Besonderes Erbgut

Mysteriöse Wildpferde in Island gefunden: neue Rasse 70 Jahre unentdeckt?

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Rund 70 Jahre lebt eine Wildpferdeherde offenbar unentdeckt in Island. Jetzt rätseln Genetiker, ob es sich bei ihnen sogar um eine neue Rasse handelt.

Skaftárhreppur (Island) – Sie sind klein, gescheckt und völlig isoliert. Ohne Kontakt zum Menschen lebt eine kleine Pferdeherde in freier Wildbahn. Genauer gesagt auf dem abgeschiedenen Landstrich Botna des Skaftáreldahraun, einem Lavafeld im Süden Islands. Rund 70 Jahre sind die Tiere bereits auf sich allein gestellt – und kommen offensichtlich wunderbar zurecht. Aber sind die mysteriösen Wildpferde mit den bekannten Isländern verwandt oder hat sich da etwa ganz unbemerkt eine ganz neue Rasse entwickelt?

Mysteriöse Wildpferde in Island gefunden: Neue Rasse 70 Jahre unentdeckt?

Die Pferde-Gruppe, die sich selbstständig durch Inzucht fortgepflanzt haben soll, besteht aus einem Hengst und sieben Stuten im Alter zwischen vier und 18 Jahren. Ihr Ursprung soll um 1950 liegen: Zwei Stuten bringen damals ihre Fohlen zur Welt und legen damit den Grundstein der kleinen Herde. Als ein Bauer die Tiere vor kurzem verkaufen will, nimmt der isländische Pferde-Experte Kristinn Guðnason die Wildtiere bei sich auf. Anders als die meisten Menschen habe er von den Pferden daher schon länger gewusst, erzählt er gegenüber der isländischen Nachrichtenseite „Iceland Review“. „Vor zwölf oder 14 Jahren bin ich das erste Mal dort hingefahren, habe aber nie etwas unternommen“, erzählt Guðnason, der die Vierbeiner nun auf seinem Hof betreut. Unter den Schecken sticht ein Pferd besonders hervor: Eine Fuchsstute, die scheinbar das älteste Mitglied der Herde ist. Einige Jungtiere trinken noch bei ihren Müttern. (Offenstall-Haltung bei Pferden: So bekommt ihr Tier in der Gruppe genug Schlaf)

Alles andere als scheu: Beim Umzug in ihr neues Zuhause zeigen die Wildpferde keine Angst vor Menschen.

Neugierig, freundlich und vor allem ruhig: Obwohl die „Botnapferde“ weder Anhänger noch Stall kennen, nehmen sie den Umzug in ihr neues Zuhause äußerst gelassen hin. Halter Kristinn Guðnason ist überrascht, wie zahm die Tiere sind: „Ihr Gemüt ist offenbar so beschaffen, dass sie sich gut an eine neue Umgebung gewöhnen. Die sind zahm und total furchtlos, vielleicht haben sie da vielen unserer Zuchtpferde so einiges voraus, da ist diese Besonnenheit, da ist diese skaftfellische Ruhe, genau wie bei den Menschen dort, die einen Vulkanausbruch und andere Katastrophen hinnahmen. Und diese Pferde machen das auch.“

Besonders beeindruckt ist er von den Hufen der kerngesunden Wildtiere, die alle nicht größer als 120 Zentimeter sind. „Wenn man sich die Hufe dieser Pferde anschaut, sieht es so aus, als ob sie von den besten Schmieden getrimmt worden sind. Die sind aber natürlich niemals geschnitten worden, das hat die Lava erledigt“, erklärt Kristinn Guðnason. (Melanome bei Schimmeln: Studie zeigt Therapieerfolg mit Betulinsäure)

Mysteriöse Wildpferde in Island gefunden: Genetiker untersuchen DNA der Tiere

Für Züchter, Genetiker und Tierärzte ist die bislang unbekannte Wildpferdeart hoch interessant. Mit großer Neugier verfolgen sie die Entdeckung der Herde. „Vor uns liegt eine spannende Zeit der Forschung“, ist sich auch der isländische Politiker Ásmundur Friðriksson sicher. Eine DNA-Analyse soll nun Aufschluss über die Genetik der Tiere geben. Dabei wollen die Wissenschaftler des Forschungsinstituts Keldur herausfinden, ob die Wildpferde überhaupt mit den Islandpferden* verwandt sind oder ob ihr Erbgut für eine neue, eigenständige Rasse spricht. „Diese Pferde könnten nämlich über genetische Anlagen verfügen, die aus dem heutigen Bestand verschwunden sind“, glaubt die Genetikerin Freyja Imsland, die einige der „Botnapferde“ gekauft hat. Das Erbgut der Wildtiere könne daher von hohem Wert für den isländischen Pferdebestand sein. Auch der Frage nach einer möglichen Abstammung von Reitpferden gehen die Forscher nach. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Facebook (Ásmundur Friðriksson)