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Eine regelmäßige Zahnkontrolle ist wichtig für Pferde (Symbolbild)

Jährlich essenziell

Pferdezähne: So erkennen Sie mit einer Zahnkontrolle sofort Probleme

Der jährliche Zahnarzttermin ist wichtig für gesunde Pferdezähne. Bei der Kontrolle werden Unregelmäßigkeiten entdeckt, bevor Probleme entstehen.

Parkstetten – Erst in den letzten Jahrzehnten ist die Bedeutung der sorgfältigen medizinischen Betreuung von Pferdezähnen in den Fokus gerückt. Verbände wie die „Internationale Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne“ betonen, wie wichtig regelmäßige Kontrolle und sachgemäße Pflege wirklich sind.

Pferdezähne: So erkennen Sie mit einer Zahnkontrolle sofort Probleme

Das Gebiss der Pferde ist typisch für Pflanzenfresser, mit großen Backenzähnen und kräftigen Schneidezähnen zum Beißen und Knabbern. Die Zähne wachsen etwa bis zum sechsten Lebensjahr. Danach schieben sie sich Jahr für Jahr um ein bis drei Millimeter aus dem Zahnfach, um so die andauernde Abnutzung abzudecken. Die Pferdezähne unserer domestizierten, mit weichem Gras und Heu ernährten Pferde haben aber eine viel geringere Belastung, als von der Natur vorgesehen. Sie nutzen sich zu wenig ab. Stattdessen bilden sich durch das beständige Herausschieben aus den Zahnfächern Haken, die seitlich in die Mundschleimhaut eindringen und dort Entzündungen verursachen. Bei älteren Pferden kann das stetige Herausschieben außerdem zu vergrößerten Zahnzwischenräumen führen. Futter setzt sich fest und schädigt Zahnhälse und Zahnfleisch durch Entzündungen.

Pferdezähne: Wie häufig sollte die Kontrolle erfolgen?

Die Häufigkeit der Kontrollbesuche durch einen Tierarzt, Pferdezahnarzt oder Dentalpraktiker für Pferde hängt vom Alter des Tieres und den Voraussetzungen ab. Die Experten empfehlen folgende Zeiträume für die Kontrollen:

  • einmal pro Jahr für Pferde mit normalen Zähnen ohne bekannte Zahnprobleme
  • zweimal jährlich für Pferde mit starker Hakenbildung oder Pferde mit chronischen Zahnerkrankungen
  • bei Problemen beim Fressen wie Röllchen Kauen oder bei Gewichtsverlust
  • vor dem ersten Einsatz eines Gebisses im Rahmen des Einreitens oder Einfahrens
  • im Zuge des Zahnwechsels bei jungen Pferden mindestens einmal, besser zweimal pro Jahr

Zusätzliche Termine beim Zahnarzt sind notwendig, wenn das Pferd Anzeichen für Probleme zeigt:

  • Verweigerung des Gebisses
  • Abwehrverhalten beim Reiten
  • Probleme beim Kauen, geäußert durch sehr langsames Fressen
  • Stehenlassen von Kraftfutter
  • „Röllchen kauen“

Beim „Röllchen kauen“ nimmt das Pferd ein Maul voll Heu auf und kaut eine Weile darauf herum. Statt zu schlucken, lässt der Vierbeiner dann Röllchen aus dem Maul fallen.

Pferdezähne: Muss man sie putzen? Pflege im Alltag

Mit der Zahnbürste ins Pferdemaul – eine lustige Vorstellung und so natürlich nicht umsetzbar. Das Putzen der Pferdezähne ist nicht üblich. Reinigen lassen sich die großen Beißer aber dennoch. Zum einen kommen dafür Zweige und Äste zum Einsatz. Durch das Knabbern und Kauen von besonders festen Strukturen werden die Zähne gereinigt und besser abgenutzt. Bei älteren Pferden kann der Pferdezahnarzt zum anderen ein- bis zweimal pro Jahr die Zahnzwischenräume reinigen. Das ist wichtig, um dort festsitzendes Futter zu entfernen, damit sich keine Entzündungen des Zahnfleischs entwickeln.

Pferdezähne mit Haken: Schleifen meist regelmäßig notwendig

Im Rahmen des jährlichen Zahnarzttermins müssen in den meisten Fällen Haken abgeschliffen werden. Diese bilden sich an den Rändern der Zähne. Sie können messerscharfe Kanten entwickeln, die nach außen ins Zahnfleisch oder nach innen in der Zunge drücken oder gar schneiden. Viele Pferde haben dauerhaft Verletzungen in diesem Bereich, wenn das Schleifen der Haken nicht regelmäßig erfolgt.

Das Hakenschleifen muss von einem spezialisierten Tierarzt, Pferdezahnarzt oder Dentalpraktiker durchgeführt werden. Es kann per Hand oder maschinell erfolgen. Das Pferd trägt meist eine Maulsperre, um den Zugang zu den Backenzähnen zu erleichtern. Viele Behandler empfehlen, das Pferd während der Kontrolle und Bearbeitung zu sedieren. Das ist nicht nur sicherer für Pferd und Mensch, sondern erlaubt auch einen besseren Einblick und die punktgenaue Bearbeitung aller Zähne.