Schwere Frage

Reitergewicht: Das kann ein Pferd wirklich tragen

  • schließen

Über das maximale Reitergewicht wird immer wieder stark diskutiert. Welches Gewicht ein Pferd jedoch tragen kann, hängt von vielen Faktoren ab.

München – Pferde müssen im wahrsten Sinne des Wortes schon so einige Kilos mit sich herumschleppen. Schließlich bringen sie selber um die 600 Kilogramm auf die Waage. Und schwingt sich der Reiter noch in den Sattel, kommen nochmal ein paar Kilos hinzu – bei dem einen Reiter mehr und bei dem anderen weniger. Nur, wann ist ein Reiter zu schwer für sein Pferd? Wann belastet er es zu sehr und wovon ist die maximale Tragkraft eines Pferdes eigentlich abhängig?

Die Tragkraft eines Pferdes ist höchst individuell und hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Eine klare Grenze gibt es deswegen auch nicht. Dafür aber Richtwerte und Anhaltspunkte. Oberstes Gebot: Um dem Pferd nicht zu schaden, müssen das Gewicht des Reiters und die Tragkraft des Pferdes aufeinander abgestimmt sein.

Reitergewicht: Das kann ein Pferd wirklich tragen

Der erste Anhaltspunkt, um die zumutbare Gewichtsbelastung eines Pferdes einzuschätzen, ist der prozentuale Anteil des Reitergewichts im Verhältnis zum Körpergewicht des Pferdes. Unter optimalen Bedingungen gilt: Ein Reitergewicht, welches 20 Prozent des Körpergewichts des Pferdes entspricht, ist für das Pferd vertretbar. Unter weniger guten Voraussetzungen kann dieser Richtwert aber auch deutlich zu viel für den Vierbeiner sein. Schlechte Voraussetzungen sind zum Beispiel, wenn das Pferd nicht genügend Muskeln und Kondition hat oder aber der Reiter zu groß ist oder sein reiterliches Können noch nicht ausgereift ist. Wer zu viel wiegt, darf auf diesem Reiterhof nicht mehr aufs Pferd.

Sue Dyson fand in einer Studie heraus, dass das optimale Reitergewicht inklusive Ausrüstung etwa zehn Prozent des Pferdegewichts beträgt. Mit Sattel ist diese Grenze schnell erreicht, jedoch konnten die getesteten Pferde 15 bis 18 Prozent oft noch verkraften. Bei 20 Prozent allerdings zeigten sich in dem Versuch erste körperliche Schäden: Die Pferde unter den Reitern, die die 20 Prozent des Pferdegewichts überschritten hatten, lahmten

Wie viel Gewicht ein Pferd tragen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Auch von dem Trainingszustand. (Symbolbild)

Reitergewicht: Faktoren, die die Tragkraft des Pferdes beeinflussen

Größe, Exterieur und Trainingszustand des Pferdes sind mitbestimmend, wenn es darum geht, die Tragkraft abzuschätzen. Kräftige, gedrungene Pferde können mehr Gewicht tragen als hochbeinige, schmale Pferde. Belastbarer sind auch Pferde mit weit ausladender, gut bemuskelter Lendenpartie und stabilem Fundament. Auf diesem Pferd reitet eine Ziege und macht es sich auch noch auf dem Pferderücken bequem.

Ob ein Pferd ein tragfähiges Fundament hat, lässt sich anhand des Röhrbeinumfangs erkennen. Der Umfang wird an der schmalsten Stelle des Röhrbeins gemessen. Den Umfang in Zentimetern mit 100 multiplizieren und durch das Körpergewicht in Kilogramm teilen. Je höher der Wert, desto belastbarer ist das Tier. Wie so oft sollte aber auch hier das ganze Pferd betrachtet werden. Denn Exterieurmängel können die Tragkraft einschränken.

Reitergewicht: Ein guter Reiter belastet den Rücken des Pferdes weniger

Doch auch die Konstitution und Kondition des Pferdes sind entscheidend. Unter- oder übergewichtige sowie schlecht bemuskelte Vierbeiner können weniger Gewicht tragen. Durch entsprechendes Training kann die Tragkraft der Tiere aber verbessert und unterstützt werden. Junge Pferde können meist noch nicht so stark belastet werden, weil ihnen die nötige Muskulatur dafür fehlt. Genau so ist es oft auch bei alten Pferden, die aufgrund der fehlenden Muskulatur nicht mehr so stark belastet werden können. Das Forschungsprojekt „HorseWatch“ untersucht den Ausbildungsbeginn junger Pferde.

Ausschlaggebend, ob ein Reiter mit seinem Gewicht dem Pferd schadet, sind aber auch seine eigenen reiterlichen Fähigkeiten. Denn ein gut ausgebildeter, ausbalanciert und geschmeidig sitzender Reiter belastet den Pferderücken stets weniger als ein Reitanfänger* – durchaus, auch wenn dieser leichter sein sollte. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Galoppfoto/Imago