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Der Traum vom eigenen Fohlen ist meist mit erheblichem finanziellem Einsatz verbunden. (Symbolbild)

Planung, Verfahren, Kosten

Pferdezucht: Die verschiedenen Zuchtverfahren und Kosten für ein eigenes Fohlen

Die moderne Pferdezucht bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Erfolg zu fördern. Infos rund um Möglichkeiten, Anforderungen und Gefahren.

Tarmstedt – Deutschlands älteste und größte landwirtschaftliche Regionalmesse präsentiert im Sommer regelmäßig Stuten und ihren aktuellen Nachwuchs. Nicht immer entstammen die quirligen Fohlen einer professionellen Zucht. Immer häufiger erblicken die kleinen Hannoveraner, Trakehner, Shetland-Ponys & Co. das Licht der Welt auf einem privaten Hof. Ausreichende Sachkenntnis – nicht zuletzt in Bezug auf gesetzliche Vorgaben – ist ein wichtiges Standbein, um die Pferdezucht erfolgreich zu betreiben. Apropos Standbein: Die häufigsten Gründe dafür, Pferde zu züchten, sind wirtschaftliche Aspekte. Denn Verkaufspferde aus eigener Zucht stellen eine entscheidende Einnahmequelle für Zuchtbetriebe dar.

Pferdezucht: Bewährte Zuchtverfahren

Längst überlässt es kein Züchter mehr dem reinen Zufall, wenn es um das Wohl und Weh von Stute und Nachwuchs geht. Zu viel steht auf dem Spiel bei der Pferdezucht – Tierwohl wie finanzielle Aspekte gleichermaßen. Grundsätzlich unterscheiden sich die Zuchtverfahren in der Methode.

  • Die freie Herdenhaltung lässt auch Mutter Natur freie Hand. Ohne Einwirkung menschlicher Zielvorgaben pflanzen sich die Tiere fort. Der sogenannte Natursprung kommt auch gezielt unter menschlicher Aufsicht als Zuchtverfahren zum Einsatz.
  • Neben der Naturvariante des Aufspringens des Hengstes auf die Stute steht die künstliche Befruchtung im Vordergrund. Dies erspart Transport der Tiere und den eventuell mehrfachen Deckvorgang, der unter anderem ein Verletzungsrisiko birgt.
  • Der Embryotransfer gleicht dem Vorgang der menschlichen Leihmutterschaft und ermöglicht die Zucht mit Stuten, denen man aus Alters- oder Gesundheitsgründen keine risikofreie Trächtigkeit zumuten möchte.
  • Längst macht es die Wissenschaft möglich, sogar das Geschlecht des zukünftigen Pferdes im Vorfeld zu bestimmen. Weniger genau lässt sich der beste Zeitpunkt für die künstliche Besamung bestimmen. Hier bietet die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich Kapseln mit lebenden Hengstspermien an, die der Stute in den Uterus eingepflanzt werden und die sich durch das Evulationshormon auflösen.
  • Wissenschaftler in den USA bieten seit 2006 die Möglichkeit des Klonens für Pferde an. Auch in diesem Fall kommt eine tierische Leihmutter zum Einsatz.

Moderne Zuchtmethoden berücksichtigen und unterstützen die Natur der Tiere. Dazu gehören die Beachtung der Zyklen der Stute, hormonelles Management, Besamung oder Deckakt sowie die regelmäßige Überwachung von Trächtigkeit und Geburtsvorgang.

Übrigens: Normalerweise erfolgt die künstliche Besamung direkt in den Uterus. Bei wenig vorhandenen oder tiefgefrorenen Spermien wird der Tierarzt diese direkt in den Eileiter der Stute einbringen.

