Spaß im Schnee

Pferdehaltung im Winter – was es beim Weidegang zu beachten gibt

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Auch im Winter benötigen Pferde freien Auslauf. Doch Vorsicht: Diese Dinge sollten Besitzer beachten, damit der Weidegang nicht zur Rutschpartie mit Folgen wird.

München – Das schneebedeckte Gras glitzert in der Morgensonne, aus den Nüstern der Pferde steigt weißer Dampf auf: Für Pferde gibt es nichts Schöneres, als auch im Winter freien Auslauf auf der Weide zu genießen. Doch damit es für Pferd und Reiter bei dem magischen Winterwunderland-Moment bleibt und es keine bösen Überraschungen mit Verletzungen gibt, sollten Besitzer im Vorfeld einiges beachten.

Pferdehaltung im Winter – was es beim Weidegang zu beachten gibt

Nicht immer zeigt sich der Winter von seiner schönsten Seite. Statt Sonne, Schnee und Eis gibt es Regen, Matsch und graue Wolken – denkbar schlechte Voraussetzungen für den Boden der Winterweide. Vor allem schwere und lehmhaltige Böden verwandeln sich für Pferde schnell in eine Schlammlandschaft mit tiefen Löchern. Für den Weidegang im Winter eignen sich daher am besten Standorte mit leichten und sandigen Böden, in denen das Regenwasser besser versickert und die Oberfläche schnell wieder abtrocknet. Sind die Flächen dazu leicht abschüssig, können Niederschläge ideal ablaufen. Aber natürlich hat nicht jeder Pferde haltende Betrieb die Auswahl zwischen verschiedenen Standorten.

Trotzdem können Pferdehalter ein paar Dinge tun, um den Boden auf der Weide möglichst matschfrei zu halten. Das Wichtigste: Eine ausreichende Fläche für den Koppelgang einzäunen. Denn je Größer die Weide ist, desto kleiner sind die punktuellen Belastungen, die auf die Grasnarbe einwirken. Um die Grasnarbe zusätzlich zu schonen, sollten Besitzer mehrere Flächen im Wechsel nutzen.

Für einen sicheren Weidegang im Winter müssen Pferdebesitzer einiges beachten. (Symbolbild)

Pferdehaltung im Winter – mit dem richtigen Beschlag auf die Weide

Quietschen, Buckeln, Steigen – wenn es auf die Winterweide geht, toben sich die meisten Pferde erstmal so richtig aus. Eisbedeckte Löcher und gefrorene Erdhügel werden da schnell zur Stolperfalle. Aber auch auf tiefen Matschwiesen können sich die Vierbeiner einige Verletzungen zuziehen, im Galopp ausrutschen oder sich die Hufeisen abreißen. Daher gilt: Um die Sehnen und Muskeln der Pferde zu schützen, sollten Pferdehalter die Böden vor dem Frost begradigen und ihre Vierbeiner bei zu nassen Weiden lieber auf den Sandpaddock stellen.

Außerdem wichtig: Der richtige Beschlag. Denn auf schneebedeckten Flächen setzen sich schnell Eisklumpen in den Eisen fest. Damit das Pferd nicht aufstollt oder auf gefrorenem Boden wegrutscht, können alte Socken über den Hufen helfen. Mit Panzertape um die Fesseln befestigt, dienen sie als kostengünstige „Pantoffeln“ für den Weidegang. Kleiner Nachteil: Der Stoff scheuert beim Laufen schnell durch. Etwas länger halten dagegen wattierte Babywindeln, die Pferdebesitzer einfach um die Hufe kleben können. Wichtig: Den Schutz nicht zu lange drauflassen, damit Hufe und Haut schnell wieder abtrocknen und sich keine Scheuerstellen bilden können.

Pferdehaltung im Winter – Rehegefahr steigt durch viel Fruktan im Gras

Mit fallenden Temperaturen steigt der Fruktangehalt im Gras. Das Problem: Dieser gilt als ein begünstigender Faktor bei der Entstehung von Hufrehe – einer schmerzhaften Entzündung der Hornkapsel. Vor allem an sonnigen Tagen mit frostigen Nächten reichert sich viel Fruktan in den Pflanzen an. Denn durch die Kälte verbrauchen sie die aufgenommene Energie nicht für ihr Wachstum, sondern speichern den Zucker in Form von Fruktanen ein. Daher gilt:

  • Die Weidezeit zeitlich begrenzen.
  • Rehegefährdete Pferde und Vierbeiner mit Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel das Equine Metabolische Syndrom (EMS) oder Cushing vorsichtshalber auf den Winter-Paddock stellen.
  • Pferde nicht mit leerem Magen auf die Weide stellen. Vorher eine Portion Raufutter füttern.
  • Auf der Koppel zusätzlich Raufutter anbieten, um Verdauungsstörungen wie Koliken durch zu viel gefrorenes Gras zu vermeiden.
  • Eine überdachte Heuraufe schützt das Futter vor Nässe. So bleibt es auch bei Regen und Schnee schmackhaft.

Pferdehaltung im Winter – Schnee ist kein Ersatz für Trinkwasser

Auch wenn Schnee aus Wasser besteht und viele Weiden im Winter reichlich damit bedeckt sind: Die weißen Flocken eignen sich nicht, um den Flüssigkeitsbedarf von Pferden zu decken. Daher müssen die Vierbeiner stets freien Zugang zu einer Tränke haben. Dabei eignen sich am besten beheizbare bzw. frostsichere Tränken wie beispielsweise Balltränken. Diese sind außerdem wenig anfällig für Verschmutzungen. Trotzdem sollten Pferdehalter bei allen Tränken den Wasserfluss und die Funktionsfähigkeit regelmäßig kontrollieren. Steht nur ein Wasserbecken zur Verfügung, können folgende Tipps helfen, damit das Wasser nicht einfriert:

  • Den Wassertrog in der Sonne platzieren.
  • Das Becken an eine Stallwand oder unter ein Abdach stellen. So ist es vor Wind geschützt.
  • Eine isolierende Schutzschicht mit Styropor bewahrt das Wasser länger vor dem Einfrieren.
  • Schwimmende Gegenstände wie Plastikbälle halten die Wasseroberfläche zusätzlich in Bewegung.

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Rubriklistenbild: © Sabine Brose/Imago