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Alles rund ums Eichhörnchen: So leben die flinken Tierchen

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Das Eichhörnchen gilt als eines der beliebtesten Wildtiere.
Das Eichhörnchen gilt als eines der beliebtesten Wildtiere. (Symbolbild) © Oliver Willikonsky/Imago

Eichhörnchen gehören zu den beliebtesten Wildtieren. Lesen Sie, was Sie über die süßen und schlauen Tierchen wissen müssen.

Berlin – Blitzschnell rennt es den Baum hoch, senkrecht und scheinbar mühelos. Es bewegt sich so rasch, dass wir Menschen das Eichhörnchen meist nur aus dem Augenwinkel erblicken. Das kleine Tier, das Mitteleuropäer aus Parks, Wäldern und Gärten kennen, heißt mit ganzem Namen Eurasisches Eichhörnchen. Mit seinen Kletterkünsten und dem niedlichen Aussehen gehört es zu den beliebtesten Wildtieren Deutschlands.

Eichhörnchen: Wie sieht ein Eurasisches Eichhörnchen aus?

Das Eichhörnchen, das in Deutschland verbreitet ist, ist etwa 20 Zentimeter lang. Dazu kommt sein buschiger Schwanz, der die gleiche Länge hat. Sein Fell ist am Bauch immer weiß oder grau-weiß, während das restliche Fell je nach seinem Lebensraum und der Jahreszeit unterschiedlich aussieht. In den Tannenwäldern nördlicher Regionen sind Eichhörnchen dunkelbraun, während die in Mischwäldern ein rostrotes Kleid tragen. So können sie sich besser tarnen. Außerdem wird das Fell im Herbst dichter, damit die Tiere im Winter warm bleiben.
 
Eurasische Eichhörnchen wiegen 200 bis 400 Gramm. Sie sind tagaktiv und leben nicht nur in Wäldern, sondern auch in den Städten. Sie sind sogenannte Kulturfolger: So heißen Wildtiere, die dem Menschen in urbane Räume folgen.

Eichhörnchen: Das fressen sie am liebsten

Am liebsten fressen Eichhörnchen Nüsse und Samen – zum Beispiel von Fichten, Kiefern, Walnuss- und Haselnussbäumen. Sie mögen auch Sonnenblumenkerne, Knospen, Rinde und Pilze. Ein durchschnittliches Eichhörnchen frisst im Sommer jeden Tag etwa 80 Gramm. Dafür müssen sie viele Dutzend Zapfen öffnen und die Samen herausziehen.

Im Winter brauchen Eichhörnchen sehr viel weniger Nahrung: Circa 35 Gramm täglich sind dann normal. Sie machen zwar keinen Winterschlaf. Allerdings schonen sie sich im Winter sehr und sind nur wenige Stunden unterwegs, um ihren Proviant zu suchen. 

Eichhörnchen und ihr Lebensraum: Welche Wälder sie mögen

Eichhörnchen leben sowohl in Misch- als auch in Nadelwäldern. Am liebsten sind ihnen Wälder, in denen die Baumkronen dicht beieinander stehen: So können sie sich in ihnen gut fortbewegen und sind geschützt vor Raubvögeln. Entscheidend ist für ihr Habitat, dass die Bäume Samen tragen. Dafür müssen die Bäume schon einige Jahre alt sein.

Wie gut es Eichhörnchen-Populationen geht, hängt stark von ihrem Futterangebot ab. In manchen Jahren tragen Buchen und Fichten viele Samen. Dann steigen auch die Eichhörnchenzahlen. Tragen die Bäume weniger Früchte, machen sich die Eichhörnchen auf die Suche nach neuen Nahrungsgebieten. Man kann Eichhörnchen helfen, indem man ihnen artgerechtes Futter anbietet.

Eichhörnchen: Der Mythos vom vergessenen Futter

Eichhörnchen sammeln im Sommer und Herbst Nüsse, Samen und Pilze vauf Vorrat. Sie vergraben es an verschiedenen Stellen ihres Gebiets, um es vor anderen Tieren zu schützen. So bereiten sie sich auf die Zeit vor, in der die Nahrung knapp wird.

