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Araber sind besonders anfällig für das Wobbler-Syndrom. (Symbolbild)

Eine häufige Bewegungsstörung

Wobbler-Syndrom beim Pferd: Das steckt hinter der spinalen Ataxie

Das Wobbler-Syndrom kann ein Pferd in jedem Lebensalter treffen. Diese Erkrankung ist durch massive Koordinationsprobleme des Bewegungsapparats gekennzeichnet.

Urbana (Illinois) – Eine 2014 veröffentlichte Studie lieferte Belege für die These, dass eine Mangel- beziehungsweise Fehlernährung zu den möglichen Ursachen des Wobbler-Syndroms bei Pferden zählt. So führte der Autor dieser Untersuchung, Jonathan Foreman, aus, dass zum Beispiel die Überfütterung schnell wachsender junger Pferde eine spinale Ataxie auslösen kann. Der Wissenschaftler hob hervor, dass eine ausgewogene Ernährung eine wirkungsvolle Prophylaxe gegen diese Erkrankung darstelle.

Das Wobbler-Syndrom beim Pferd: Die Symptome

Wobbler-Syndrom, die umgangssprachliche Bezeichnung der Erkrankung „spinale Ataxie“, geht auf das englische Wort „to wobble“ zurück. Es bedeutet „schwanken, wackeln“ und beschreibt damit treffend das hervorstechende Symptom dieser Krankheit. Ein betroffenes Pferd zeigt einen sehr unsicheren Gang, weil es Probleme bei der Koordination seiner Beinbewegungen hat. Die Symptome treten besonders stark an der Hinterhand auf. Im Lauf der Zeit nehmen die Beschwerden zu. Während anfänglich lediglich leichte Gangunsicherheiten auftreten, kommt es bei einem fortgeschrittenen, schweren Verlauf vermehrt zu Stürzen.

Im Einzelnen sind die folgenden Symptome typisch für das Wobbler-Syndrom:

  • Schwierigkeit, sich auf dem Zirkel zu bewegen
  • Unfähigkeit, rückwärts zu gehen
  • Zittern des Kopfes
  • vermehrtes Stolpern
  • relativ kurze Schritte
  • Probleme beim Abbremsen aus dem Trab oder Galopp

Das Wobbler-Syndrom beim Pferd: Die Ursachen

Die spinale Ataxie beim Pferd entsteht durch verschiedene Einflussfaktoren. Bei jungen Pferden entwickelt sich das Wobbler-Syndrom häufig durch eine Beeinträchtigung der Entwicklung der Halswirbelgelenke. Dies ist oft eine Folge von Überschlägen, die Fohlen beim Herumtollen auf der Weide mit gebeugtem Hals machen. Die Wirbel geraten dadurch aus ihrer ursprünglichen Position, sodass es zu Quetschungen des Rückenmarks kommt.

Viele erwachsene Pferde erkranken nach einem Bandscheibenvorfall an spinaler Ataxie. In vielen Fällen bewirkt er eine dauerhafte Schädigung des Rückenmarks, die wiederum das Wobbler-Syndrom auslösen kann.

Die spinale Ataxie kann zudem auf eine virale Infektion zurückzuführen sein. Dies gilt vor allem für Herpesinfektionen, die für eine Entzündung des Rückenmarks verantwortlich sind.

Darüber hinaus können einer auftretenden spinalen Ataxie auch die folgenden Ursachen zugrunde liegen:

  • genetische Veranlagung, insbesondere bei Arabern und Oldenburgern
  • anhaltende Fehl- beziehungsweise Mangelernährung
  • Befall durch Parasiten
  • Vergiftungen

Wobbler-Syndrom beim Pferd: Die Behandlung – Medikamente, Operation, Training

Bislang existiert keine Behandlung, die am Wobbler-Syndrom erkrankte Pferde vollständig heilt. Eine Ausnahme besteht nur bei leichten Formen der juvenilen spinalen Ataxie, bei der in seltenen Fällen eine vollständige Ausheilung möglich ist.

Die Behandlung des Wobbler-Syndroms erfolgt medikamentös oder chirurgisch. Es kommen dabei insbesondere die folgenden Medikamente beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel infrage:

  • Glukokortikoide
  • Selen
  • Anabolika
  • Cobalt
  • Vitamin E

Außerdem führen Veterinäre meist eine medikamentöse Schmerztherapie durch.

Die chirurgische Therapie besteht in der Versteifung der betroffenen Halswirbel. Die entsprechende Operation wird als „basket surgery“ bezeichnet.

Ein spezielles Training kann die durch das Wobbler-Syndrom ausgelösten Schmerzen wirksam lindern. Pferde profitieren dabei insbesondere von Bodenarbeit und Longieren, das eine günstige Kopf- beziehungsweise Halshaltung fördert.

Grundsätzlich raten Tierärzte in der Regel davon ab, Pferde mit Wobbler-Syndrom zu reiten. Zum einen führt dies zu einer weiteren Belastung des Bewegungsapparats des Pferdes, zum anderen geht es mit erheblichen Gefahren für Ross und Reiter einher: Ein Pferd mit spinaler Ataxie kann jederzeit schwer stürzen. Bei der Herdenhaltung sollten Pferdebesitzer außerdem darauf achten, dass ihr Tier mit ruhigen Artgenossen auf der Weide steht.

Das Wobbler-Syndrom beim Pferd: Die Lebenserwartung

Prinzipiell führt das Wobbler-Syndrom nicht zu einer Beeinträchtigung der Lebenserwartung. Bei einem sehr schweren Verlauf des Wobbler-Syndroms entscheiden sich Halter gemeinsam mit dem Tierarzt oft dafür, das Pferd von seinen Leiden zu erlösen.