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Spanische Hofreitschule: Darum hagelt es miese Bewertungen für Lipizzaner-Gestüt

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Von: Sina Lück

Die Spanische Hofreitschule in Wien ist ein Wahrzeichen Österreichs. Doch jetzt hagelt es miese Bewertungen für das Traditionsgestüt.

Wien (Österreich) – Leichtfüßig tanzen die weißen Pferde in der barocken Reitbahn, klassische Musik unterstreicht ihre anmutigen Bewegungen: Das „Ballett der weißen Hengste“ gilt als das Aushängeschild der Spanischen Hofreitschule in Wien. Höhepunkt ist die Schulquadrille mit acht Lipizzanern, die Lektionen der „Hohen Schule“ aus der klassischen Reitkunst zeigen. In einem Bericht vom Rechnungshof Österreich hagelt es jetzt allerdings massive Kritik. Doch was steckt hinter der schlechten Bewertung des Traditionsgestüts?

Spanische Hofreitschule: Darum hagelt es miese Bewertungen für Lipizzaner-Gestüt

Finanzielle Probleme, zu wenig Auslauf und zu viele Auftritte für die Pferde: Das sind die Hauptkritikpunkte in dem Bericht, den der Rechnungshof Österreich über die Spanische Hofreitschule veröffentlicht. Auf 106 Seiten nimmt der Rechnungshof das Lipizzaner-Gestüt ordentlich in die Mangel. Der Zeitraum der Beanstandungen: 2014 bis 2019. Kritik üben die Prüfer vor allem an der Haltung der Pferde. Denn in der Stallburg fehlen Flächen zur freien Bewegung, da das Lipizzaner-Gestüt im Herzen von Wien liegt. Zusätzliche Auslaufmöglichkeiten, zum Beispiel im Trainingszentrum Heldenberg, sollen diesen Mangel ausgleichen. Nach der Auswertung vorhandener Aufzeichnungen ist für die Prüfer allerdings nicht ersichtlich, „ob die Hengste tatsächlich zumindest einmal täglich, entweder im Rahmen des Trainings oder in der Schrittmaschine, bewegt wurden“. (Polizei stoppt Pferde-Transport – das Ende einer Horrorfahrt)

Spanische Hofreitschule: Hengste zu häufig bei Vorführungen eingesetzt

Doch die Vorwürfe reißen nicht ab: Der Rechnungshof Österreich bemängelt auch die Einsatzfrequenz der Hengste, die sich negativ auf die Gesundheit der Pferde auswirkt. Grund dafür sei die wirtschaftliche Lage des Gestüts, die 2014 sogar beinahe zur Zahlungsunfähigkeit der Institution führt und „immer mehr Vorführungen erforderte“. In dem Bericht heißt es dazu: „Die Anzahl der Pferde, die für Vorführungen geeignet waren, blieb aber in den letzten Jahren nahezu unverändert. Dadurch bekamen Hengste vereinzelt nicht die entsprechende Zeit für eine Rekonvaleszenz. Auch waren Hengste in Vorführungen eingesetzt, deren körperliche Konstitution dies nicht zuließ.“ (Studie beweist: Haarwirbel bei Pferden geben Aufschluss über Charakter)

Acht weiße Hengste traben bei der Schulquadrille in der Bahn der Spanischen Hofreitschule in Wien.
Die Schulquadrille gehört zu den Höhepunkten der Vorführungen in der Spanischen Hofreitschule in Wien. © Blickwinkel/Imago

Aus Sicht der Prüfer verschärft das die finanzielle Situation des Gestüts nur noch mehr. Der Grund: höhere Ausgaben für eine tiermedizinische Betreuung und eine geringere Einsatzdauer der Pferde. Eine Entwicklung, die sich bereits abzeichnet. Denn im Jahr 2019 liegen die Kosten der veterinärmedizinischen Betreuung bei rund 321.000 Euro – und sind damit etwa doppelt so hoch wie zu Beginn der Auswertungen. Auch das Rentenalter der Pferde liegt zum Ende des überprüften Zeitraums mit 19 Jahren zwei Jahre unter dem Altersdurchschnitt von 2014. (Tierretterin kämpft um Pferdeleben – Videos rühren Netz zu Tränen)

Spanische Hofreitschule: Lipizzaner-Gestüt weist Vorwürfe klar zurück

Abschließend formuliert der Rechnungshof 42 Empfehlungen für das Landwirtschaftsministerium und die Spanische Hofreitschule. Unter anderem sollen die Haltungsbedingungen der Pferde „durch Bewegungsmöglichkeiten auch am Nachmittag in der Schrittmaschine verbessert“ oder „der Trainingsplan an geltende pferdesportmedizinische Standards angepasst werden“.

In einem öffentlichen Statement weist die Spanische Hofreitschule die Vorwürfe klar zurück: „Sonja Klima hat ab der Übernahme der Geschäftsführung März 2019 viele Aktivitäten, was das Wohl der Lipizzaner betrifft, bereits vor Erscheinung des Berichts, initiiert.“ Fester Bestandteil der Schulhengste in der Stallburg sei beispielsweise ein Trainingsprogramm mit ihren Bereitern, das von 7 bis 12.30 Uhr geht. Auch die Bewegung „in der großen Winterreithalle oder in der Sommerreitbahn bis ca. 13 Uhr“ gehört dazu. Außer montags und an Vorführungstagen geht es für die Pferde bei trockener Witterung außerdem auf einen 30-minütigen Ausritt* in den Burggarten. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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