Pferdezucht: Kosten rund um das Pferdezüchten

Der Traum vom eigenen Fohlen ist außer mit großer Verantwortung meist mit erheblichem finanziellem Einsatz verbunden. Wenn es um das Pferdezüchten geht, schlägt neben dem vergleichsweise geringen Einsatz von rund 100 Euro als Mitgliedsbeitrag im Zuchtverband je nach Qualität und Häufigkeit der Besamung ein mittlerer dreistelliger Eurobetrag für den Hengstsamen zu Buche. Selten klappt die Befruchtung bei der Pferdezucht mit einem Einsatz. Der Natursprung macht die Fahrt zum Hengststandort plus eventueller Nebenkosten notwendig. Die Vorbereitung der Stute über mehrere Tage umfasst beispielsweise Follikelbestimmung und Ultraschall und kann mit 700 bis 1.000 Euro (je nach Umfang) veranschlagt werden. Gemeinsam mit notwendigen Impfungen gegen die Gefahr des Abortes durch Bakterien oder Viren während der Trächtigkeit, Kontrollterminen durch den Veterinär sowie hochwertigem Zuchtfutter kommen für Deckakt und Trächtigkeitszeit rund 2.000 Euro zusammen. Dazu addieren sich Kosten für die Geburtsüberwachung durch den Tierarzt, Fohlen-Check sowie Behandlungen bei eventuellen Komplikationen wie Fehlgeburt oder embryonalem Fruchttod.

Eine Beispiel-Aufstellung im Überblick:

  • Eintrag und Mitgliedschaft im Zuchtverband:
  • ·        rund 100 Euro
  • Deckung durch einen Hengst je nach Qualifikation:
  • ·        ab 25 Euro
  • ·        Samenübertragung etwa 150 Euro
  • oder alternativ Samenspende je nach Qualität:
  • ·        etwa 400 Euro, nach oben offen
  • ·        meist mehrfach benötigt bis zur Deckung
  • Kosten zur Vorbereitung der Stute zur Besamung und Unterbringung beim Tierarzt:
  • ·        knapp 1.000 Euro
  • Kontrolltermine:
  • ·        etwa 100 Euro
  • Spezialfutter in den letzten drei Tragemonaten:
  • ·        etwa 120 Euro

Alle Zahlen und Angaben sind exemplarisch und können im tatsächlichen Fall nach oben und unten abweichen. Zumeist muss der Deckvorgang mehrfach wiederholt werden, was die Kosten nach oben treibt. So lag eine Samengabe des legendären Dressurpferds Totilas anfänglich bei stolzen 8.000 Euro, ohne Garantie darauf, dass der Nachwuchs die Qualitäten des Vaters erbt.

Pferdezucht: Benötigte Kenntnisse, fachliche Hilfe und mögliche Probleme

Die Zucht von Pferden ist kein Selbstläufer. Vieles muss bedacht werden und bedarf gewisser Erfahrung und Kenntnis rund um das Tier. Daher sind Fachleute wie der Tierarzt sinnvollerweise mit an Bord, denn es kann einiges schief gehen. Fehllage des Fohlens, Schwäche der Stute bei der Geburt, Loslösen der Plazenta, Reißen der Nabelschnur – das alles ist zwar die Ausnahme, aber nicht ungewöhnlich. Der Verlust der Stute und des Fohlens wäre das schlimmste Szenario.

Dies sind die empfohlenen Schritte in Bezug auf gesetzliche und fachliche Vorgaben:

  • Mitgliedschaft in einem Zuchtverband
  • Equidenpass beantragen
  • Eintrag der Zuchtstute in ein Zuchtbuch
  • Formulare organisieren wie Deck- bzw. Besamungsschein, eventuelle Abfohlmeldung, Zuchtbescheinigung, Equidenpass oder grüner Pass und Abstammungsnachweis

Leider ist selbst die beste Vorbereitung zur Pferdezucht keine Garantie für eine Trächtigkeit und Geburt ohne Komplikationen. Eine Zuchttauglichkeitsuntersuchung bringt im Vorfeld einiges an Sicherheit, jedoch nie zu 100 Prozent. So erleben viele Pferdebesitzer einen Abort des Tierembryos beziehungsweise eine Totgeburt des Fohlens. Häufigste Ursache sind ein Mangel des Trächtigkeitshormons Progesteron oder eine Infektion durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten. Gegen die gefürchteten Herpes-Viren stehen hochwirksame Impfmittel bereit, die bereits vor der Besamung regelmäßig durchgeführt werden sollten.

