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Sprachkurs Pferd: Das bedeuten Schnauben, Wiehern und Quietschen

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Wieherndes Pferd mit anderen auf der Koppel. (Symbolbild)
Pferde nutzen eine Körpersprache und verschiedene Laute, um ihr Befinden auszudrücken. (Symbolbild) © Galoppfoto/Imago

Pferde kommunizieren in ihrer eigenen Sprache. Dazu nutzen sie sowohl ihren Körper als auch bestimmte Laute. Je nach Situation klingen diese ganz verschieden.

Nur-Sultan – Nordwestlich der Hauptstadt Kasachstans liegt das Dorf Botai. Hier finden sich die frühesten Belege für domestizierte Pferde und damit wohl auch für eine beginnende Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Pferde nutzen eine Körpersprache sowie verschiedene Laute, um ihr Befinden auszudrücken.

Die Sprache der Pferde: Wie funktioniert sie?

Pferde bedienen sich verschiedener Kommunikationswege, um mit ihren Artgenossen und den Menschen in Kontakt zu treten und sich mitzuteilen. Dazu gehören vor allem:

Zur Körpersprache zählen zum Beispiel die Mimik, die Körperspannung des Tieres, die Haltung und die Bewegungen. Berührungen umfassen ein Spektrum von Stupsen, Anschmiegen, Kraulen, aber auch Treten, Beißen und Schubsen. Außerdem senden sie Pheromone aus beziehungsweise nehmen diese Düfte wahr. Die Kommunikation über Laute erfolgt im Vergleich zur Körpersprache eher selten, doch trotzdem gibt es hier ganz unterschiedliche Geräusche, deren Details eine große Menge an Befindlichkeiten ausdrücken.

Die Sprache der Pferde: Wiehern

Das Wiehern ist das mit Pferden am meisten in Verbindung gebrachte Geräusch, doch es kommt gar nicht so oft vor. Die Herdentiere nutzen es meistens, um über weite Distanzen mit ihren Artgenossen Kontakt aufzunehmen beziehungsweise um herauszufinden, ob sich einer in der Nähe befindet. Dann handelt es sich um lautes, langgezogenes Wiehern. Wenn das Pferd sein Wiehern zu einem Schreien oder Brüllen steigert, teilt es in Pferdesprache eine extreme Emotion wie Angst oder Wut mit. Stuten beispielsweise geben ein solches Wiehern von sich, wenn sie sich von einem Hengst bedrängt fühlen. Dieses ausdrucksstarke Wiehern hört man jedoch noch seltener.

Die Sprache der Pferde: Blubbern

Häufiger dagegen vernehmen Menschen das sogenannte Blubbern. Hierbei handelt es sich um ein leises, sanftes Wiehern, das etwas kehlig klingt und einem Grummeln ähnelt. In der Sprache der Pferde bedeutet das eine Art Begrüßung. Die Tiere blubbern, wenn sie einen Freund kommen hören, der nicht weit von ihnen entfernt ist, oder auch, um Menschen zu begrüßen. Es ist ein freundlicher Laut, der als Aufforderung, näherzukommen, verstanden werden kann. Vor allem, wenn es um Futter geht, blubbern Pferde oft. Stuten rufen ihre Fohlen durch ein Blubbern, und Hengste geben ein langes und sehr tiefes Blubbern von sich, um Stuten auf sich aufmerksam zu machen.

Die Sprache der Pferde: Schnauben und Blasen

Die Bedeutung von Schnauben ist situationsabhängig. Es kann sowohl ein Zeichen für Aufregung als auch für Entspannung sein. Ein lautes, mehrfaches Schnauben, das ein bisschen wie Schnarchen oder Prusten klingt, steht unter anderem für potenzielle Gefahr. Das kann beispielsweise vorkommen, wenn das Pferd ein ihm unbekanntes Objekt inspiziert. Zwar ist es neugierig und nähert sich an, doch ganz geheuer ist es ihm nicht. Dasselbe Geräusch geben Pferde aber auch spielerisch gemeint von sich, wenn sie Übermut ausdrücken. Während der Arbeit an der Longe oder beim Reiten dagegen ist das Schnauben ein Ausdruck für Wohlbefinden. Die Pferde sind zufrieden und ruhig und so klingt das Schnauben lang gezogen sowie weniger alarmiert.

Eine Unterform des Schnaubens ist das Blasen. Hier stößt das Pferd aktiv Luft durch die Nase aus und sagt in seiner Sprache, dass es sich gerade äußerst wohlfühlt. Blasen sich Pferde gegenseitig an, ist das ein Ausdruck der tiefen Zuneigung. Das Gleiche gilt für ein Anblasen von Menschen. Vergleichbar ist das mit einem Kuss. Und wenn ein Mensch ein Pferd ebenfalls anbläst, kommt es nicht selten vor, dass das Pferd zurück bläst.

