Mundhöhle verrät dem Veterinär, wo es anzusetzen gilt. Kanten und Wellen müssen abgeschliffen werden. Störende Zähne und Fehlstellungen bedürfen der Korrektur. Auch Zahnstein ist zu entfernen.

Pferde-Vorsorge: Untersuchung der Hufe

Die Vorsorge bei Pferden schließt die Pflege der Hufe ein. Sie sollte möglichst jeden Tag erfolgen und mit einem speziellen Hufkratzer durchgeführt werden. Das Utensil sorgt für die Entfernung von Fremdkörpern, die daran gehindert werden, sich festzusetzen. Bleibt die Hufpflege aus, wird das Tier krank. Daher sind Steine, Splitter, Mist und Einstreu sorgsam zu beseitigen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die gleichzeitige Prüfung der Hufeisen auf Festigkeit. Bei Paarhufern empfiehlt sich zudem die Kontrolle der Hufränder. Hier können sich mitunter scharfe Kanten bilden, die mit einer Raspel zu glätten sind.

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