Abschied aus Verzweiflung

Ukrainerin lässt ihre Pferde frei – um ihnen das Leben zu retten

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Eine junge Ukrainerin fürchtet, dass ihre Pferde dem Krieg zum Opfer fallen. Schweren Herzens lässt sie ihre Pferde frei und hofft sie eines Tages wiederzusehen.

Irpin (Ukraine) – Millionen Menschen fliehen vor dem Krieg in der Ukraine. Mit ihnen auch viele Haustiere. Doch bei Pferden ist die Rettung leider meist komplizierter und mit hohem logistischen Aufwand verbunden. Eine junge Ukrainerin sieht für ihre geliebten Pferde keinen anderen Ausweg mehr als den Tieren voller Verzweiflung und Angst, aber auch Hoffnung, die Freiheit zu schenken.

Julia Molokova lebt mit ihrer Familie und ihren Pferden in Irpin, einer Kleinstadt in der Nähe von Kiew, die seit Tagen unter russischen Beschuss steht. Auf Facebook berichtet Julia Molokova über ihre Entscheidung, ihre geliebten Pferde freizulassen. Die sie schweren Herzens getroffen hat, „damit die Tiere eine Chance haben, um zu überleben“.

Julia Molokova hat ihre geliebten Pferde freigelassen, damit sie eine Chance haben, um zu überleben.

Ukrainerin lässt ihre Pferde frei – um ihnen das Leben zu retten

Nur wenige Tage bevor Julia Molokova diese Entscheidung trifft, berichtet sie, von einer Bombe, die in der Nähe des Stalles eingeschlagen ist. Zwar blieben zum Glück alle Pferde unverletzt, doch ihr Hengst sei von den Schüssen bereits so verstört, dass er nicht mehr aus dem Stall geht. Sie befürchtet, wenn der Stall unter russischen Beschuss steht, dass ihre Pferde keine Chance mehr haben, um zu fliehen. Aus Angst vor dem Krieg sind viele Menschen auch mit ihren Haustieren auf der Flucht.

Ukrainerin lässt ihre Pferde frei – und hofft sie nach dem Krieg wiederzusehen

Ihre Situation scheint sich kurze Zeit später dramatisch zu verschlechtern. Und weil sie nicht darauf warten will, bis eine zweite Bombe einschlägt, trifft sie die Entscheidung, alle fünf Pferde aus dem Stall in die Freiheit zu entlassen. Dafür läuft sie mit ihnen durch die Stadt, über Straßen und über eine Brücke, um sie letzten Endes auf einem Feld in der Nähe des Buchansky-Waldes freizulassen.

Ihren Weg und auch den Abschied von den Pferden filmt sie und hält in bewegenden Worten fest, sie habe keinen anderen Ausweg gefunden und hoffe sehr ihre geliebten Pferde nach dem Krieg wiederzusehen.

Ukrainerin lässt ihre Pferde frei – Hilfe für die Tiere und ihre Menschen Vorort

Um die vielen Pferdebesitzer in der Ukraine zu unterstützen, hat die Ukrainische Reiterliche Vereinigung (UEF) eine Stiftung gegründet und ein Logistikzentrum in Polen eingerichtet. Von dort aus werden Hilfsangebote für Menschen und Pferde in der Ukraine koordiniert. Wer helfen möchte, muss das Hilfsangebot vor der Lieferung bei der Stiftung anmelden. Wie die FN mitteilt, werden aktuell vor allem Pferdenahrung wie Heulage in kleinen Paketen (bis zu 20 Kilogramm) und Mischfutter für Pferde (in Säcken bis zu 20 Kilogramm) sowie Späneballen bis zu 20 Kilogramm benötigt. Wer auf andere Weise helfen will – zum Beispiel durch Hilfe bei der Unterbringung und Evakuierung der Pferde – kann sich ebenfalls über die Stiftung melden.

In der Ukraine vor Ort hilft auch die internationale Hilfsorganisation* Equiwent (Schmiede ohne Grenzen). Eine Organisation, die sich hauptsächlich um Arbeitspferde in Osteuropa kümmert und seit 2015 eine „Non-Profital-Tierklinik“ in Rumänien betreibt. Seit Beginn des Krieges hilft das Team rund um die Uhr den Tieren und Menschen in der Ukraine. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Facebook (Julia Molokova)