Erbkrankheit

WFFS bei Pferden: Vollblutfohlen stirbt erstmals an Gendefekt

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Pferdezüchter gingen bisher davon aus, dass die Erbkrankheit WFFS nur bei Warmblütern vorkommt. Jetzt ist erstmals ein Vollblutfohlen an dem Gendefekt gestorben.

Großbritannien – Instabile Gelenke, rissige Haut und Wunden am ganzen Körper: Pferde, die am Warmblood Fragile Foal Syndrom (WFFS) leiden, sind nicht lange lebensfähig und müssen meist kurz nach der Geburt eingeschläfert werden. Bislang ist der Gendefekt nur bei Warmblütern bekannt. Doch jetzt ist erstmals ein Vollblutfohlen an der erblichen Bindegewebsschwäche gestorben.

WFFS bei Pferden: Vollblutfohlen stirbt erstmals an Gendefekt

In einer Tierklinik in Großbritannien weist das betroffene Fohlen die typischen Auffälligkeiten der erblichen Bindegewebsschwäche WFFS auf. Neben gravierenden Entwicklungsstörungen und zahlreichen Hautläsionen ist auch der genetische Befund eindeutig: Die DNA des Pferdes enthält das mutierte Gen PLOD1 – die Gen-Variante, die für die phänotypische Ausprägung von WFFS verantwortlich ist. Bei gesunden Tieren sorgt es für eine stabile Vernetzung der Kollagen-Moleküle in der Haut und im Bindegewebe. Ist das PLOD1-Gen mutiert, fehlt diese Verbindung. Die Folge: Die Haut löst sich vom Körper und die Gelenke werden instabil. Vor allem an den überdehnbaren Fesselgelenken ist dies deutlich zu erkennen. Auch beim Menschen ist eine ähnliche genetische Störung des Bindegewebes bekannt, die als Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) bezeichnet wird.

Fohlen mit dem erblichen Gendefekt WFFS sind nicht lebensfähig. (Symbolbild)

WFFS bei Pferden: Forscher empfehlen Gentests auch in der Vollblutzucht

Damit ist es der erste wissenschaftlich bewiesene Fall von WFFS in der Vollblutpopulation, den Forscher nun in einer Studie im Fachmagazin „Equine Veterinary Journal“ veröffentlichen. Daher empfehlen sie, den Namen der Krankheit zu ändern – von Warmblood Fragile Foal Syndrom (WFFS) in Fragile Foal Syndrom (FFS). Außerdem raten sie Züchtern dazu, künftig auch Vollbluthengste auf den Gendefekt testen zu lassen. Diese Gentests haben sich seit einigen Jahren in der Warmblutzucht* etabliert, um die Anpaarung von zwei Trägertieren zu vermeiden und nicht noch weitere Fohlen mit der tödlichen Erbkrankheit zu zeugen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Sorge/Imago