Die Sprache der Pferde: Quietschen

Ein weiterer Laut in der Pferdesprache ist das Quietschen. Es ist hoch und sehr durchdringend. Pferde setzen es ein, wenn sie Ärger, Übermut oder eine Warnung ausrufen möchten. Beim Toben, Bocken oder Kämpfen lassen Pferde zum Beispiel ein Quietschen verlauten. Ebenso quietschen Pferde, vor allem Stuten, wenn sie zum ersten Mal Kontakt zu einem unbekannten Artgenossen aufnehmen. Das zeigt ihren erregten Zustand. Oft wird das Quietschen mit einem Stampfen des Vorderbeins auf den Boden begleitet. Der Grat bei einem gegenseitigen Beschnuppern ist schmal, denn das Beschnuppern ist auch eine Festlegung der Rangordnung. Zwischen Freundlichkeit und Unwillen beziehungsweise Warnung kann schnell gewechselt werden. Und dann kommt es bisweilen zu aggressiven Handlungen wie Tritten. Deshalb sollte man Pferde nicht aneinander kommen lassen, wenn man selber dazwischen steht.

Die Sprache der Pferde: Röhren

Ein kehliges, tiefes Röhren drückt Verunsicherung, Verärgerung oder Ängstlichkeit aus. Pferde versuchen in ihrer Sprache, einzuschüchtern und abzuschrecken. Es ist eine Drohung gegenüber dem, was ihnen in der Situation Angst macht. Das können verschiedene Dinge sein:

Für Menschen, die viel mit Pferden zu tun haben, ist es wichtig, diese Sprache zu verstehen, um dementsprechend reagieren zu können. Nur so vermeiden sie mögliche gefährliche Situationen. Außerdem steigt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier, wenn er auf das Pferd eingeht. Dadurch erfolgt eine bessere Zusammenarbeit.

Die Sprache der Pferde: Grunzen und Stöhnen

Gibt ein Pferd Geräusche von sich, die nach einem Grunzen, Stöhnen oder Seufzen klingen, weist das meist auf große Anstrengung oder Krafteinwirkung hin. Demnach ist der Laut oft beim Landen nach einem Sprung zu hören. Belastung liegt auch bei einem Kampf vor oder wenn das Pferd nach einem Sturz versucht, wieder aufzustehen. Grunzlaute können allerdings ebenso Schmerz und Unwohlsein ausdrücken und sollten daher beobachtet werden. So grunzen sie bei Koliken und beim Abfohlen. Das Grunzen ist Experten zufolge kein bewusstes Signal des Pferdes. Es ist mehr eine reflexartige Reaktion, wie auch Menschen bei hoher Belastung oder Schmerzen aufstöhnen.

Die Sprache der Pferde: Kommunikation zwischen Mensch und Pferd

Um mit Pferden zu arbeiten, muss sich der Mensch auf die Sprache der Pferde einlassen. Zwar wird er niemals in der Lage sein, jede kleinste Regung wahrzunehmen und entsprechend zu deuten, doch die Grundlagen kann er sich gut aneignen. Der Mensch muss außerdem immer ranghöher sein als das Pferd. Es handelt sich um eine Partnerschaft ohne Gleichberechtigung. Pferde brauchen eine Rangordnung und das Wissen um ihre Position darin. Andernfalls fühlen sie sich unsicher und nicht gut beschützt. Sie gehen dazu über, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, da sie den Menschen als nicht fähig erachten, sie zu leiten. Tatsächlich ist es für Pferde nicht wichtig, ranghoch gestellt zu sein. Es zählt lediglich, dass sie wissen, wo ihr Platz ist.

Die höher gestellte Position des Menschen muss immer wieder geübt und klargestellt werden. Pferde testen gerne aus. Besonders in jungen Jahren, aber auch später hin und wieder. Deshalb gilt es, gerade am Anfang einer neuen Pferd-Mensch-Beziehung klare Rahmen zu setzen. Selbst bei Kleinigkeiten muss der Mensch auf seine Chefposition beharren. Das Aushandeln der Rangordnung beruht stets auf Vertrauen und Respekt. Klare, einfache Signale, ohne dabei aggressiv zu werden, sind ausschlaggebend. Letztlich geht es um die Frage, wer wen bewegt: Bestimmt der Mensch oder das Pferd die Richtung und das Tempo?

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