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Pferdezucht: Trakehner zum Immateriellen Kulturerbe ernannt

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Von: Lara-Sabrina Kiehl

Drei Jahre hat das Bewerbungsverfahren gedauert. Jetzt ist es so weit: Die Trakehner Pferdezucht ist als Immaterielles Kulturerbe anerkannt worden.

Neumünster – Trakehner Pferde versprühen durch ihr edles und elegantes Erscheinungsbild Charme und Anmut. Dass sie zu der ältesten Rasse der Welt zählen, ist ihnen auf den ersten Blick nicht anzusehen. Wohl aber ihr ausdrucksvoller Kopf und ihr wachsames Auge. Unter Pferdeleuten sind sie geschätzt – nicht nur ihres freundlichen Wesens und Talentes wegen, sondern auch wegen ihrer ausgeprägten Leistungsbereitschaft und Sportlichkeit.

Fachleute sagen Trakehnern vor allem einen gewissen Grad an Ausdauer und Härte nach. Woher sie diese haben? Von ihren Vorfahren, die im 17. Jahrhundert in Ostpreußen für die Kavallerie im Einsatz waren. Mit dem Wunsch von König Friedrich Wilhelm I. sollten zu dieser Zeit erstmals wendige und bewegliche Pferde für die Reiter der Kavallerie gezüchtet werden – die Rasse der Trakehner erlebte ihre Geburtsstunde und wurde zum Inbegriff des deutschen Reitpferdes und zum Vorbild für Züchter in aller Welt.

Pferdezucht: Trakehner zum Immateriellen Kulturerbe ernannt

Die Entscheidung, die Trakehner Zucht als Immaterielles Kulturerbe anzuerkennen, ist Anfang März gefallen. Getroffen auf Empfehlung des unabhängigen Expertenkomitees für Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission der Länder von der Kulturministerkonferenz und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. In der deutschen Pferdeszene ist dies einzigartig: Die Trakehner Zucht ist die erste Pferdezucht, die als deutsches Immaterielles Kulturerbe mit hippologischem Hintergrund anerkannt wurde.

Kaiser Milton, Siegerhengst der Trakehner Hengstvorführung 2017, auf der Ehrenrunde an der Hand. (Symbolbild)
Die Trakehner Pferdezucht hat eine lange Tradition und ist nun zum Immateriellen Kulturerbe ernannt worden. (Symbolbild) © Agentur 54 Grad/Imago

Pferdezucht: „Die Aufnahme verleiht der Besonderheit der Trakehner Zucht Ausdruck“

„Die Aufnahme verleiht der Besonderheit der Trakehner Zucht Ausdruck“, kommentiert der Zuchtleiter und Geschäftsführer des Trakehner Verbandes, Lars Gehrmann. „Die Geschichte und die Zuchtmethodik der Reinzucht sind bis heute Alleinstellungsmerkmale unserer Zucht, die neben der Traditionspflege stets und innovativ den Blick nach vorn richtet. Sie bringt heute nicht nur moderne Reitpferde hervor, sondern ist mit zahlreichen Bildungsangeboten, aktiver Jugendarbeit und Offenheit für neue Mitglieder zukunftsorientiert ausgerichtet.“ Die ICSI-Methode ist ein neues Zuchtverfahren bei Pferden.

Das Expertenkomitee würdigt ausdrücklich das Engagement, mit dem die Trakehner Zucht betrieben wird sowie die Dokumentation und Weitergabe von Wissen und Können seit nunmehr drei Jahrhunderten. Das Komitee begründet seine positive Entscheidung zudem mit der offenen Praxis, dem grenzüberschreitenden Austausch und den umfangreichen Bildungs- und Informationsangeboten für Mitglieder und Öffentlichkeit. Das Forschungsprojekt „HorseWatch“ untersucht den Ausbildungsbeginn junger Pferde.

Pferdezucht: Mehrstufiges Bewerbungsverfahren vor der Anerkennung

Die Anerkennung der Trakehner* Pferderasse zum Immateriellen Kulturerbe stand ein mehrstufiges nationales Bewerbungsverfahren voran. Dabei mussten mehr als zwanzig Fragen beantwortet werden: unter anderem zur Geschichte durch fast drei Jahrhunderte unter verschiedenen politischen Systemen, zur Organisation und zu Besonderheiten der Zucht, zur heutigen Praxis, Tierschutz und Weitergabe an kommenden Generationen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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