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Pferde beim Fressen im Stall (Symbolbild)

Pferde rundum richtig füttern

Pferdefutter: Rau-, Kraft- und Feuchtfutter – wann man Zusatzfutter braucht

Welches Futter für mein Pferd? Die Versorgung mit hochwertigem Raufutter ist notwendig, doch bei Kraft-, Saft- und Zusatzfutter bestehen große Unterschiede zwischen den individuellen Bedürfnissen der Tiere.

Warendorf – Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) weist auf ihrer Homepage auf die Wichtigkeit einer artgerechten Ernährung für Pferde hin. Besonders die Fütterungsempfehlung für Raufutter steht im Fokus, denn sie wurde aktualisiert.

Futter für Pferde – welche Futterarten gibt es?

Pferde sind Pflanzenfresser. Ihre Verdauung ist auf eine stetige Aufnahme sehr faserigen Futters ausgelegt. Sie produzieren deshalb beständig Magensäure, um dieses Futter zu verdauen. Lange Futterpausen vertragen sie nicht, weil die Übersäuerung die Magenschleimhaut schädigt und so Magengeschwüre verursachen kann. Die Gefahr einer Schädigung steigt deutlich, wenn Pferde länger als vier Stunden nichts fressen.

Was jedoch fressen Pferde und wofür ist welche Futtersorte gut? Die folgenden Futterarten stehen zur Verfügung:

  • Raufutter wie Heu, Stroh, Heulage und Silage
  • Kraftfutter wie Getreide (Hafer, Mais, Gerste, Leinsamen und vieles mehr)
  • Feucht- und Saftfutter wie Gras, Karotten, Futterrüben
  • Zusatzfutter wie Mineralfutter und Nahrungsergänzungsmittel

Im Hinblick auf die Verdauung des Pferdes ist Raufutter unverzichtbar. Dazu zählt das häufig als Feucht- oder Saftfutter geführte Gras. Eine reine Weidehaltung ist bei genügend Platz und Futterangebot für Pferde ganz natürlich und deckt ihre Bedürfnisse artgerecht ab. Sie fressen nicht nur Gras, sondern auch Kräuter und sogar Blätter von Bäumen.

Pferdefutter für jeden Tag – das lebensnotwendige Raufutter

Die wenigsten Pferde in Deutschland haben das Glück, auf Weiden zu leben, die aufgrund ihrer Größe und Beschaffenheit über das ganze Jahr hinweg alles bieten, was das Pferd braucht. In den Sommermonaten ist die reine Weidehaltung allerdings in vielen Gegenden üblich und ausreichend. Dazu gehört auch der „Alm-Urlaub“ in den Bergen. Im Winter jedoch reichen die Weiden meist nicht mehr für die Grundversorgung mit Rau- bzw. Saftfutter aus. Dann muss zusätzliches Raufutter gereicht werden. Gleiches gilt natürlich bei der Haltung in einer Box oder im Offenstall.

Zu den Raufuttersorten gehören:

  • Heu
  • Stroh
  • Heulage
  • Silage

Spät geschnittenes Heu mit langem Halm ist für Pferde besser geeignet als der zweite bzw. dritte Schnitt mit kurzem Halm.

Raufutter richtig füttern

Für Pferde am besten geeignet ist Heu. Es handelt sich um geschnittenes, getrocknetes Gras, das oft auch Kräuter enthält. Die aktuelle FN-Empfehlung lautet, 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht des Pferdes anzubieten, bei einem Warmblüter mit 600 Kilogramm Lebendgewicht also neun bis zwölf Kilogramm Heu pro Tag. Das sind mindestens zwei große, schwere Heunetze oder knapp die Menge eines kleinen Heuballens.

Speziell für Allergiker, Pferde mit Atemwegserkrankungen und Staubempfindlichkeit, oder wenn Heu gerade nicht verfügbar ist, hat sich eine hochwertige Heulage als Ersatz bewährt. Sie sollte möglichst trocken und wenig vergoren sein, denn die Verdauung des Pferdes verträgt die dabei entstehende Milchsäure nicht gut. Richtige Silage, die deutlich nasser und saurer ist, ist für Pferde eher nicht geeignet.

Eine etwas in Vergessenheit geratene Ergänzung des Raufutters ist Stroh. Hochwertiges, staubarmes Stroh ist nicht nur eine gute Einstreu für Box und Offenstall, sondern bietet dem Pferd die dauerhafte Möglichkeit, Raufutter aufzunehmen und so die Magensäure abzupuffern. Weil Stroh sehr faserig ist, muss sich der Darm langsam auf dieses Raufutter einstellen. Dabei bilden sich mehr der hilfreichen Darmbakterien, die Stroh zersetzen können.

Futter für Pferde: Kraftfutter passend dosieren

Pferde, mit denen viel gearbeitet wird, haben unter Umständen einen Energiebedarf, der durch die Heufütterung nicht abgedeckt wird. Dies gilt vor allem für hoch im Blut stehende Pferde, deren Grundbedarf wesentlicher höher ist, als bei den ursprünglichen Rassen und bei Ponys.

