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Dressurreiterin Isabell Werth auf DSP Quantaz (Symbolbild)

Reitsport in Deutschland

Pferdesport: Alles Wissenswerte zu den gängigen Reitarten im Überblick

Pferde sind beliebte Sportpartner, was nicht nur am Umgang mit den sanften Tieren liegt. Ein weiterer Pluspunkt beim Pferdesport sind die vielen Reitarten, die zur Auswahl stehen.

Warendorf – Viele Jahrzehnte sprach die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (Fédération Équestre Nationale, kurz FN) fast ausschließlich die Turnierreiter im Pferdesport an. Der deutsche Dachverband des Reitsports betreut die in Vereinen organisierten Sportler in den Sparten Dressurreiten, Springreiten, Vielseitigkeitsreiten, Reining (Westerndressur), Distanzreiten, Fahren und Voltigieren. Dem Breitensport widmete die FN dagegen wenig Aufmerksamkeit. Das hat sich zum Glück geändert. Der Verband begleitet mittlerweile viele Reitarten im Reitsport und sorgt auch für attraktive Veranstaltungen für Freizeitreiter.

Reitarten im Pferdesport: Das Dressurreiten

Seit dem Jahr 1912 ist das Dressurreiten olympisch, und im Dressurviereck der alle vier Jahre abgehaltenen Spiele zeigt sich das Ziel der Dressur: Wenn Pferd und Reiter zu einer Einheit werden und die Lektionen im Sand geradezu tanzen, dann wird aus dem Reitsport eine Kunst.

Dabei gilt: Die Dressur gehört für jeden Reiter zu den Reit-Grundlagen. Ein unabhängiger Sitz, der das Pferd nicht in seinen Bewegungen stört, und eine feine Hilfegebung erlernen alle Reiter in der Dressur. Ebenso lernt das Pferd während der dressurmäßigen Ausbildung, auf feine Hilfen zu reagieren, locker und im Gleichgewicht zu gehen und die zusätzliche Last des Reitergewichts mit der Hinterhand zu tragen. All das ist die Grundvoraussetzung für sämtliche anderen Reitarten im Reitsport. Ob ein Springreiter die Galoppsprünge zwischen den Hindernissen verlängern oder verkürzen muss oder ein Geländereiter ausbalanciert bergab sitzt: Das Dressurreiten bildet die Basis.

Im Pferdesport kennt das Dressurreiten folgende Prüfungsstufen:

  • Klasse E (Einsteiger)
  • Klasse A (Anfänger)
  • Klasse L (Leicht)
  • Klasse M (Mittelschwer)
  • Klasse S (Schwer)

Jeder Reiter und jedes Pferd sollte im Dressurreiten mindestens bis Klasse A ausgebildet sein, unabhängig von den späteren Reitarten.

Reitarten im Pferdesport: Das Springreiten

Springreiten gehört zu den beliebtesten Reitarten im Pferdesport, die entsprechenden Prüfungen ziehen auf Turnieren besonders viele Zuschauer an. Das liegt neben den teils spektakulären Leistungen in der schweren Klasse daran, dass auch Nicht-Reitsportkenner sehen, ob ein Paar erfolgreich ist, und mitfiebern können.

Beim Springreiten leitet der Reiter sein Pferd über Hindernisse, die in einer vorgeschriebenen Reihenfolge zu überwinden sind. Der sogenannte Parcours besteht dabei aus einzelnen Hindernissen und solchen, die als Distanz oder Kombination aufgebaut sind. Bei einzelnen Sprüngen besteht die Schwierigkeit darin, das Pferd so an das Hindernis zu bringen, dass es den idealen Absprungpunkt trifft. Bei Distanzen und Kombinationen gelingt die fehlerfreie Überwindung nur, wenn der Reiter die Galoppsprünge des Pferdes zwischen den Hindernissen in idealer Weite und Anzahl steuert.

In einem Parcours treffen Reiter und Pferd unter anderem auf folgende Hindernistypen:

  • Steilsprünge
  • Hochweitsprünge (Oxer)
  • Triplebarre (Hochweitsprung mit drei Elementen, die langsam in der Höhe ansteigen)
  • Mauern
  • Wassergräben
  • Geländehindernisse (wie beispielsweise Wälle, Billards, Pulvermanns Grab etc.)

Die Klassen beim Springreiten bestehen analog zum Dressurreiten. Die Anzahl und Höhe der Hindernisse nehmen mit steigendem Schwierigkeitsgrad zu.

Reitarten im Pferdesport: Das Orientierungsreiten

Seit einigen Jahren veranstaltet die Deutsche Reiterliche Vereinigung im Pferdesport als Breitensport sogenannte TREC-Wettbewerbe. Dieses Orientierungsreiten gehört zu den jüngeren Reitarten im Reitsport. Die Disziplin stammt aus Frankreich. Dort entstand der Wettbewerb vor etwa 30 Jahren, um die Ausbildung und die Qualifikation professioneller Führer für das touristische Wanderreiten voranzutreiben. Daher tragen die Prüfungen den Namen Techniques de Randonnée Equestre de Compétition, kurz TREC. Dieser Reitsport mit Kompass und Karte besteht aus drei Wettbewerbsteilen.