Pferdezucht: Beliebte Rassen, Neuzüchtungen & Co

Mit dem Eingriff des Menschen in die gezielte Fortpflanzung entstanden die unterschiedlichen Pferderassen. Aufgrund ihrer individuellen Eigenschaften unterstützen die Tiere den Menschen in Arbeit und Freizeit. Die Pferdezucht bedeutet den elementaren Eingriff in die natürliche Evolution. Ein guter Grund mehr, sorgsam und vorausschauend heranzugehen. Heute finden sich bereits über 540 Rassen in unterschiedlichster Statur, Größe und Temperament. Deutschland ist weltweit bekannt für seine erfolgreiche Warmblutzucht. Einige bekannte und weniger bekannte Züchtungen nach den Bereichen des Einsatzes sind die folgenden:

  • Vollblut:
  • ·        Schnelligkeit, Ausdauer, Leistungsbereitschaft
  • ·        beispielsweise für Pferderennen
  • ·        Anglo-Araber, Englisches Vollblut, Achal-Tekkiner
  • Warmblut:
  • ·        vereinen Merkmale von Voll- und Kaltblut
  • ·        kompakter als das Vollblut und sportlicher sowie leichter als das Kaltblut
  • ·        Einsatz im Dressur- und Springsport oder als Freizeitpferd
  • ·        Hannoveraner, Holsteiner, Oldenburger
  • Kaltblut:
  • ·        massive, schwere und starke Pferde
  • ·        gutmütig und sanft, arbeitswillig und menschenfreundlich
  • ·        Einsatz in der Forst- und Landwirtschaft, aber auch als Freizeitpferd
  • ·        Shire Horse, Tinker, Schwarzwälder Fuchs

Pferdezucht: Fachbegriffe und ihre Bedeutung

Bei der ersten Information rund um das Thema Pferdezüchten treffen Interessierte auf zahlreiche Fachbegriffe. Einige Erklärungen zu Fachbegriffen aus der Pferdezucht:

  • Equidenpass: Dokument zur Identifizierung eines Pferdes, das in einem Zuchtverband registriert ist
  • Grüner Pass: Identitäts-Dokument für nicht in einem Zuchtverband registrierte Pferde
  • Exterieur: äußeres Erscheinungsbild des Tieres, auch Phänotyp genannt
  • Interieur: innere Eigenschaften des Pferdes wie Temperament und Gehorsam
  • Körung: Gesamtbeurteilung eines Hengstes entsprechend den Vorgaben des Zuchtverbandes zu Zuchttauglichkeit, Gesundheit und äußeren Merkmalen wie Bewegungsablauf
  • Lebensnummer (UELN): eine Art unverwechselbare ID-Nummer, die ein Fohlen bei seiner Registrierung erhält; beinhaltet beispielsweise Zuchtverbandskennung, Brennnummer und Geburtsjahr
  • Stutbuchaufnahme: erfolgt bei der Geburt einer Stute oder mit ihrem ersten Fohlen; beinhaltet unter anderem die angewandte Zuchtmethode, äußere Merkmale und Abstammung
  • Zuchtstutenprüfung (ZSP): Leistungsprüfung einer Stute zur Zuchtwerteinschätzung und phänotypischen Bewertung
  • Zuchtverbandsordnung (ZVO): Verbandsordnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), beinhaltet neben weiteren Vorgaben alles rund um Zuchtprogramme, Zuchtbücher und Zuchtbescheinigungen; unterliegt den EU-Bestimmungen bezüglich der Tierschutzgesetze

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung, der Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, bietet Anfängern viele Informationen, Hilfs- und Beratungsangebote für einen guten Start in die Zucht.