Um den erhöhten Bedarf zu decken, erhalten Pferde Kraftfutter. Zum Einsatz kommen vor allem:

  • Getreide wie Hafer und Gerste
  • aufgearbeiteter Mais, zum Beispiel geflockt
  • Reiskleie
  • Öle
  • Melasse

Hafer ist das traditionellste Kraftfutter für Pferde und aufgrund seiner Zusammensetzung gut für die Fütterung dieser Tiere geeignet. Gerste und Mais gelten als schwerer verdaulich. Reiskleie und Öl haben einen sehr hohen Energiegehalt und eignen sich zum Auffüttern von zu dünnen Pferden. Melasse enthält vor allem natürlichen Zucker und macht das Futter schmackhaft.

Die Fütterung von Kraftfutter ist in vielen Ställen üblich, sollte aber überdacht werden. Pferde mit einem geringen Arbeitspensum und viele ursprüngliche Pferderassen benötigen kein Kraftfutter. Sie nehmen sehr leicht zu und werden ungesund dick. Die tägliche Kraftfuttermenge muss deshalb kritisch hinterfragt, regelmäßig überprüft und sinnvoll angepasst werden.

Futter für Pferde: Wofür Saft- und Feuchtfutter gut sind

Damit auch Pferde, die kein Kraftfutter benötigen, etwas Leckeres in den Trog bekommen, kann man auf Saft- und Feuchtfutter ausweichen. Es stellt außerdem eine schmackhafte Ergänzung zum Kraftfutter dar und verführt so selbst mäkelige Pferde zum Fressen ihrer Kraftfutterration.

Neben Gras gehören zum Saftfutter vor allem Äpfel, Karotten und Futterrüben. Letztere enthalten wenig Zucker und sind deshalb auch für runde Rassevertreter geeignet.

Futtermittel wie Mash und Rübenschnitzel werden ebenfalls feucht verfüttert. Sie müssen vor der Fütterung je nach Sorte zwischen einer und zwölf Stunden einweichen, da sie sonst im Darm aufquellen würden. Sie verbessern die Akzeptanz der Kraftfuttergabe und die Verträglichkeit großer Kraftfuttermengen durch ihre Feuchtigkeit. Bestandteile wie geschrotete Leinsamen wirken sich positiv auf die Darmgesundheit aus und bieten zugleich eine wertvolle Versorgung mit Vitaminen und natürlichen Ölen.

Die Fütterung von Öl ist ein sinnvoller Zusatz bei der Fütterung zu dünner oder stark arbeitender Pferde. Da die Verdauung nicht auf größere Mengen Öl eingestellt ist, muss die Menge pro Tag langsam gesteigert werden. Mehr als 100 Milliliter Öl pro 100 Kilogramm Körpergewicht des Pferdes sind nicht empfehlenswert als Maximaldosis pro Tag. Bei der Auswahl der Öle sollte man auf gute Qualität achten.

Futter für Pferde: Zusatzfutter und Nahrungsergänzungsmittel

Theoretisch müsste der tägliche Bedarf an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien beim Pferd über die Aufnahme der täglichen Ration Raufutter und Gras gedeckt sein. In der Praxis bieten viele Weiden oder Heuqualitäten das nicht. Manche Pferde haben außerdem einen erhöhten Bedarf für bestimmte Nährstoffe oder eine Erkrankung, die sich mit Zusatzfutter oder Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen lässt. Zu den Zusatzfuttermitteln zählen:

  • Mineralfutter
  • Nahrungsergänzungsmittel mit hoch dosierten Nährstoffen, zum Beispiel Biotin- oder Zink-Präparate
  • pflanzliche Arzneimittel, wie Mönchspfeffer bei starker Rosse
  • Aufbaupräparate wie Magenschoner oder Aminosäuren

Der Einsatz von Zusatzfutter ist immer genau zu prüfen. Außer Mineralfutter sollten Zusatzfuttermittel nur bei tierärztlicher Empfehlung über längere Zeit gegeben werden. Gerade für ältere oder stark belastete Tiere können Zusatzfuttermittel eine wertvolle Hilfe leisten. Am besten werden sie in Kuren von begrenzter Zeit verfüttert.

Futter für Pferde: Ist „getreidefrei“ wirklich empfehlenswert?

In den letzten Jahren hat das Interesse an getreidefreiem Kraftfutter stark zugenommen. Es wird oft als gesünder, besser verträglich und weniger belastend beworben. Statt Getreide bestehen diese Kraftfuttersorten aus gehäckseltem Heu oder Luzerne, Grünhafer, Gemüsestückchen, Obst und einigen anderen natürlichen Inhaltsstoffen.

Für Pferde, die eigentlich gar kein Kraftfutter brauchen, sind diese Futtermittel in kleinsten Mengen als Belohnung oder zum Verstecken von Mineralfutter geeignet. Auch Tiere, die Getreide nicht gut vertragen oder unter Magengeschwüren leiden, sollten getreidefrei ernährt werden. Bedenken muss man allerdings, dass der Gehalt an Zucker gerade in den getreidefreien Pferde-Müslis oft höher ist als zum Beispiel im reinen Hafer. Der Zuckergehalt von häufig in Diät-Müslis verwendeten getrockneten Karotten oder Grünhafer liegt beispielsweise um das Zehnfache höher als beim Hafer. Wer eine getreidefreie Ernährung für das eigene Pferd für wichtig hält, der sollte frische Karotten und hochwertiges Heu verfüttern. Beides enthält kaum Stärke und weniger Zucker als ein getreidefreies Pferde-Müsli. Bei Rehe-gefährdeten Ponys und Pferden muss nicht nur das getreidefreie Müsli komplett gestrichen, sondern sogar das Heu eingeweicht werden, um den enthaltenen Zucker auszuwaschen.