Zum Wohl des Pferdes

Touchieren von Pferden: FN-Präsidium will Trainingsmethode verbieten

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Das Touchieren von Pferden am Sprung soll künftig nicht mehr erlaubt sein. Das Verbot der Trainingsmethode hat das Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) verkündet.

Warendorf – Die Trainingsmethode des Touchierens von Pferden am Sprung soll verboten werden. Diese Entscheidung hat das Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) mitgeteilt. Bereits seit Anfang 2021 hat sich die Kommission Ausbildungsmethoden ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Die einstimmige Empfehlung: ein Verbot des Touchierens vom Pferden am Sprung. Damit soll das Verbot der Methode am Sprung künftig auch im Training im Turniersport-Regelwerk Leistungsprüfungsordnung (LPO) verankert sein. Dafür wird das FN-Präsidium in einem nächsten Schritt einen entsprechenden Antrag im FN-Beirat Sport stellen.

Das FN-Präsidium will das Touchieren von Pferden über dem Sprung verbieten. (Symbolbild)

Touchieren von Pferden: FN-Präsidium will Trainingsmethode verbieten

In den entscheidenden Sitzungen hielten Präsidium und Kommission folgende Punkte fest:

  • Für alle Beteiligten steht das Wohl des Sportpartners Pferd an oberster Stelle. Es herrscht Einigkeit darüber, dass ein fairer Pferdesport nur in Partnerschaft und mit einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Mensch und Pferd möglich ist. Grundlage dafür ist die klassische Reitlehre, die in den Richtlinien für Reiten und Fahren beschrieben ist.
  • Die fachgerechte Anwendung des Touchierens am Sprung im Sinne der Richtlinien ist nach Auffassung der FN nach wie vor nicht tierschutzrelevant.
  • Die Ausbildungskommission kam jedoch zu der Erkenntnis, dass bei der Ausführung des Touchierens am Sprung in der Praxis das Risiko einer Abweichung von der Beschreibung in den Richtlinien hoch ist. Die Möglichkeit, dass beim Touchieren am Sprung Fehler gemacht werden, besteht. Bei dieser Methode gibt es fast keine Fehlertoleranz. Kleine Abweichungen können negative Folgen für das Pferd haben.
  • Selbst Fachleuten fällt es oft schwer zu veranschaulichen und zu vermitteln, wo die Grenze des bisher erlaubten, fachgerechten Touchierens am Sprung ist. Es gibt in der Praxis keine einheitliche Auffassung über das korrekte Touchieren von Pferden im Sprungablauf.
  • Aufgrund der Komplexität des Touchierens am Sprung und der enorm hohen Anforderungen an die Akteur*innen kann selbst eine Schulung eine korrekte Umsetzung in der Praxis nicht garantieren.
  • Kommission und Präsidium kamen deshalb zu dem Schluss, dass im Sinne der Pferde künftig auf diese Methode verzichtet werden soll. Nur durch ein Verbot des Touchierens am Sprung können die Pferde vor einer falschen Anwendung und alle Akteur*innen vor den Konsequenzen einer versehentlichen Falschanwendung geschützt werden.
  • Das Verbot des Touchierens am Sprung steht im Einklang mit dem internationalen Regelwerk.

Touchieren von Pferden: Trainingsmethode in Folge der „Barr-Affäre“ aufgenommen

In den 1990er-Jahren wurde die Trainingsmethode des Touchierens von Pferden am Sprung in Folge der sogenannten „Barr-Affäre“ in die FN-Richtlinien für Reiten und Fahren aufgenommen. Dadurch hat sich das Touchieren am Sprung zu einer anerkannten Trainingsmethode etabliert* – sofern diese fachgerecht durchgeführt wird. Davon abzugrenzen ist das Barren, das seit Jahren in den Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport als tierschutzwidrige Methode definiert ist. Die Entscheidung, nun auch das Touchieren im Training zu verbieten, hält FN-Ausbildungsleiter Thies Kaspareit aber für richtig: „Eine klare Positionierung gegen das Touchieren am Sprung gibt allen Akteuren eine klare Orientierung und schützt die Pferde.“ FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach ergänzt: „Indem wir das Touchieren am Sprung verbieten, gleichen wir unser nationales Regelwerk an die internationalen Regeln der FEI an.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jacques Toffi/Imago