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Drohnenbrut für Igel: Energiereiches Futter rettet Tiere nach Winterschlaf

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Nach dem Winterschlaf sind Igel meist ziemlich abgemagert. Als energiereiches Futter kann die ausgeschnittene Drohnenbrut von Bienen Leben retten.

Osterholz-Scharmbeck (Niedersachsen) – Igel verschlafen bis zu fünf Monate der kalten Jahreszeit. Sobald sie im Frühjahr aus dem Winterschlaf erwachen, begeben sie sich auf Nahrungssuche. Denn die meisten Tiere sind sehr abgemagert und benötigen dringend energiereiches Futter – vor allem Fett und Eiweiß. Genau aus diesen Bausteinen bestehen Drohnenmaden, die Imker im Frühjahr und Frühsommer aus den Wabenrähmchen ausschneiden, um ihre Bienenvölker vor der Varroamilbe zu schützen. Doch für geschwächte Igel ist die Drohnenbrut ein echtes „Powerfood“.

Drohnenbrut für Igel: Energiereiches Futter rettet Tiere nach Winterschlaf

Einschmelzen oder Entsorgen: Die meisten Imker haben für die ausgeschnittene Drohnenbrut keine Verwendung mehr. Imkerin und Igelpflegerin Maja Langsdorff ist da anderer Meinung: „Das Wegwerfen der ausgeschnittenen Drohnenbrut ist reine Verschwendung.“ Denn nach der Entfernung aus den Rähmchen lassen sich Drohnenmaden gut einfrieren und in den Frühlingsmonaten an Igel verfüttern. Die fett- und eiweißreiche Kost hilft den Tieren, nach dem Winterschlaf schnell wieder auf die Beine zu kommen. „Drohnen sind Insektennahrung pur, und da Igel überwiegend Insektenfresser sind und die Drohnenmaden vor ihrer Entnahme durch den Imker mit gehaltvollen Pollen und Nektar gefüttert worden sind, stellen sie eine ideale Nahrungsergänzung für diese Tiere dar“, weiß Maja Langsdorff.

Kranke oder abgemagerte Igel können mit Drohnenmilch gut aufgepäppelt werden. (Symbolbild)

Drohnenbrut für Igel: Aus den Maden lässt sich Drohnenmilch herstellen

Für stark abgemagerte oder kranke Igel ist die Fütterung von Drohnenmilch ratsam. Sie liefert die wertvollen Inhaltsstoffe der Drohnenmaden in konzentrierter Form und ist damit ein regelrechter „Powerdrink“ für die Tierchen. Die Herstellung ist denkbar einfach: „Drohnenmilch gewinnt man, indem man eingefrorene Drohnen aus der Wabe bricht, in ein kleines Gefäß gibt und dies im Wasserbad erwärmt. Sehr schnell verflüssigen sich die Drohnenmaden und man kann sie durch ein Sieb passieren“, erklärt Langsdorff. Heraus kommt eine Flüssigkeit, die wie Kondensmilch aussieht und garantiert laktosefrei ist – denn Igel können Milchzucker in der Nahrung nicht verdauen.

Da die Drohnenmilch unter Einwirkung von Sauerstoff schnell verdirbt, sollte sie nur frisch verfüttert werden. Ihr Tipp: Die Milch in kleinen Portionen von jeweils neun bis zehn Millilitern einfrieren und bei Bedarf im Wasserbad auf Körpertemperatur erwärmen. 30 Drohnenmaden ergeben rund zehn Milliliter der energiereichen Flüssignahrung.

Drohnenbrut für Igel: Wichtiger Rohstoff zum Aufpäppeln von Wildtieren

Drohnenmilch eignet sich auch, um Medikamente übers Futter* zu verabreichen. Denn viele Igel sind bereits vor dem Winterschlaf verwurmt oder von Parasiten wie beispielsweise Zecken befallen. Das zehrt die Tiere zusätzlich aus. Imkerin Maja Langsdorff hält die Drohnenbrut daher für einen wichtigen „Rohstoff“, um Wildtiere aufzupäppeln und zu retten. „Beobachtet man die eigentlich nachtaktiven Igel tagsüber, kann man davon ausgehen, dass sie dringend Hilfe brauchen“, betont die Expertin. Nach einer gezielten Behandlung der jeweiligen Parasiten können die Medikamente dafür einfach in die Milch gemischt werden. Aus Erfahrung weiß die Imkerin: Das klappt meist ohne Probleme. „Igel sind verrückt nach Drohnenmilch.“ *24garten.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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