  • Orientierungsritt: Im Kartenraum haben die Teilnehmer 20 Minuten Zeit, die Route der Reitstrecke aus der offiziellen in die eigene Karte zu übertragen. Im Anschluss gilt es, die vorgegebene Strecke abschnittweise zu bewältigen und dabei die Vorgaben an die Reitgeschwindigkeit genau einzuhalten. Das Tempo im freien Gelände bergauf, bergab und in der Ebene richtig zu bestimmen, erfordert viel Erfahrung.
  • Rittigkeitsprüfung: Nach dem Orientierungsritt erfolgt eine Verfassungsprüfung. Danach stellen die Reiter ihre Pferde in einer zwei Meter breiten und 150 Meter langen Gasse vor. Es gilt, die Strecke im Schritt möglichst schnell und im Galopp möglichst langsam zu bewältigen.
  • Den Abschluss bildet ein Geländeritt mit Naturhindernissen und steilen Hängen ähnlich dem Vielseitigkeitsreiten.

Reitarten im Pferdesport: Die Gangprüfung

Einige Pferderassen verfügen über mehr Gänge als die klassischen Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp. So bieten einige Pferde vier Gangarten an: Sie bewegen sich zusätzlich im Tölt. Fünfgänger haben die Fähigkeit, zusätzlich zum Tölten auch den Pass zu zeigen. Außerdem beherrschen einige Pferde den sogenannten Foxtrott. Das zeichnet die zusätzlichen Gangarten aus:

  • Der Tölt ist eine gelaufene Gangart ohne Schwebephase, die Abfolge der einzelnen Tritte entspricht der des Schritts. Der Reiter sitzt bei locker schwingendem Rücken nahezu erschütterungsfrei, dabei zeigen die Pferde den Tölt je nach Ausbildungsstand in einer großen Tempobandbreite von Schritt- bis Galoppgeschwindigkeit. Die Fähigkeit zum Tölten ist genetisch bedingt.
  • Der Passgang ist eine Gangart, bei der immer das Beinpaar auf einer Seite gleichzeitig vorschwingt. Langsamer Pass oder Passtölt ist als Gangart bei allen Pferden unerwünscht und fehlerhaft. Die Rasse der Islandpferde zeigt den Pass als Rennpass in einem Zweitakt mit Schwebephase.
  • Der Foxtrott ist eine Besonderheit des Missouri Foxtrotters, der vorne schreitet und hinten trabt.

Zu den Reitarten im Pferdesport gehört für Gangpferderassen die Gangprüfung, in der das rassetypische Bewegungspotenzial abgerufen und bewertet wird.

Reitarten im Pferdesport: Das Kunstreiten

1920 gehörte das Kunstreiten noch zu den olympischen Disziplinen im Reitsport. Das moderne Kunstreiten spielt im turniermäßigen Pferdesport keine Rolle mehr, es handelt sich um eine der Reitarten, die entweder hobbymäßig oder professionell betrieben werden. Wettbewerbe und Prüfungen gibt es nicht. Das moderne Kunstreiten ging aus dem Pferdesport Voltigieren hervor. Doch während Voltigierer allein oder zu mehreren auf dem Rücken des an der Longe laufenden Pferdes turnen, zeigen Kunstreiter ihre Darbietung auf dem selbst gerittenen Pferd. Wenn Kunstreiten kein reines Hobby ist, zeigen die Reiter ihr Können in Shows, beim Film oder in Fernsehproduktionen: Auftritte sind unter anderem hier üblich:

  • Zirkus
  • Pferdeshows (Apassionata, Cavalluna, Mondwind etc.)
  • Festspiele (etwa Karl-May-Festspiele in Elspe oder Bad Segeberg)
  • Stunt-Reiterei bei Film- und Fernsehaufnahmen

Einige der deutschen Landgestüte zeigen auf den jährlichen Hengstparaden Elemente aus dem Kunstreiten wie die ungarische Post, bei der der „Reiter“ auf dem Rücken zweier nebeneinander galoppierender Pferde steht. Hier dient das Kunstreiten nicht nur dazu, das Publikum zu unterhalten, es sollen auch das umgängliche Wesen und die Leistungsbereitschaft der Deckhengste demonstriert werden.

Reitarten im Pferdesport: Große Vielfalt

Pferdesport bietet erheblich mehr Möglichkeiten als Springen, Dressur oder Gelände. Neben den vorgestellten Reitarten gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, mit einem vierbeinigen Sportpartner die Freizeit zu gestalten und sich auf Wunsch auch in Wettbewerben zu messen und sich in Prüfungen dem Urteil von Richtern zu stellen. Unter anderem steht Folgendes zur Wahl:

  • Distanzreiten: Hier versuchen Reiter und Pferd, Strecken zwischen 25 und 160 Kilometern Länge möglichst schnell zu bewältigen.
  • Reining: Die „Dressur“ der Westernreiter beeindruckt mit spektakulären Aktionen wie dem Spin (schnelles Drehen auf der Stelle) oder dem Sliding Stop (Abbremsen aus vollem Tempo bei unter dem Körper gleitenden Hinterbeinen).
  • Vielseitigkeit: Hier zeigen die Teams aus Pferd und Mensch ihr Können im Dressurviereck, auf einer Geländestrecke mit Naturhindernissen und im abschließenden Springparcours.
  • Gelassenheitsprüfung: Die geführten oder gerittenen Pferde demonstrieren in einem Aufgabenparcours, dass sie sich nicht leicht beeindrucken lassen.
  • Caprilli-Test: In dieser Prüfung beweisen die Teilnehmer, dass sie die Grundlagen in Dressur und Springen beherrschen.

Es gibt noch viele weitere Reitarten und Wettbewerbe im Pferdesport. Insbesondere aus anderen Ländern kommen immer neue Impulse.