Nicht mehr zeitgemäß?

Tierschutzminister kritisiert Pferdekutschen: Expertin hält dagegen „Ich sehe das nicht ein“

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Schon lange wird darum gerungen, den Fiaker Kutschbetrieb in Wien bei hohen Temperaturen auszusetzen. Doch jetzt wird sogar die gesamte Tradition infrage gestellt.

Wien (Österreich) – Das Wiener Stadtbild ist von Pferden stark geprägt. Zum einen gibt es mitten im Zentrum die Spanische Hofreitschule mit ihren anmutenden Lipizzanern. Und zum anderen gibt es da auch noch die vielen Kutschpferde, die Wiener Fiaker. Ihr Job ist es Touristen durch das schöne Wien zu fahren. Ganz im Stil der Vergangenheit: zu Lebzeiten von Kaiserin Elisabeth.

Für die Wiener Fiaker ist ihre Tradition besonders schützenswert. So haben sie 2016 einen Antrag gestellt, ihr Gewerbe ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufzunehmen. Erst kürzlich hat dies die Trakehnerpferdezucht geschafft und wurde als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Doch der Antrag der Fiaker wurde abgelehnt. Sehr zu Freude vieler Tierschützer, die dem Kutschbetrieb der Stadt nichts Gutes abgewinnen können.

Fiaker gehören zum Wiener Stadtbild dazu, doch vielleicht ist das bald vergangenheit. (Symbolbild)

Tierschutzminister kritisiert Pferdekutschen: Fahrverbot an heißen Sommertagen

Für Tierschützer sind die Fiaker nicht mehr zeitgemäß. Die schwere Arbeit der Pferde und ihr Einsatz im Straßenverkehr ist für sie aus Tierschutzsicht nicht zu rechtfertigen. Vor allem auch bei heißen Sommertemperaturen. Schon lange wird um ein entsprechendes Fahrverbot gerungen. Zumal es in der Vergangenheit immer wieder zu Vorfällen kam, in denen Pferde auf den Straßen zusammengebrochen sind. Bislang dürfen sie ab einer Temperatur von 35 °C nicht mehr fahren. Diskutiert wurde bereits 2021, dass ein Fahrverbot bereits ab 30 °C gelten sollte.

Tierschutzminister kritisiert Pferdekutschen: Fiaker sind nicht mehr zeitgemäß

Der grüne Gesundheits- und Tierschutzminister der österreichischen Regierung, Johannes Rauch, sieht den Fiaker Kutschbetrieb in Wien als nicht mehr zeitgemäß und darin ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Im „ORF“ regte er am Montag nicht nur erneut die Temperaturdebatte an, sondern spricht sich auch für ein Fiaker-Verzicht in Wien aus – Tierschützer feiern Minister Rauch dafür. Bei einem österreichischen Tierschutzverein sorgte eine misshandelte Lipizzaner-Stute, deren Bauch auf einmal immer dicker wurde, für Überraschung.

Tierschutzminister kritisiert Pferdekutschen: Fiaker Sprecherin und Tierärztin kontern

Gegenwind bekommt Rauch von Fiaker Sprecherin Ursula Chytracek. Erzürnt fordert sie einen runden Tisch zum Thema. Denn für die 30 Grad Regelung sieht sie keinen Grund und für ein Verbot schon gar nicht. „Ich sehe es nicht ein, dass sich Politiker ein Urteil über das Tierwohl machen, obwohl sie keine Ahnung von den Tieren haben“, so Chytracek gegenüber „ORF“. Dabei beruft sich die Expertin auf eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die gezeigt habe, dass eine Hitze-Überforderung bei fast 400 Messungen bei keinem einzigen Tier festgestellt wurde. Unterstützt wird Chytracek von der für zwei Fiaker-Unternehmen arbeitenden Tierärztin Isabella Copar. Auch sie sieht kein Zusammenhang zwischen Hitze und kollabierenden Pferden und bestätigt, dass dies in den letzten 25 Jahren nicht einmal im Zusammenhang vorgekommen sei.

Rubriklistenbild: © robertkalb photographien/Imago