Trauriger Rekord

Zu viele Igel im Tierheim: Wann die Tiere wirklich Hilfe brauchen

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Herbstzeit ist Igelzeit – und noch nie waren so viele Igel wie jetzt im Tierheim. Dabei braucht nicht jedes Tier unsere Hilfe und muss gerettet werden.

Hamburg – Der Hamburger Tierschutzverein HTV schlägt Alarm: Noch nie hat das Tierheim des Vereins in der Süderstrasse so viele Igel aufgenommen, wie in diesem Jahr. Aktuell befinden sich 53 Tiere der geschützten Art in ihrer Obhut, seit Jahresbeginn waren es bereits 560 Igel. In den letzten Jahren waren es deutlich weniger. Woher kommt der plötzliche Ansturm und wann brauchen die Tiere wirklich Hilfe?

Zu viele Igel im Tierheim: Wann die Tiere wirklich Hilfe brauchen

Leider ist es oft falsch verstandene Tierliebe und viele Menschen bringen Igel unnötigerweise ins Tierheim. Denn die meisten Igel brauchen den Menschen nicht als Überwinterungshilfe. Im Gegenteil: Igel, die den ganzen Winter über versorgt und gepflegt werden, haben es im kommenden Frühjahr schwerer, sich in einem neuen Revier zurechtzufinden und gegen Artgenossen durchzusetzen. HTV-Pressesprecher und Diplom-Biologe Sven Fraaß betont auf der Webseite des Tierschutzvereins. „Der Igel ist ein Wildtier und sollte nach Möglichkeit in der Natur bleiben!“

Viele Igel brauchen den Menschen nicht als Überwinterungshilfe, sie kommen gut allein zurecht (Symbolbild)

Zu viele Igel im Tierheim: die meisten Tiere sind schon in ihrem Winterquartier

Erwachsene Igel mit ausreichend Gewicht ziehen sich gegen Ende Oktober in ihr Winterquartier zurück. Es können aber trotzdem immer noch ein paar der stacheligen Gesellen gesichtet werden. Meist sind das spätgeborenen Jungtiere, die noch auf Nahrungssuche unterwegs sind, um sich eine ausreichende Fettschicht für den Winterschlaf zuzulegen. Das ist aufgrund der aktuell noch milden Temperaturen laut HTV aber kein Problem und die Igel können sich diese Zeit durchaus nehmen. Das Gewicht eines Igels sollte für die Überwinterung idealerweise mindestens 500 Gramm betragen. (Igel schwer verletzt: Der tapfere „Bigfoot“ kämpft um sein Bein)

Zu viele Igel im Tierheim: In diesen Fällen braucht ein Tier Hilfe

Igel stehen unter Naturschutz und dürfen nur nach genauer Beobachtung in menschliche Obhut genommen werden. Auf jeden Fall sollte er dann von einem fachkundigen Tierarzt untersucht und falls nötig in Behandlung genommen werden. Das ist laut Naturschutzgesetz nur in folgenden Ausnahmen gestattet:

  • Der Igel ist verletzt oder krank: Kranke Tiere erkennt man laut HTV daran, dass sie tagsüber herumliegen, mager sind (mit Nackenfalte am Hinterkopf) und sich apathisch verhalten. Auch bei starkem Parasitenbefall, Fliegeneier oder Maden, sollte den Tieren sofort geholfen werden.
  • Der Igel ist jung und verwaist: Jungtiere, die sich tagsüber mit noch geschlossenen Augen und unvollständigem Stachelkleid außerhalb des Nests aufhalten, und sich womöglich kühl anfühlen, sind im November eine Ausnahme und brauchen dringend Hilfe.
  • Der Igel läuft bei Dauerfrost oder Schnee herum: Bei Schnee und Frost sollte kein Igel mehr unterwegs sein. Oft sind es dann schwache oder alte Tiere. Es können aber spät geborene Jungtiere sein, die sich kein ausreichendes Fettpolster für den Winterschlaf zulegen konnten.

Wer sich unsicher ist, ob ein Tier Hilfe benötigt, kann sich telefonisch an die Experten des HTV oder an jede Wildtierstation des örtlichen Tierheims wenden. Die Fachleute können am besten entscheiden, ob der Igel tatsächlich Hilfe braucht und aus seinem Lebensraum entnommen werden soll. Am meisten hilft es den Tieren übrigens, wenn die Gärten naturnaher gestaltet werden. Wie das genau geht erfahren Sie hier*. *24garten.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © blickwinkel/Imago