 
Oft spricht man von vergesslichen Eichhörnchen, die ihren Proviant vergessen und so aus Versehen neue Bäume anpflanzen. Das stimmt auch zum Teil: Seine bis zu 3000 Verstecke kann sich das Eichhörnchen tatsächlich nicht immer merken. Immerhin findet es aber etwa 60 Prozent seines weit verbreiteten Vorrats. Dabei verlässt sich das Eichhörnchen auf seinen Geruchssinn: Damit riecht es sogar Samen unter dicken Schneedecken.

Eichhörnchen: Geschickte Trapezkünstler der Baumkronen

Wer schon einmal Futter für Wildvögel im Garten aufgehängt hat, konnte das Spektakel vermutlich beobachten: Kopfüber hangelt und hält es sich an den kleinsten Vorsprüngen fest. Selbst Vogelhäuser, die als Eichhörnchen-sicher vertrieben werden, halten den geschickten Kletterer nicht ab. Das liegt an seinem Körperbau: Durch den großen Schwanz steuert es seine Bewegungen und balanciert. Dank seiner starken Hinterbeine schafft es weite Sprünge. So kann es von Baum zu Baum springen – und auch auf kleinen Futterkästen die Balance behalten.

 
Und: Eichhörnchen lernen schnell. Das haben Forscher während einer Studie für die Zeitschrift Science beobachtet. Eichhörnchen, die einen für sie unbekannten Parcours durchliefen, probierten verschiedene Wege aus und lernten aus ihren Missgeschicken. Noch im Sprung selbst passen sie ihren Flug durch die Luft an, indem sie ihren Körper gewandt drehen.

Eichhörnchen: Wo schlafen die Wildtiere?

Eichhörnchen bauen ihre Nester in Bäumen: in der Höhe zwischen sechs und 15 Metern, oft an Astgabelungen. Die Kobel, wie diese Baumnester genannt werden, bestehen aus Reisig, Zweigen, Blättern und Nadeln. Sie schützen die Tiere vor Regen und Kälte. Meistens gibt es einen Haupt- und einige Nebenkobel im Revier verteilt: Damit das Eichhörnchen überall einen Rückzugsort hat. Hierher ziehen sie sich in der Nacht und für den Mittagsschlaf zurück.


Von außen haben Eichhörnchenkobel einen Durchmesser von etwa 30 Zentimetern. Weil die Wände recht dick sind und der Kobel von innen weich gepolstert wird – mit Moos, Federn und Gras –, ist der Innenraum nur etwa 15 Zentimeter groß. Die Eichhörnchen-Nester haben mehrere Ausgänge. So können die Hörnchen fliehen, wenn ihnen einer ihrer Feinde – Marder, Wiesel, Katze, Habicht, Bussard oder Eule – auf den Leib rückt.

Eichhörnchen: Sind sie gefährdet durch Artgenossen?

Neben dem Eurasischen Eichhörnchen gibt es noch viele andere Eichhörnchen-Arten. Die meisten von ihnen sind in Nordamerika beheimatet. Von dort kam auch das Grauhörnchen im 19. Jahrhundert nach Großbritannien, wo es inzwischen das beheimatete Eurasische Eichhörnchen verdrängt hat. 


Sie erkennen Grauhörnchen daran, dass ihm die Haarbüschel an den Ohren fehlen. Diese sind gerade im Winter bei unserem heimischen Eichhörnchen sehr prominent. Das Grauhörnchen ist etwas größer und stärker als unser beheimatetes Eichhörnchen. Besonders gefährlich ist, dass viele von ihnen den Parapox-Virus haben. Sie selbst sind gegen ihn immun, Eurasische Eichhörnchen sterben aber oft daran. 


Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin hat berichtet, dass eine neuere Art der Pocken-Viren auch in Deutschland vorkommt. Dabei verkleben die Augen und Ohren der Eichhörnchen, auch die Pfötchen sind betroffen. Die Krankheit ist sehr schmerzhaft. Woher der Virus stammt, ist unklar. Denn: Noch gibt es in Deutschland keine Grauhörnchen. In Italien haben sie sich allerdings bereits ausgebreitet – dort wurden sie in den 40er Jahren ausgesetzt.

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