Forscher entwickeln Gesichtsskala

Sedierung beim Pferd: An diesen Merkmalen können Sie die Tiefe einschätzen

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Um die Tiefe einer Sedierung einzuschätzen, verlassen sich viele Pferdebesitzer auf ihr Gefühl. Aber es gibt klare Anzeichen, die genaue Hinweise geben.

São Paulo (Brasilien) – Die Mimik wird in der Veterinärmedizin häufig zur Bewertung von Schmerzen beim Pferd eingesetzt, denn unter verschiedenen Umständen können die Tiere ihren Gesichtsausdruck deutlich verändern. So auch unter Sedierung. Nur gibt es bislang keine aussagekräftigen Studien dazu, in welchem Stadium der Sedation welches Merkmal auftritt. Eine von Wissenschaftlern neu entwickelte Gesichtsskala soll nun Klarheit bringen.

Sedierung beim Pferd: An diesen Merkmalen können Sie die Tiefe einschätzen

Für ihre Studie untersucht die Forschergruppe um Alice Rodrigues de Oliveira von der São Paulo State University drei Wallache und vier Stuten. Die Sedativa verabreichen sie in unterschiedlichen Dosen und fotografieren die Tiere jeweils vor der Sedierung, währenddessen und danach. Anschließend werten die Wissenschaftler die Fotos aus und entwickeln daraus die Gesichtsskala „FaceSed“ als Standard zum Abschätzen der Sedierungstiefe bei Pferden. Als zuverlässige Indikatoren dienen die Haltung der Ober- und Unterlippen, die Stellung der Ohren und der Ausdruck der Augen.

Bei sedierten Pferden verändert sich der Gesichtsausdruck deutlich. (Symbolbild)

Sedierung beim Pferd: Haltung der Oberlippe und Unterlippe

Die Haltung der Lippen ist eines der Gesichtsmerkmale, welche Aufschluss über die Tiefe der Sedierung geben. Im wachen Zustand ist die Unterlippe beim Pferd entspannt und das Maul geschlossen. Bei einer leichten Sedierung werden sowohl Unterlippe als auch Oberlippe weicher, länger und hängen nach vorne-unten. Die Oberlippe hängt deutlich vor der Unterlippe und auch die Nüstern strecken sich und werden flacher. Ist das Pferd vollständig sediert, verlieren die Lippen ihre Spannung. Sie hängen nach unten und das Pferdemaul ist leicht geöffnet. Außerdem lässt das Pferd seinen Kopf hängen.

Sedierung beim Pferd: Haltung der Ohren

Auch die Ohren geben Aufschluss über den Grad der Sedation. Bei wachen Pferden sind sie in der Regel in ständiger Bewegung. Sobald das Pferd etwas hört, gehen die Ohren in die entsprechende Richtung. Ist das Pferd aber leicht sediert beginnen die Ohren nach außen abzukippen. Bei vollständiger Sedierung lässt das Pferd die Ohren noch mehr fallen und die Ohrenspitzen sind weit voneinander entfernt.

Sedierung beim Pferd: Ausdruck der Augen

Geöffnet und aufmerksam, wach und fokussiert. So sehen die Augen eines wachen Pferdes aus. Wird es allerdings leicht sediert, sind die Augen halb geschlossen. Das Pferd wirkt dösend und abwesend. Erhöht sich die Tiefe der Sedierung sind die Augen meist komplett geschlossen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Sorge/Imago