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Therapeutisches Reiten: Besonders beliebt in der Psychotherapie

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Therapeutisches Reiten kann psychologische Erfolge für Patienten haben (Symbolbild)
Therapeutisches Reiten kann psychologische Erfolge für Patienten haben (Symbolbild) © Pedro Merino/IMAGO

In Deutschland wurde der Versuch des therapeutischen Reitens im Jahre 1953 von dem Arzt Max Reichenbach erstmals systematisch angewandt. Seither wird es in vielerlei Bereichen erfolgreich eingesetzt.

Therapeutisches Reiten: Psychologische Erfolge für Patienten im Kinder- und Erwachsenenalter

Wien – Die Geschichte des therapeutischen Reitens ist alt. Hatte bereits der griechische Arzt und Lehrer Hippokrates von Kos eine heilende Wirkung des Reitens beschrieben, wies im Jahr 1835 Leopold Fleckles, Doktor der Heilkunde und Mitglied der Fakultät Wien, auf die positiven Auswirkungen therapeutischen Reitens in Bezug auf die Heilung von Lungenkrankheiten hin. Pferde haben die Kompetenz, selbst die kleinsten Körpersignale des Menschen wahrzunehmen und sie in ihrem Verhalten widerzuspiegeln. Dabei reagieren die Tiere auch auf äußerlich unsichtbare Spannungen des menschlichen Körpers. Im Rahmen des wiederholten Umgangs mit dem Partner Pferd finden vor allem die folgenden psychologischen Prozesse bei den menschlichen Patienten statt:

Neben Kindern profitieren auch Erwachsene von pferdegestützter Reittherapie. Unter anderem kommt sie bei diesen psychologischen Krankheiten, Verhaltensstörungen oder persönlichen Problemzuständen zum Einsatz:

In Bezug auf Burn-out-Symptome zeigt das therapeutische Reiten ebenfalls Wirkung. Der Mensch lernt in der Arbeit mit den Tieren und beim Pferde-Training viel über Geduld und das bewusste Loslassen von Stress, Ängsten und Erwartungsdruck. Auch das Leben im „Hier und Jetzt“ wird bewusst wahrgenommen.

Therapeutisches Reiten bei ADHS

Therapeutischer Reitunterricht wurde im Laufe der letzten Jahre vor allem bei ADS- beziehungsweise ADHS-Patienten erfolgreich eingesetzt. Der Reitunterricht findet hierbei in der Regel zunächst in Form von Einzelstunden statt, mit erhöhten Reitkenntnissen wird dann auf Gruppenunterricht gewechselt. Insbesondere Kinder, jedoch auch Erwachsene, zeigen einen starken Willen zur bewussten Interaktion mit dem Pferd. Oft weisen die Patienten in erstaunlich kurzer Zeit wachsende Fähigkeiten innerhalb der folgenden Aspekte auf:

Die genannten Fähigkeiten zu lernen, ist im Umgang mit dem Pferd unerlässlich, um Erfolge im Hinblick auf eine intensive Bindung mit dem Tier erfahren zu können. Durch das Erleben der gemeinsamen Bewegungen beim Reiten wird der Lernprozess verstärkt. Die schnelleren Gangarten der Pferde wie Trab oder Galopp befriedigen zugleich den starken Bewegungsdrang der ADS- beziehungsweise ADHS-Patienten. Wenn auf Reitunterricht in der Gruppe übergegangen wird, sind häufig ein starker Teamgeist und ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Teilnehmern zu beobachten. Es entsteht dabei der Wunsch, sich anderen mitzuteilen, die gemeinsamen Fortschritte zu feiern oder andere selbstbewusst zu motivieren.

Therapeutisches Reiten: Kosten und Voraussetzungen für die Kostenübernahme

Die Kosten für eine therapeutische Reitstunde liegen bei durchschnittlich 40 bis 70 Euro. In den meisten Fällen müssen diese selbst getragen werden. Eine Kostenübernahme ist in Sonderfällen möglich. Der Antrag auf die Kostenübernahme kann an die folgenden Leistungsträger erfolgen:

Für eine mögliche Kostenübernahme über die Krankenkasse muss eine bestimmte Erkrankung oder eine Störung vorliegen und diese von einem Arzt nachgewiesen und attestiert werden. Gleichlautend muss die therapeutische Reittherapie als Heilmethode in einem entsprechenden Schreiben ausdrücklich von demselben Mediziner empfohlen werden. Auch das Sozialamt fordert ein ärztliches Attest. Das therapeutische Reiten wird hierbei dann als Erziehungsbeihilfe gewährt. Für das Jugendamt ist neben der Stellungnahme des Arztes die eines Therapeuten oder Pädagogen notwendig. Die Entscheidung über eine Kostenübernahme liegt letztendlich beim entsprechenden Leistungsträger selbst, rein rechtlich besteht keine Pflicht einer Bewilligung.

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