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Ritterpferde im Mittelalter: So groß waren sie wirklich, sagen Forscher

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Von: Sina Lück

In Filmen werden Ritterpferde oft als massive Schlachtrösser dargestellt. Doch eine neue Studie zeigt: Die Kampftiere des Mittelalters waren gar nicht so groß.

Exeter (England) – Groß, stark und imposant: Das sind die Eigenschaften, die Menschen normalerweise mit Ritterpferden im Mittelalter verbinden. Doch welche Merkmale hatten die Schlachtrösser wirklich? Das war das Ziel der Studie, in der ein Team aus Archäologen und Historikern der britischen Universität in Exeter zahlreiche Pferdeknochen unter die Lupe genommen hat – und dabei die bisherigen Darstellungen in Ritterfilmen und -geschichten von mächtigen Kriegspferden wie Shire Horses widerlegt.

Ritterpferde im Mittelalter: So groß waren sie wirklich, sagen Forscher

Für ihre Studie widmen sich die Forscher dem größten Datensatz englischer Pferdeknochen. Dabei handelt es sich um Funde von 171 archäologischen Stätten aus der Zeit zwischen 300 und 1.650 nach Christus. „Das Schlachtross ist von zentraler Bedeutung für unser Verständnis der mittelalterlichen englischen Gesellschaft und Kultur, sowohl als Statussymbol, das eng mit der Entwicklung aristokratischer Identität verbunden ist, als auch als Kriegswaffe für die Schlacht“, erklärt Studienleiter Professor Oliver Creighton den Hintergrund der wissenschaftlichen Arbeit, die nun im „International Journal of Osteoarchaeology“ veröffentlicht wurde.

Auf einem Mittelalterfestival galoppieren drei Stuntmänner mit ihren Pferden durchs Feuer. (Symbolbild)
Kleiner als gedacht: Ritterpferde im Mittelalter waren meist nicht größer als Ponys. (Symbolbild) © Ed Brown/Imago

Ritterpferde im Mittelalter: Die meisten Rösser waren nicht größer als Ponys

Die Ergebnisse der Knochenanalyse sind überraschend: Viele mittelalterliche Pferde waren offenbar nicht größer als ein Pony und haben im Durchschnitt kaum ein Stockmaß von mehr als 145 Zentimetern erreicht. Reittiere mit einer Größe von mehr als 1,50 Metern zählten daher zur absoluten Seltenheit und wurden von den Menschen im Mittelalter schon als sehr groß angesehen – selbst zu Hochzeiten der königlichen englischen Gestüte im 13. und 14. Jahrhundert.

Ein möglicher Grund: Die Kampfrösser wurden nicht nur rein auf ihre Größe gezüchtet. „Die Selektions- und Zuchtpraktiken in den königlichen Gestüten mögen sich ebenso auf das Temperament und die richtigen körperlichen Eigenschaften für die Kriegsführung konzentriert haben“, vermutet Professor Alan Outram, der ebenfalls an dem Forschungsprojekt beteiligt ist. Der Meinung ist auch Studienkollegin Helene Benkert: „Es ist viel wahrscheinlicher, dass zu verschiedenen Zeiten des Mittelalters auch unterschiedliche Pferdetypen als Reaktion auf sich ändernde Schlachtfeldtaktiken und kulturelle Vorlieben wünschenswert waren.“

Ritterpferde im Mittelalter: Erst später nahm die Widerristhöhe der Tiere zu

Im Hochmittelalter von 1.200 bis 1.350 nach Christus tauchten schließlich vereinzelt Pferde mit einer Widerristhöhe von 160 Zentimetern auf. Die durchschnittliche Körpergröße steigerte sich allerdings erst im nachmittelalterlichen Zeitraum von 1.500 bis 1.650 nach Christus kontinuierlich, bis sie sich schließlich den Größen moderner Warmblüter* und Zugpferden annäherte. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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