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Igel sind überwiegend nachtaktive Tiere. (Symbolbild)

Angepasstes Stacheltier 

Igel im Porträt: Nachtaktiver Insektenjäger in Ihrem Garten

Umfangreiche Informationen zu den Arten, Lebensräumen, dem Verhalten und der Nahrung der stacheligen Wildtiere, die durch den Menschen zunehmend gefährdet sind. 

Augsburg – Seit dem Jahresende 2017 stehen Igel auf der Roten Liste für Säugetiere in Bayern. Weitere Bundesländer folgten. Das Problem: Die natürlichen Lebensräume der Igel schwinden zunehmend. Es gibt immer weniger naturbelassene Gärten und Parks, die ihnen Rückzugsorte bieten. Wachsende Städte und Straßennetze bergen zahlreiche Lebensgefahren. Durch die Monokultur bleibt diesen Wildtieren immer weniger Nahrung übrig. Was Sie über die Igel wissen sollten, um die putzigen Stacheltiere vor dem Aussterben zu retten.

Igel im Porträt: Von haarig bis stachelig – Igel-Arten

Weltweit gibt es mehr als 24 Igel-Arten. Diese gliedern sich in drei Gruppen: Großohrigel (Steppenigel), Rattenigel (Haarigel) und die Stacheligel (Echte Igel). In Deutschland sind diese zwei Stacheligel-Arten verbreitet: 

  • Der Braunbrustigel (lateinischer Name: Erinaceus europaeus), auch Europäischer Igel genannt, ist im ganzen Land anzutreffen.
  • Der Weißbrustigel (lateinisch Erinaceus roumanicus) kommt viel seltener und nur in wenigen Randgebieten Ostdeutschlands vor.

„Eingeigelt“: Das Aussehen der Igel wird durch ihr Stachelkleid geprägt

Das etwa kaninchengroße Säugetier ist in der Regel etwa 32 Zentimeter lang und, je nach Jahreszeit und Geschlecht, rund ein Kilogramm schwer. Durch seine erdigen Farben – von Beige über Braun bis Schwarz – ist er auf dem Waldboden oder im Garten gut getarnt. Das unverkennbare „Markenzeichen“ eines Igels ist jedoch sein Stachelkleid. Ein ausgewachsenes Tierchen trägt zwischen 6.000 und 8.000 Stacheln. Die verhornten Haare schützen ihn vor seinen natürlichen Feinden wie Marder, Dachs oder Hund. Bei Gefahr zieht er seine Gliedmaßen an den Körper und rollt sich zu einer Stachelkugel zusammen, die undurchdringlich ist. Daher kommt auch das Wort „einigeln“.

Igel im Porträt: Natürliches Verhalten des Igels 

Ein Igel ist kein Frühaufsteher, kein Vegetarier – und ein bekannter Einzelgänger. Artgenossen im gleichen Gebiet toleriert er zwar, sucht aber keinen Kontakt zu ihnen (bis auf die Paarungszeit). Die überwiegend nachtaktiven Stachelträger sind standorttreu: Sie haben ihre festen Territorien und suchen Nahrung rings um ihre selbst gebauten Nester.

Igel im Porträt: Lebensraum – Wie und wo lebt ein Igel?

Igel sind nicht besonders anspruchsvoll, was den Lebensraum anbetrifft. Sie bevorzugen Hecken, Büsche und Gehölze – Hauptsache, sie finden ausreichend Futter und Versteckmöglichkeiten auf kleinem Gebiet. Da diese natürlichen Lebensräume immer mehr vor der intensiven Landwirtschaft zurückweichen, ziehen Igel in die Siedlungen und Vororte. Sie bevorzugen allerdings naturbelassene Gärten und Parks. Denn hier finden die Stacheltiere ihre Versteckvielfalt wieder. So bauen sie ihre Nester oft in direkter Nähe der Menschen – etwa unter Abdeckungen oder in Hecken (daher auch die englische Bezeichnung „Hedgehog“: Heckenschwein).

Leider sind die Stachelträger in der Nähe des Menschen nicht so sicher wie am Waldrand: Auf Straßen kommen jährlich hunderttausende Igel um. Auch in gepflegten Gärten und Grünanlagen finden sie bei Weitem nicht so viele Unterschlupfmöglichkeiten – und werden oft Opfer von Rasenmähern oder Rattengift. Darum sollten Sie in Ihrem Garten darauf achten, wo sich ein stacheliger Nachbar verstecken könnte. 

Igel im Porträt: So erkennen Sie Igel an Geräuschen 

Igel sind zwar Versteckmeister, doch sie machen sich durch zahlreiche Geräusche bemerkbar – wie durch das Rascheln im Laubhaufen oder im Unterholz oder das laute Schmatzen oder Knacken von Schneckenhäusern und Insektenpanzern. Richtig laut wird es, wenn der Einzelgänger Igel auf seinen Artgenossen trifft. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: einen Streit oder ein Paarungsritual. So wird gefaucht, gekreischt – oder eben gekeckert. 

Igel im Porträt: Wenn gekeckert wurde, kommt der Igel-Nachwuchs 

Die Paarungszeit ist von Juni bis August. Nach etwa 35 Tagen bringt das Igel-Weibchen vier bis fünf Jungen zur Welt, die sie über einen Monat lang säugt. Die mit etwa 100 weißen Stacheln bedeckte Jungtiere sind zwölf bis 25 Gramm leicht und etwa sechs Zentimeter lang. In den ersten zwei Wochen bleiben ihre Augen und Ohren zu. Nach etwa 42 Säugetagen geht es für die kleinen Igel mit dem selbstständigen Leben und der Futtersuche los. 

