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Insektenschutz: Gedimmte Straßenbeleuchtung soll biologische Vielfalt stärken

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Von: Sina Lück

Mit einem Pilotprojekt will die Stadt Heiningen die biologische Vielfalt stärken. Um die Insekten zu schützen, wird die Straßenbeleuchtung künftig nachts gedimmt – mit intelligenter Technik im Hintergrund.

Heiningen (Baden-Württemberg) – Das zunehmende Insektensterben bereitet Tierschützern große Sorgen. Denn die kleinen Helfer übernehmen wichtige Aufgaben in unserem Ökosystem. Die Bestäubung von Pflanzen durch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge ist nur eine davon. Genau aus dem Grund hat die Stadt Heiningen nun ein Pilotprojekt zum Insektenschutz ins Leben gerufen. Das Ziel: Die biologische Vielfalt mit gedimmter Straßenbeleuchtung stärken. Dafür ist eine ausgeklügelte Technik im Hintergrund zuständig.

Insektenschutz: Gedimmte Straßenbeleuchtung soll biologische Vielfalt stärken

Helle Lichter ziehen Insekten nahezu magisch an. Das weiß jeder, der nachts die Lampen in der Wohnung einschaltet und zuvor vergessen hat, das Fenster zu schließen. Ehe man sich versieht, schwirrt schon die erste Mücke im Zimmer herum. „Insektenfreundliche Beleuchtung“ lautet daher das Stichwort im baden-württembergischen Heiningen. Für ein Jahr lang sollen die Straßenlampen in Heiningen nicht mehr so hell leuchten. Denn viele Insekten wie Mücken, Falter und Motten werden von künstlichem Licht angezogen und sterben entweder in den Lampen selbst oder kreisen dort bis zur völligen Erschöpfung.

Mit einem Pilotprojekt will die Stadt Heiningen die biologische Vielfalt stärken. Um die Insekten zu schützen, wird die Straßenbeleuchtung künftig nachts gedimmt – mit intelligenter Technik im Hintergrund.
Ein Pilotprojekt in Heiningen soll das Insektensterben reduzieren und die biologische Vielfalt stärken. (Symbolbild) © Frank Rumpenhorst/dpa

Insektenschutz: „Lichtverschmutzung ist zunehmend ein Problem“

Konkret bedeutet das: Entlang der Ortsdurchfahrt (Landesstraße 1217) der Gemeinde im Kreis Göppingen wird die Beleuchtung in der Nacht heruntergedimmt, um Falter, Fliegen und Schmetterlinge vor dem Tod durch eine Straßenlampe zu bewahren. Damit soll das Projekt einen wichtigen Beitrag leisten, das Insektensterben zu bremsen. Über ein Viertel der Insektenarten sind gefährdet.

Lichtverschmutzung ist zunehmend ein Problem, dem man sich zum Schutz der Biodiversität annehmen muss. Ich bin gespannt auf die Erkenntnisse aus dem Projekt, die uns zeigen werden, inwiefern Straßenbeleuchtung mittels intelligenter Steuerung insektenfreundlicher gemacht werden kann“, erklärt Elke Zimmer, Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Verkehr. Das Land fördert das Forschungsprojekt, an dem verschiedene Unternehmen aus der Beleuchtungs- und Energiebranche beteiligt sind, mit 75.000 Euro aus Mitteln des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt. Hamburger Imker verzeichnen weniger Tiere durch Bienenverluste.

Insektenschutz: Kameras ermöglichen Zählverfahren an den Leuchten

Für die „intelligente Steuerung“ wurden die LED-Straßenleuchten mit viel Technik bestückt: Kameras, Bluetooth-Tracker und hochauflösende Mikrofone ermitteln neben vorhandenen Echtzeitverkehrsdaten das tatsächliche Verkehrsaufkommen. So wird die Lichtintensität in verkehrsarmen Zeiten zum Schutz der Insekten heruntergeregelt. An Fußgängerüberwegen hingegen gibt es keine Veränderungen der Beleuchtung, damit sie jederzeit gut sichtbar sind.

Die Technik hat aber noch einen weiteren Vorteil: Mithilfe der speziellen Kameras und Künstlicher Intelligenz (KI) ist ein Zählverfahren der Insekten an den Leuchten möglich. Durch das „Insekten-Tracking“ wollen die beteiligten Projektpartner untersuchen, wie sich die reduzierte Beleuchtungsstärke auf die Aktivität von nachtaktiven Insekten auswirkt.

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