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Von der Polysaccharid-Speicherkrankheit sind bestimmte Rassen häufig betroffen, darunter viele Kaltblutrassen. (Symbolbild)

Muskuläre Stoffwechselkrankheit

PSSM beim Pferd: Wie sich die Krankheit äußert und was Sie füttern sollten

Die Polysaccharid-Speicherkrankheit (PSSM) ist eine schwerwiegende, erblich bedingte Muskelerkrankung. Die richtige Haltung und Fütterung sind Teil der Behandlung.

Frankfurt am Main – Seit Wissenschaft und Forschung der Polysaccharid-Speicherkrankheit beim Pferd auf den Grund gekommen sind, haben Tierärzte endlich eine Erklärung für diffuse und belastende Symptome. Die Muskelerkrankung PSSM ist oft nicht leicht zu diagnostizieren und erfordert Maßnahmen bei Haltung und Fütterung, wie der „Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.“ mitteilt.

Polysaccharid-Speicherkrankheit beim Pferd: Ursachen der Erkrankung

Hinter der Bezeichnung „PSSM“ verbirgt sich die Polysaccharid-Speicherkrankheit beim Pferd. PSSM steht für „Polysaccharid Speicher Myopathie“. Dabei handelt es sich um eine erblich bedingte, genetische Erkrankung des Stoffwechsels. Betroffene Pferde können Polysaccharide – große Zuckermoleküle – nicht richtig im Körper nutzen. Stattdessen werden diese in der Muskulatur des Pferdes gespeichert. Insbesondere die Typ-2-Muskelfasern, die kraftvoll und schnell arbeiten, dienen als Speichermedium, ohne dafür geeignet zu sein. Der eingelagerte Zucker stört nicht nur die nervliche Erregungsweiterleitung, sondern auch den Zellstoffwechsel der Muskeln. Muskelzellen sterben ab, was zu Schmerzen und der Freisetzung des roten Muskelfarbstoffs Myoglobin führt.

Besonders häufig betroffen sind Pferderassen wie Quarter und Paint Horses, Cobs, viele Kaltblutrassen, Haflinger und Freiberger. Es gibt genetische Tests, um einige Formen von PSSM zu erkennen. Mithilfe von Gewebeproben aus der Muskulatur lässt sich die Erkrankung sicher nachweisen. In diesem Fall sollte die vorbeugende Behandlung schon beginnen, bevor die ersten Anfälle auftreten.

Polysaccharid-Speicherkrankheit: Pferde mit unterschiedlichen Symptomen

Die Symptome zeigen sich vor allem dann, wenn die Muskeln arbeiten müssen. Die unter Begriffen wie Kreuzverschlag oder Feiertagskrankheit bekannte belastungsinduzierte Myopathie zeigt sich meist zuerst etwa eine Viertelstunde nach der Belastung durch folgende Symptome:

  • Bewegungsunlust bis Apathie
  • Schmerzgesicht
  • nach oben aufgekrümmter Rücken
  • steife Hinterhand
  • leichte Kolik

Ist PSSM bereits fortgeschritten, so treten die Symptome schon während der Belastung auf. Je früher sie sich zeigen, desto weiter ist die Polysaccharid-Speicherkrankheit fortgeschritten:

  • versteifter Gang
  • feste Muskulatur an Kruppe und Hinterhand
  • starkes Schwitzen
  • Zittern

Im Folgenden kann es zu einer erhöhten Körpertemperatur, einer Dunkelfärbung des Urins und zu Kreislaufschwäche kommen.

Polysaccharid-Speicherkrankheit PSSM bei Pferden: Spätfolgen drohen

PSSM ist nicht heilbar, sie bedarf eines umfangreichen Managements im Alltag. Betroffene Pferde können nicht normal gearbeitet werden, sondern nur im Rahmen dessen, wie ihre Krankheit es zulässt. Bei schweren Anfällen kann diese Stoffwechselerkrankung lebensbedrohlich sein. Die Muskulatur kann sich zwar regenerieren, wird aber mit jedem Anfall ein wenig mehr geschädigt. Es ist wichtig, mögliche Spätfolgen im Blick zu behalten.

Pferde mit Polysaccharid-Speicherkrankheit: Behandlung durch Umstellung

Weil es keine medikamentöse Behandlung der Krankheitsursache gibt, zielt die gesamte Behandlung auf die richtige Haltung und Fütterung ab.

Die Haltung sollte dem Pferd erlauben, sich selbstständig zu bewegen, ohne es zu überlasten. Aufgrund der empfindlichen Muskulatur ist es wichtig, dem Pferd genügend Rückzugsraum zu geben. Stress durch andere Pferde, Kampf ums Futter oder erzwungene Bewegung können die Erkrankung verstärken. Rücken und Kruppe profitieren von Wärme und Schutz vor Feuchtigkeit, weshalb im Winter eine hochwertige Outdoor-Decke empfehlenswert ist.

Polysaccharid-Speicherkrankheit beim Pferd: Passende Fütterung

Entscheidend für den richtigen Umgang mit der Polysaccharid-Speicherkrankheit beim Pferd ist die Anpassung der Fütterung. Stärke- und zuckerreiche Futtermittel sind Gift für betroffene oder erblich vorbelastete Pferde. Getreide und melassierte Produkte gehören nicht auf den Speiseplan. Im besten Fall reicht der Zugang zu ausreichend hochwertigem Heu. Es sollte spät im Jahr geschnitten und sehr langstielig sein. Hat das Pferd einen erhöhten Energiebedarf, der durch Raufutter nicht zu decken ist, so sind Futtermittel wie Öle oder Reiskleie eine wertvolle und zuckerarme Ergänzung.