Igel-Nahrung: Von Schnecke bis Spinne – und kein Vegetarier!

Bei der Futtersuche nutzt der Igel vor allem sein feines Näschen. Damit erschnuppert er Larven und Insekten wie Schnecken, Käfer, Spinnen oder Würmer. Aber auch seine größeren tierischen Kollegen wie Mäuse oder Frösche stehen auf seinem Speiseplan. Gut zu wissen: Ihr Gemüsegarten bleibt von diesem tüchtigen Gourmet verschont – Igel sind nämlich keine Vegetarier!

Übrigens: Igel sind neugierige Gesellen. Darum beschnuppern und belecken sie interessante Gegenstände. Wenn es ihnen schmeckt, durchkauen sie sie. Dabei sondern sie weißschaumigen Speichel ab. Dies ist jedoch kein Zeichen von Tollwut und liegt am sogenannten Jacobsonschen Organ. Das zusätzliche Geschmacksorgan sitzt am Gaumen und hilft dem Igel, zu erkennen, ob es sich bei seiner Beute um einen schmackhaften Käfer oder ein Stück Baumrinde handelt.

Igel im Porträt: Warum Igel ihren Winterschlaf halten 

In der kalten Jahreszeit gibt es in der freien Wildbahn zu wenig Nahrung für die kleinen Stachelritter. Bereits im Herbst sorgen sie vor und werden tagaktiv. Bis November hat sich ein Igel in der Regel genug Fettreserven angefressen, sodass er damit ganz gut überwintern kann. Und sobald der Boden anfängt zu gefrieren, sucht er sich ein Winterquartier.

Sie mummeln sich gern in kuscheligen Laub- oder Reisighaufen oder einem anderen sicheren Versteck ein. Dieses soll gut temperiert sein: Wenn es zu kalt, zu warm oder zu feucht wird, können Igel aufwachen und verbrauchen sehr viel Energie. Ansonsten fahren sie ihren Stoffwechsel für die Dauer des Winterschlafs herunter. In dieser Zeit verlieren Igel bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts.

Herrscht im Winter mildes Wetter, können Igel aufwachen und im Garten herumlaufen. Sie kehren in ihr Versteck erst zurück, sobald die Temperaturen wieder sinken. Da sie im Winter jedoch schlecht an Nahrung kommen, verlieren sie viel Kraft. Wer Igel unterstützen möchte, stellt am besten eine Schale mit Futter und einen Wassernapf heraus. Geeignet ist zum Beispiel hochwertiges Katzenfutter mit hohem Fleischanteil. Speisereste vom eigenen Tisch sind dagegen nicht willkommen.

Igel im Porträt: Igel als Haustier – ist es erlaubt? 

Da Igel in Deutschland Artenschutz genießen, ist die private Haltung der Stacheltiere vom Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) verboten. Laut diesem dürfen Sie nur verletzte, hilflose oder kranke Igel aufnehmen, um sie gesund zu pflegen. Holen Sie sich in diesem Fall zeitnah den Rat eines Experten.

Lediglich der afrikanische Weißbauchigel ist davon ausgenommen. Doch diese brauchen im privaten Besitz besondere Bedingungen. Dazu zählen bestimmte Tag- und Nacht-Temperaturen oder Ruhepausen im Sommer, die nicht jeder Halter ohne Weiteres einhalten kann. Auch eine ausreichende Gehege-Größe ist notwendig, da Igel bewegungsfreudig sind. Werden sie nicht artgerecht gehalten, können sie sich verletzen, werden krank oder sterben frühzeitig.

Igel im Porträt: Igeln helfen – so geht es richtig

Während es keine gute Idee ist, einen Igel zu seinem Haustier zu machen, gehören einige Maßnahmen in Ihrem Garten zur willkommenen Hilfe für die niedlichen Stacheltiere. So verbessern Sie Lebensbedingungen für Igel:

  • Stellen Sie in ruhigen Ecken des Gartens einen Fressnapf in der kalten Jahreszeit und eine flache Wasserschale in den heißen Sommermonaten auf. Bitte beachten: Igel mögen zwar Milch, aber sie können sie nicht verdauen, weil sie laktoseintolerant sind! Die stacheligen Gourmets bevorzugen gekochtes Fleisch – aber bitte ungesalzen. Auch feuchtes Katzenfutter, hartgekochte Eier oder sogar Rührei fressen Igel gern (jedoch keine rohen Eier!).
  • Gestalten Sie Ihren Garten naturnah: Pflanzen Sie vorwiegend Einheimisches ein und

    verzichten sie dabei auf tierschädliche Dünger.
  • Schaffen Sie genügend Unterschlupfmöglichkeiten (wie Hohlräume) – vor allem vorm Winter.
  • Für ihren Winterschlaf benötigen Igel ein sicheres Versteck. Dieses bauen Sie aus trockenem Laub und Ästen. Decken Sie den Laubhaufen mit einer Plane ab und befestigen Sie diese mit Steinen an den Ecken.

Ist Ihr Zaun zu dicht und undurchlässig? Lassen Sie am Boden einen Abstand von zehn Zentimetern oder ein kleines Loch – so bekommen Sie auch den willkommenen Besuch in Ihrem Garten.